25 Minuten beschützte eine fremde Hündin einen verletzten Hund doch die Wahrheit rührte alle zu Tränen

25 Minuten lang beschützte eine fremde Hündin einen verletzten Hund mitten im Verkehr. Sechs Tage später verriet ein elfjähriger Junge, was sie wirklich getan hatte.

„Nicht anfassen! Die schnappt gleich!“

Mein Mitarbeiter Uwe stand hinter mir und hielt beide Hände hoch. Die braune Hündin knurrte so tief, dass ich es trotz des Verkehrslärms hören konnte.

Ich kniete mitten auf einer großen Kreuzung in Hannover. Links von mir hupte ein Lieferwagen. Rechts schimpfte ein Autofahrer aus seinem offenen Fenster.

Und vor mir lag diese Hündin.

Sie hatte die Vorderpfoten weit auseinander gestellt, den Rücken gekrümmt und den Kopf gesenkt. Als ich mich näherte, zeigte sie die Zähne.

„Mädchen, ich will dir doch nur helfen“, sagte ich.

Dann sah ich, was sich unter ihrem Körper befand.

Ein zweiter Hund.

Groß, schwarz, mit grauen Haaren um die Schnauze. Er lag auf der Seite und atmete schwer. Sein linkes Hinterbein stand in einem unnatürlichen Winkel ab.

Die braune Hündin lag nicht einfach neben ihm.

Sie hielt ihren eigenen Körper über ihn, als wollte sie ihn vor allem beschützen, was von oben kommen konnte.

Und jedes Mal, wenn ein Auto vorbeifuhr, duckte sie sich noch tiefer.

Ich heiße Michael Hoffmann, bin 54 Jahre alt und betreibe seit fast dreißig Jahren eine kleine Autowerkstatt am Stadtrand von Hannover.

Ich habe schon einiges erlebt.

Schwere Unfälle. Menschen, die nach einem Zusammenstoß völlig aufgelöst neben ihren Autos standen. Verletzte Tiere am Straßenrand.

Aber so etwas hatte ich noch nie gesehen.

Es war Donnerstag, kurz nach fünf. Feierabendverkehr.

Ich war gerade unterwegs, um Ersatzteile abzuholen, als ich mitten auf der Kreuzung etwas Braunes bemerkte.

Zuerst dachte ich, jemand hätte einen alten Teppich verloren.

Dann bewegte sich der Kopf.

Die Autos fuhren links und rechts daran vorbei. Manche bremsten kurz, andere beschleunigten sogar.

Ich hielt am Straßenrand an und schaltete die Warnblinkanlage ein.

Als ich ausstieg, rief jemand: „Fahr weiter! Dafür gibt es doch zuständige Leute!“

Ich hörte nicht hin.

Ich griff zum Telefon und rief Uwe an.

„Hol die anderen. Wir brauchen Hilfe an der Kreuzung. Zwei Hunde liegen auf der Fahrbahn.“

„Sind sie verletzt?“

„Einer schwer. Beeilt euch.“

Anschließend verständigte ich die Polizei und bat darum, den Verkehr abzusichern.

Bis Hilfe kam, stand ich am Rand der Fahrbahn und versuchte, die Autofahrer auf die Gefahr aufmerksam zu machen.

Einige hielten an.

Andere fuhren einfach weiter.

Ich werde wohl nie verstehen, warum manche Menschen bei einem verletzten Tier nicht einmal den Fuß vom Gas nehmen.

Neun Minuten später kamen Uwe und fünf weitere Kollegen. Sie stellten ihre Fahrzeuge an sicheren Stellen ab und halfen den inzwischen eingetroffenen Einsatzkräften, den Verkehr umzuleiten.

Endlich konnten wir uns den Hunden nähern.

Der schwarze Rüde trug ein gepolstertes Geschirr mit einem stabilen Griff auf dem Rücken.

Seine Augen waren geöffnet. Er schaute mich an, konnte aber nicht aufstehen.

Die braune Hündin hatte offenbar verstanden, dass wir helfen wollten.

