Ein fünf Monate alter Hund beschützte ein sterbensschwaches Kätzchen und gab seinen kleinen Freund niemals auf

Ich saß daneben und weinte.

Nicht laut.

Mir liefen einfach die Tränen über die Wangen.

Nach all den schlimmen Stunden war es das erste Mal, dass ich Emil wirklich entspannt sah.

Natürlich brauchte er weiterhin seine Medikamente, Nahrung und die sorgfältige Betreuung.

Benno konnte ihn nicht gesund machen.

Aber in diesem Moment hatte ich das Gefühl, dass das kleine Kätzchen endlich ein Stück Sicherheit zurückbekommen hatte.

Am nächsten Morgen erzählte ich Markus davon.

Er hörte schweigend zu.

Dann fragte er: „Hat Benno denn auch geschlafen?“

Ich musste lächeln.

„Ja. Mit dem Kopf direkt neben Emil.“

Markus rieb sich über die Augen.

„Der kleine Kerl ist wirklich etwas Besonderes.“

Von da an durften die beiden regelmäßig unter Aufsicht beieinanderliegen.

Emil wurde langsam kräftiger.

Es gab gute Tage und schlechte Tage.

Manchmal fraß er ordentlich. Am nächsten Morgen musste man ihn wieder mühsam dazu bringen, ein paar Bissen zu nehmen.

Benno blieb dabei.

Und jedes Mal, wenn Emil nach einer Untersuchung zurückkam, lief Benno aufgeregt zu seinem Körbchen.

Am vierten Tag schaffte Emil zum ersten Mal eine kleine Portion Futter ganz allein.

Ich stand daneben und konnte es kaum glauben.

Er wackelte auf seinen dünnen Beinen, senkte den Kopf und begann vorsichtig zu fressen.

Benno saß ungefähr einen Meter entfernt.

Er wartete.

Als Emil fertig war, ging Benno langsam zu ihm.

Er schnupperte an seinem Gesicht und leckte ihm einmal über die Stirn.

Dann setzte er sich wieder hin.

„Na siehst du“, sagte ich und lachte unter Tränen. „Dein Freund schafft das.“

In den folgenden Wochen veränderte sich Emil.

Sein Fell wurde sauber und weich.

Aus dem schmutzigen kleinen Bündel wurde ein rot getigerter Kater mit großen, neugierigen Augen.

Er nahm zu.

Er begann, seine Umgebung zu untersuchen.

Und irgendwann passierte etwas, das wir beinahe nicht mehr zu hoffen gewagt hatten.

Emil wollte spielen.

Markus hatte einen kleinen Stoffball mitgebracht.

Er legte ihn vor das Kätzchen.

Emil schaute das Ding misstrauisch an.

Dann tippte er mit einer Pfote dagegen.

Der Ball rollte ein Stück.

Emil sprang erschrocken zurück.

Benno kam sofort näher.

Er beschnupperte den Ball, schob ihn mit der Nase zurück und setzte sich erwartungsvoll hin.

Emil beobachtete ihn.

Dann berührte er den Ball erneut.

Diesmal blieb er stehen.

Beim dritten Versuch lief er sogar hinterher.

Benno sprang begeistert auf.

Seine Rute wedelte so heftig, dass er fast das Gleichgewicht verlor.

Markus fing an zu lachen.

„Jetzt bringt der Hund der Katze auch noch das Spielen bei!“

Von diesem Tag an gehörte der kleine Stoffball zu ihrem Alltag.

Emil jagte ihn durch das Zimmer.

Benno brachte ihn zurück.

Manchmal nahm Benno den Ball selbst ins Maul und lief ein paar Schritte davon.

Dann rannte Emil hinterher.

Es war herrlich anzusehen.

Natürlich musste Benno lernen, vorsichtig mit seinem viel kleineren Freund umzugehen.

Und Emil musste lernen, dass Bennos Rute kein Spielzeug war, an dem man ständig ziehen konnte.

Aber mit etwas Geduld wurden sie ein eingespieltes Paar.

Nach einigen Monaten war Emil vollständig genesen.

Er sprang auf Fensterbänke, kletterte auf Kratzbäume und untersuchte jeden Winkel des Tierheims.

Benno war inzwischen deutlich gewachsen.

