Mein Tiertransporter lag auf der A7, dreißig Hunde waren eingeschlossen, doch der einzige Hund, der entkam, drehte plötzlich um und kroch wieder hinein.
Der Wagen lag auf der rechten Seite.
Ich lag ungefähr zwölf Meter dahinter auf dem Asphalt und konnte mein linkes Bein nicht mehr bewegen.
Aus dem beschädigten Tank lief Kraftstoff über die Fahrbahn. Aus dem Laderaum hinter mir kamen Geräusche, die ich bis heute nicht vergessen habe.
Bellen.
Jaulen.
Krallen, die gegen Kunststoffboxen schlugen.
Dreißig Hunde waren dort drin.
Und ich bekam die verdammte Hintertür nicht auf.
Mein Name ist Jörg Neumann. Ich war damals 48 und fuhr seit fast sieben Jahren Tiertransporte zwischen verschiedenen Tierheimen in Deutschland.
Das klingt komplizierter, als es war.
Manche Tierheime hatten keinen Platz mehr. Andere hatten gerade freie Boxen oder Interessenten für bestimmte Hunde. Also wurden Tiere manchmal in andere Regionen gebracht, damit sie überhaupt eine Chance auf Vermittlung bekamen.
Ich war einer von denen, die sie fuhren.
An diesem Tag hatte ich dreißig Hunde geladen.
Junge, alte, kleine, große.
Zwei Terrier, die schon gemeinsam abgegeben worden waren und keinen Meter voneinander weg wollten.
Einen alten Beagle mit Bauch.
Eine nervöse Schäferhund-Mischlingshündin.
Und einen großen braun-weißen Staffordshire-Mischling mit einer kleinen Kerbe im linken Ohr.
Auf seinem Zettel stand kaum etwas.
Fundhund.
Geschätztes Alter: drei Jahre.
Keine bekannte Vorgeschichte.
Kein Name.
Nur eine Nummer.
Ich weiß noch, dass ich beim Beladen kurz vor seiner Box stehen blieb.
Er saß ganz hinten, den Kopf leicht gesenkt, und beobachtete mich.
Kein Knurren.
Kein Bellen.
Nur dieser ruhige Blick.
„Na, Großer“, sagte ich. „Dann wollen wir mal.“
Mehr war da nicht.
Kein besonderer Moment.
Keine Ahnung, dass ich diesen Hund wenige Stunden später nie wieder vergessen würde.
Wir waren auf der A7 unterwegs, als vor mir plötzlich ein Wagen ins Schlingern geriet.
Danach ging alles zu schnell.
Bremslichter.
Ein Fahrzeug zog nach links.
Ein anderes wich aus.
Ich trat voll auf die Bremse und lenkte dagegen.
Mit einem schweren Transporter voller Boxen hinten drin ist so ein Manöver etwas anderes als mit einem kleinen Pkw.
Das Heck kam herum.
Ich spürte nur noch diesen Ruck.
Dann kippte der Wagen.
Metall kreischte.
Glas splitterte.
Die Welt drehte sich einmal um neunzig Grad.
Als alles stillstand, hing ich seitlich im Gurt.
Für vielleicht zwei Sekunden wusste ich nicht, wo oben und unten war.
Dann hörte ich die Hunde.
Da war ich sofort wieder klar.
Ich löste den Gurt, stemmte mich irgendwie zur Fahrertür hinaus und ließ mich auf die Straße fallen.
Als ich aufstehen wollte, knickte mein linkes Bein sofort weg.
Später stellte sich heraus, dass das Knie schwer verletzt war. Zwei Rippen waren angebrochen.
In diesem Moment wusste ich nur: Ich konnte nicht stehen.
Und dann roch ich den Kraftstoff.
Dieser scharfe Geruch.
Unter dem Wagen breitete sich bereits eine dunkle Spur aus.
Ich zog mich auf den Ellenbogen nach hinten.
Jeder Zentimeter tat weh.
Die Hunde schrien jetzt förmlich in ihren Boxen.
Ich kroch bis zu den Hecktüren.
Der Rahmen war verzogen.
Die rechte Tür hatte sich beim Umkippen verkantet.
Ich zog am Griff.
Nichts.
Noch einmal.
Nichts.
Ich stemmte einen Fuß dagegen und riss daran, bis mir die Rippen die Luft nahmen.
Die Tür bewegte sich keinen Zentimeter.
Zwei Autos hatten angehalten.
Dann noch eins.
Menschen standen am Rand der Fahrbahn.
Jemand telefonierte.
Ich brüllte:
„Helfen Sie mir! Die Hunde sind da drin!“
Ein Mann kam zwei Schritte näher.
Dann sah er unter den Transporter.
Er blieb stehen.
Ich sah in seinem Gesicht genau, was er dachte.
Beschädigter Wagen.
Auslaufender Kraftstoff.
Unbekannte Brandgefahr.
Dreißig panische Hunde.
Er wagte es nicht.
Und ich kann ihm das bis heute nicht übel nehmen.
Es ist leicht, später zu sagen, man wäre hingelaufen.
Wenn man selbst dort steht, sieht die Sache anders aus.
Ich zog weiter an der Tür.
