Mein Mann hatte mich gebeten, nicht vor seinem Vater zu stillen. Als das Baby also das erste Mal Hunger bekam, stand ich auf, um in ein anderes Zimmer zu gehen. Ich wollte den Wunsch meines Mannes respektieren, auch wenn ich nicht gerade begeistert davon war.
Mein Schwiegervater schaute auf und fragte, wohin ich gehe. Ich sagte, dass ich das Baby füttern muss. Und dieser Mann – Jahrgang 1946, das Älteste von neun Kindern, aufgewachsen auf einem Bauernhof – sah mich an und sagte: „Wenn du denkst, ich habe meine Mutter nie meine Geschwister stillen sehen, bist du verrückt. Bleib bloß hier.“ Dann sagte er mir, ich soll mich wieder hinsetzen.
Also setzte ich mich wieder. Ich habe mein Baby direkt dort im Wohnzimmer gestillt und mein Schwiegervater hat nicht mit der Wimper gezuckt. Er wurde in der Nachkriegszeit von einer starken Frau großgezogen, die neun Kinder gestillt hat und für so einen Unsinn wie Prüderie absolut keine Zeit hatte. Der Mann ist auf dem Land groß geworden. Er hat in seinem Leben ganz andere Dinge gesehen. Ihn stört so etwas überhaupt nicht.
Mein Mann wartete, bis sein Vater ins Bett gegangen war. Dann ist er komplett explodiert.
Er warf mir vor, ich hätte ihn gedemütigt. Er meinte, ich hätte mich vor seinem eigenen Vater absichtlich seinen Regeln widersetzt. Ich hätte ihn schwach aussehen lassen, weil ich seine Bitte ignoriert hätte, als ob seine Meinung in seinem eigenen Haus nichts zählen würde. Er nannte mich aufmerksamkeitsbedürftig. Ich hätte mich nur „zur Schau stellen“ wollen und die Anwesenheit seines Vaters als Ausrede benutzt, um meinen Willen durchzusetzen. Er sagte mir ins Gesicht, ich sei eine schlechte Ehefrau und eine noch schlechtere Mutter, weil mir mein Ego wichtiger sei als sein Wohlbefinden.
Ich sagte ihm, dass sein Vater sich überhaupt nicht unwohl gefühlt hat. Sein Vater hatte mir schließlich selbst gesagt, ich solle sitzen bleiben!
Mein Mann meinte, das spiele keine Rolle. Ich hätte auf ihn hören sollen, nicht auf seinen Vater. Er sagte wörtlich: Wenn er mir sagt, ich soll etwas tun, dann habe ich das zu tun, und wenn ich damit nicht klarkomme, gehöre ich vielleicht nicht in seine Familie.
Ich antwortete, dass ich doch nur unser Baby gefüttert habe. Er meinte, ich hätte ja eine Flasche geben können. Ich erinnerte ihn daran, dass unser Baby erst drei Wochen alt ist und wir uns mit dem Stillen erst noch einspielen müssen. Er sagte, das sei meine eigene Entscheidung und ich solle das anderen Leuten nicht aufzwingen. Sein Haus, seine Regeln, sagte er, und wenn ich das nicht respektieren kann, kann ich mir einen anderen Ort suchen, um unseren Sohn zu füttern.
Ich sah ihn an und mir wurde plötzlich klar: Dieser Mann schreit mich gerade an, weil ich den Enkel seines Vaters vor den Augen seines Vaters gestillt habe – den es nicht im Geringsten gestört hat.
Was denkt ihr?
Liege ich falsch, wenn ich denke, dass mein Mann ein herrschsüchtiger Macho ist, dem Macht wichtiger ist als alles andere? Oder ist ein Mann, der verlangt, dass seine Frau sich zum Stillen in einem anderen Zimmer versteckt, und dann einen Wutanfall bekommt, wenn sie es nicht tut, einfach nur ein Frauenfeind, der nun endlich sein wahres Gesicht gezeigt hat?
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