Aus dem kleinen Welpen war ein kräftiger Junghund geworden.

Doch eine Sache hatte sich nicht verändert.

Egal, wo Emil war, Benno wollte wissen, was sein Freund gerade machte.

Wenn Emil auf dem Kratzbaum saß, wartete Benno darunter.

Wenn Emil im Körbchen schlief, legte sich Benno daneben.

Und wenn Emil abends müde wurde, suchte er oft von selbst Bennos Nähe.

Dann rollte er sich zwischen dessen Vorderpfoten zusammen.

Manchmal lag er sogar halb auf seinem Rücken.

Benno ließ alles geduldig geschehen.

Eines Morgens fand ich beide schlafend in ihrem gemeinsamen Ruhebereich.

Emil hatte seinen Kopf unter Bennos Kinn geschoben.

Bennos große Pfote lag locker neben ihm.

Ich blieb in der Tür stehen.

Dort lagen zwei Tiere, die wir Monate zuvor kaum lebend aus einer verlassenen Garage geholt hatten.

Jetzt waren sie gesund.

Und sie hatten einander immer noch.

Ich machte ein Foto.

Damals wusste ich nicht, wie wichtig dieses Bild später werden würde.

Denn als Emil und Benno zur Vermittlung freigegeben wurden, begann für uns eine neue Sorge.

Wir wollten sie nicht trennen.

Doch ein Zuhause für zwei Tiere gleichzeitig zu finden, war schwierig.

Ein Hund und eine Katze bedeuteten doppelte Verantwortung.

Nicht jede Familie konnte oder wollte das übernehmen.

Mehrmals meldeten sich Interessenten.

Eine Frau wollte Emil haben.

Ein älteres Ehepaar interessierte sich für Benno.

Jedes Mal mussten wir erklären, weshalb wir die beiden nur gemeinsam vermitteln wollten.

Manche verstanden es.

Andere schüttelten den Kopf.

„Aber eine Katze und ein Hund?“, fragte ein Mann. „Die brauchen doch nicht unbedingt einander.“

Ich führte ihn zu ihrem Ruhebereich.

Emil lag eingerollt zwischen Bennos Vorderpfoten.

Als wir näher kamen, hob Benno den Kopf.

Emil schlief weiter.

„Vielleicht brauchen das nicht alle Hunde und Katzen“, sagte ich. „Aber diese beiden hängen sehr aneinander.“

Der Mann sah sie eine Weile an.

Dann nickte er.

Er entschied sich schließlich für ein anderes Tier.

Ich war erleichtert und gleichzeitig traurig.

Denn jeder weitere Tag im Tierheim war ein Tag, an dem Benno und Emil noch kein eigenes Zuhause hatten.

Dann kam ein Samstag, an den ich mich noch lange erinnern werde.

Ein junges Ehepaar betrat unser Tierheim.

Katrin und Stefan Meyer, beide Anfang dreißig.

Sie waren gerade in ein kleines Haus am Rand von Kassel gezogen.

Zum Haus gehörte ein eingezäunter Garten.

„Wir würden gern ein Tier aufnehmen“, sagte Katrin.

„Am liebsten eine Katze“, ergänzte Stefan. „Aber wir möchten erst einmal schauen.“

Ich führte sie durch unsere Räume.

Katrin entdeckte Emil sofort.

Er saß auf seinem Kratzbaum und putzte sich gerade eine Pfote.

Als sie vor dem Gitter stehen blieb, kam er herunter.

Er miaute leise und rieb seinen Kopf am Gitter.

Katrin lächelte.

„Ach, ist der süß.“

Sie ging in die Hocke.

Emil streckte neugierig seine Nase zu ihr.

Stefan beugte sich ebenfalls vor.

Dann bemerkte er Benno.

Der lag wenige Schritte entfernt und beobachtete Emil.

„Gehört der Hund auch hierher?“

„Ja“, antwortete ich. „Und die beiden haben eine besondere Geschichte.“

Ich erzählte ihnen von der Garage.

Von dem schmutzigen Kätzchen auf der Matratze.

Von dem fünf Monate alten Hund, der sich schützend um es gelegt hatte.

Von den schweren Tagen in der Praxis.

Und davon, wie Emil schließlich wieder zu fressen und zu spielen begann.

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