„Muss er auch nicht“, sagte Matthias.
Da trat Hauptkommissar a.D. oder Sheriff? Localize as Dorfpolizist? Need avoid real org maybe „Ortspolizist“. Let’s use „Bürgermeister“? But original sheriff important. Could be Revierleiter David Brandt, der für mehrere Gemeinden zuständig war. That’s okay, generic.
In diesem Moment kam David Brandt dazu, der Revierleiter für mehrere Orte in der Gegend. Seit fast zwanzig Jahren war er der Mann, den jeder anrief, wenn etwas verschwand, eskalierte oder mitten in der Nacht zu laut wurde.
Er hatte diese Ruhe, die anderen Männern sofort zeigte, dass sie ihren Ton besser mäßigen sollten.
„Abend zusammen“, sagte er.
Sein Blick ging zu Jonas.
„Neu hier?“
„Jonas Krüger.“
David gab ihm die Hand, hielt sie eine Sekunde länger als nötig und sah ihm dabei direkt in die Augen.
Es war kein Machtspiel.
Eher eine Prüfung.
Und Jonas bestand sie, ohne auch nur zu blinzeln.
„Komm morgen mal im Revier vorbei“, sagte David beiläufig. „Ich rede bei neuen Gesichtern gern einmal selbst.“
„Mach ich“, antwortete Jonas.
Auf der Heimfahrt sagte lange keiner etwas.
Das Dorf lag bald hinter ihnen. Dunkelheit fraß die Straße, nur die Scheinwerfer schoben einen hellen Tunnel durch die Nacht.
Schließlich sagte Jonas: „Die mögen mich nicht.“
„Sie kennen dich nicht“, sagte Matthias.
„Manche brauchen dafür nicht viel Unterschied.“
Matthias nickte.
„Stimmt. Aber manche ändern ihre Meinung auch wieder.“
„Und Sie?“
„Ich habe dich eingestellt.“
„Das ist keine Antwort.“
Matthias sah weiter geradeaus.
„Doch. Für heute ist es eine.“
Am nächsten Morgen weckte ihn Hämmern.
Als er aus dem Haus trat, war Jonas schon seit Stunden auf den Beinen und reparierte die morschen Stufen am alten Getreidesilo.
„Bist du nie müde?“, fragte Matthias.
Jonas setzte die Wasserwaage ab.
„Doch.“
Mehr sagte er nicht.
Beim Frühstück legte Matthias die Arbeiten für den Tag fest. Dann erinnerte er Jonas daran, im Revier vorbeizufahren. Jonas nickte nur.
Sie fuhren getrennt ins Dorf.
Matthias brauchte Futtermittel und ein paar Ersatzteile. Jonas wollte zuerst zu David Brandt und danach offenbar einfach zurück.
Auf dem Hof des Landhandels fing Rolf Henning Matthias wieder ab.
„Ich sag’s dir nur einmal“, sagte er ohne Begrüßung. „Das ist keine gute Idee.“
Matthias lud schweigend Säcke auf die Ladefläche.
„Niemand weiß, wer der Kerl wirklich ist“, fuhr Rolf fort. „Woher er kommt. Was er getan hat. Ob er Ärger mitgebracht hat.“
„Hast du nichts zu tun, Rolf?“
„Doch. Ich passe auf, dass hier nicht noch mehr schiefläuft.“
Matthias richtete sich langsam auf.
„Auf meinem Hof passe ich selbst auf.“
Rolf trat näher.
„Dein Hof steht kurz vor der Kante. Das weiß hier jeder. In deiner Lage holt man sich keinen Fremden ins Haus, über den nicht mal der Revierleiter beruhigt aussieht.“
Das saß.
Weil es nicht ganz falsch war.
Weil Matthias selbst seit dem Vorabend spürte, dass Jonas etwas mit sich trug, das größer war als Armut oder Pech.
Weil er ihn trotzdem nicht weggeschickt hatte.
„Schön, dass du dich sorgst“, sagte Matthias ruhig. „Jetzt geh mir aus dem Weg.“
Im Gasthof saß Jonas bereits in der hintersten Ecke.
Nicht zufällig.
Mit Blick auf Tür und Fenster.
Als Matthias sich setzte, fiel ihm sofort auf, dass Jonas angespannt war.
„Was wollte David?“
„Nur reden.“
„Und?“
„Er hat dieselben Fragen gestellt wie alle anderen.“
„Und du?“
„Hab dieselben halben Antworten gegeben.“
Dieter brachte Kaffee und stellte Matthias einen Teller Eintopf hin.
„Auf’s Haus“, sagte er. „Ihr seht aus, als könntet ihr was Warmes gebrauchen.“
Nachdem er weg war, lehnte sich Matthias vor.
„Willst du mir jetzt sagen, worum es wirklich geht?“
Jonas sah auf seine Tasse.