Meine Hände rutschten ab.
Ich lag schließlich auf dem Boden und schlug mit der Faust gegen das Blech.
„Verdammt!“
Dann hörte ich ein anderes Geräusch.
Nicht hinter mir.
Über mir.
Der Kofferaufbau des Transporters war beim Sturz an einer oberen Naht aufgeplatzt. Weil das Fahrzeug auf der Seite lag, befand sich diese Stelle nun seitlich oben.
Im Blech war ein schmaler Spalt entstanden.
Vielleicht fünfundzwanzig Zentimeter.
Zu klein für die meisten Hunde.
Und aus diesem Spalt schob sich plötzlich ein Kopf.
Braun.
Weiße Schnauze.
Kerbe im Ohr.
Der große Mischling.
Er presste den Kopf hindurch.
Dann eine Schulter.
Dann die andere.
Ich weiß bis heute nicht, wie er seinen Brustkorb durch diese Öffnung bekommen hat.
Er rutschte heraus und landete auf der Seitenwand des Transporters.
Er war frei.
Vor ihm war Platz.
Er hätte nur noch herunterspringen und weglaufen müssen.
Jeder hätte es verstanden.
Nach dem Lärm.
Nach dem Aufprall.
Nach der Panik.
Doch der Hund blieb stehen.
Dann drehte er sich um.
Zurück zum Loch.
Nicht zur Straße.
Nicht von dem Wagen weg.
Zurück zu den anderen Hunden.
Ich lag da und starrte ihn an.
Er setzte die Vorderpfoten breit auseinander.
Dann biss er in die verbogene Blechkante.
Und zog.
Beim ersten Versuch passierte fast nichts.
Er ließ los.
Setzte neu an.
Biss wieder hinein.
Dann zog er mit dem ganzen Körper nach hinten.
Ich hörte dieses tiefe Knacken von verbogenem Metall.
Der Spalt wurde größer.
Nur ein paar Zentimeter.
Aber ein paar Zentimeter waren plötzlich alles.
Der Hund ließ los.
Seine Schnauze war an einer Stelle rot.
Er steckte den Kopf in die Öffnung und bellte zweimal hinein.
Kurz.
Hart.
Dann trat er zurück.
Und tatsächlich kam ein Hund.
Ein kleiner, junger Jagdhund-Mischling quetschte sich durch die Öffnung.
Er rutschte auf die Seitenwand des Transporters, sprang herunter und wollte sofort in Richtung Fahrbahn laufen.
Der große Hund sprang hinterher.
Er stellte sich ihm in den Weg.
Drängte ihn mit Schulter und Kopf Richtung Vorderseite des Transporters, weg vom auslaufenden Kraftstoff und weg von den fahrenden Autos auf der anderen Spur.
Dann lief er zurück.
Wieder zum Loch.
Wieder bellte er hinein.
Der zweite Hund kam heraus.
Dann der dritte.
Ich begann zu zählen.
Es war das Einzige, was ich noch tun konnte.
„Vier.“
„Fünf.“
„Sechs.“
Der Staffordshire-Mischling arbeitete wie jemand, der genau eine Aufgabe hatte und nichts anderes mehr wahrnahm.
Kam ein Hund heraus, führte er ihn weg.
Blieb keiner im Spalt sichtbar, bellte er hinein.
War die Öffnung zu eng, biss er wieder ins Blech.
Die beiden Terrier kamen fast gleichzeitig.
Einer stolperte über den anderen.
Der große Hund schob erst den einen, dann den anderen mit der Schnauze vom Fahrzeug weg.
Ein älterer Hund blieb mit der Hüfte hängen.
Er strampelte.
Der Mischling griff vorsichtig ins Fell an seinem Nacken und zog.
Nicht wild.
Nicht aggressiv.
Einfach gleichmäßig.
Der Alte rutschte heraus.
Ich zählte weiter.
„Siebzehn.“
„Achtzehn.“
„Neunzehn.“
Die Menschen am Straßenrand filmten inzwischen nicht mehr.
Einige waren näher gekommen.
Einer brachte einen Feuerlöscher.
Eine Frau versuchte, die herauskommenden Hunde zusammenzuhalten.
Aber niemand kam so nah an den Transporter wie dieser eine Hund.
„Dreiundzwanzig.“
Meine Stimme zitterte.
„Vierundzwanzig.“
Ich wusste nicht, wie viel Zeit wir hatten.
Vielleicht Minuten.
Vielleicht Sekunden.
Vielleicht würde gar nichts passieren.
Vielleicht doch.
Genau diese Ungewissheit machte es unerträglich.
Der dicke alte Beagle war Nummer achtundzwanzig.
Er passte nicht durch die Öffnung.
Er steckte mit Kopf und Vorderbeinen draußen, kam aber nicht weiter.
Der große Hund biss wieder ins Metall.
Einmal.
Zweimal.
Beim dritten Ziehen bog sich die Kante ein Stück weiter auf.
Ein Zahn des Hundes sah danach schief aus.
Er machte trotzdem weiter.
Der Beagle fiel heraus.
Nummer neunundzwanzig war die Schäferhund-Mischlingshündin.
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