Sie knurrte noch einmal.

Dann drückte sie ihre Nase gegen die Schulter des Rüden.

Ganz vorsichtig.

Fast so, als wollte sie ihm sagen, dass er keine Angst haben musste.

„Wir holen euch beide hier raus“, flüsterte ich.

Ein Mitarbeiter des Tierrettungsdienstes schob behutsam eine Transportliege unter den schwarzen Hund.

Die Hündin beobachtete jede Bewegung.

Erst als der Rüde sicher auf der Liege lag, machte sie einen Schritt zurück.

Und dann geschah etwas, das ich bis heute nicht vergessen kann.

Ihre Vorderbeine gaben nach.

Sie sank einfach auf den Boden.

Nicht, weil sie schwer verletzt war. Sondern weil sie offenbar keine Kraft mehr hatte.

Ich fing sie mit beiden Armen auf.

Ihr Fell war heiß. Sie zitterte am ganzen Körper.

An den Ellenbogen fehlte stellenweise das Fell. Die Haut war aufgescheuert, voller kleiner Steinchen und Straßenschmutz.

Sie musste sehr lange in dieser Stellung ausgeharrt haben.

Später erfuhren wir, wie lange.

Fünfundzwanzig Minuten.

Eine Überwachungskamera an der kleinen Tankstelle gegenüber hatte alles aufgezeichnet.

Fünfundzwanzig Minuten hatte diese Hündin mitten im Feierabendverkehr gelegen, ohne ihren Platz zu verlassen.

Der Asphalt war von der Sonne aufgeheizt.

Ihre Pfoten mussten wehgetan haben.

Trotzdem war sie geblieben.

Als wir beide Tiere endlich in Sicherheit hatten, setzte ich mich für einen Moment auf den Bordstein.

Uwe reichte mir eine Flasche Wasser.

„Das waren bestimmt Geschwister“, sagte er.

Ich nickte.

„Oder die gehören seit Jahren zusammen.“

Es war die einzige Erklärung, die mir logisch erschien.

Warum sollte ein Hund sonst so etwas tun?

Der Mann vom Tierrettungsdienst untersuchte die Tiere zunächst und kontrollierte anschließend die Kennzeichnung.

Die braune Hündin hatte weder Halsband noch registrierten Mikrochip.

Niemand konnte sagen, woher sie kam.

Der schwarze Rüde dagegen hatte einen Chip.

Sein Name war Oskar.

Und seine Besitzer wohnten nur wenige Straßen entfernt.

Ich stand gerade neben meinem Wagen, als der Mitarbeiter mit seinem Lesegerät zurückkam.

„Herr Hoffmann?“

„Ja?“

„Sie hatten vorhin gesagt, die beiden Hunde gehören wahrscheinlich zusammen.“

„Davon gehe ich aus.“

Der Mann schüttelte den Kopf.

„Das sieht nicht so aus.“

„Wie meinen Sie das?“

„Der schwarze Hund lebt seit Jahren bei seiner Familie. Die Besitzer kennen diese Hündin nicht.“

Ich schaute zu dem Transportwagen.

Die Braune lag auf einer Decke, den Kopf auf den Vorderpfoten.

„Dann ist sie vielleicht aus der Nachbarschaft.“

„Möglich. Aber bisher hat sie niemand erkannt.“

Ich wusste nicht, was ich darauf sagen sollte.

An diesem Abend fuhr ich nach Hause und erzählte meiner Frau Petra die Geschichte.

Sie hörte schweigend zu.

Als ich fertig war, fragte sie nur: „Und was passiert jetzt mit der Hündin?“

„Die Tierrettung kümmert sich um sie. Sie bekommt erst einmal eine tierärztliche Untersuchung.“

„Und danach?“

„Keine Ahnung.“

Petra sah mich lange an.

„Du wirst doch nach ihr fragen, oder?“

Klicke auf die Schaltfläche unten, um den nächsten Teil der Geschichte zu lesen.

Nach oben scrollen