Lange.
Dann sagte er: „Nicht heute.“
Matthias wollte gerade etwas erwidern, als draußen ein schwarzer Geländewagen langsam am Fenster vorbeifuhr.
Dann noch einer.
Kein Kennzeichen, das man sich leicht merkte. Dunkle Scheiben. Teures Fahrzeug. Zu geschniegelt für die Gegend.
Jonas’ Körper veränderte sich in derselben Sekunde.
Es war nicht nur Anspannung.
Es war eine alte Gewohnheit, die blitzartig zurückkam.
Sein Rücken wurde gerader. Die Finger ruhten nicht mehr locker auf dem Tisch. Sein Blick war plötzlich messerscharf.
„Wir müssen gehen“, sagte er.
„Warum?“
„Weil sie mich gefunden haben.“
Mehr bekam Matthias nicht.
Jonas war schon aufgestanden, legte Geld auf den Tisch und ging zur Tür.
Draußen standen auf der anderen Straßenseite zwei Männer in dunkler Kleidung neben einem weiteren Wagen.
Sie sahen nicht aus wie Polizisten.
Nicht aus wie Sicherheitsdienst.
Sie sahen aus wie Männer, die gelernt hatten, Ärger sauber und ohne Aufsehen zu erledigen.
Einer hob die Hand an sein Ohr, als Jonas aus dem Gasthof kam.
Matthias spürte ein Ziehen im Bauch.
Auf der Rückfahrt blieb Jonas so dicht hinter seinem Transporter, als müsse er ihn abschirmen.
Als sie den Feldweg zum Hof einbogen, sah Matthias die Wagen sofort.
Drei schwarze Fahrzeuge standen vor dem Wohnhaus.
Mindestens sechs Männer auf dem Hof.
Zwei an der Scheune.
Einer am kleinen Nebengebäude.
Noch einer an der Veranda.
Jonas zog plötzlich nach links, scherte neben Matthias aus und bedeutete ihm wild zu stoppen.
Hundert Meter vor dem Hof kamen beide Fahrzeuge hinter einer Baumreihe zum Stehen.
„Keinen Meter weiter“, sagte Jonas.
Seine Stimme war jetzt völlig anders.
Keine Müdigkeit mehr.
Keine Unsicherheit.
Nur Kontrolle.
„Wer sind die?“, fragte Matthias.
Jonas atmete einmal tief durch.
„Eine private Sicherheitsfirma. Ich war für sie im Ausland im Einsatz.“
„Und jetzt?“
„Jetzt suchen sie etwas, das ich habe.“
Matthias starrte ihn an.
„Was heißt das?“
Jonas sah kurz zum Hof, dann endlich zu ihm.
„Beweise.“
„Für was?“
Jonas’ Kiefer arbeitete.
„Illegale Waffenlieferungen. Verschwundene Gelder. Einsätze, die nie hätten stattfinden dürfen. Tote, die niemand zählen sollte.“
Matthias spürte, wie ihm kalt wurde, obwohl die Sonne schien.
„Und du bist damit einfach auf meinem Hof aufgetaucht?“
„Ich wusste nicht, dass sie mir so nah sind.“ Jonas presste die Lippen zusammen. „Ich wollte nur untertauchen. Arbeiten. Den Kopf leise kriegen.“
„Leise?“, fuhr Matthias ihn an und zeigte auf sein Haus. „Da laufen bewaffnete Männer über meinen Hof!“
Jonas nickte nur.
Er nahm den Vorwurf an, als hätte er ihn sich längst selbst gemacht.
„Es tut mir leid“, sagte er.
Und seltsam genug machte genau das etwas mit Matthias.
Nicht die Entschuldigung.
Sondern die Art, wie Jonas sie sagte.
Ohne Ausrede.
Ohne Gejammer.
Ohne sich kleiner zu machen als nötig.
„Wieviele?“, fragte Matthias wieder.
„Acht sehe ich. Vielleicht zehn.“
„Und was machen wir?“
Jonas zog einen kleinen Datenträger aus der Jackentasche.
„Die suchen das hier.“
Matthias blinzelte.
So klein.
Und offenbar genug, um Männer mit Waffen auf einen Bauernhof zu schicken.
„Gib’s ihnen doch“, sagte er.
Jonas lachte kurz, freudlos.
„Dann sind wir beide trotzdem ein Problem.“
Das glaubte Matthias sofort.
Er sah zu seinem Haus.
Zu den Fenstern.
Zum Dach.
Zum Hofhund, der im Zwinger bellte, weil er längst begriffen hatte, dass etwas nicht stimmte.
„Hinten gibt’s den alten Kartoffelkeller“, sagte Matthias plötzlich. „Von da kommt man unter dem Schuppen raus.“
Jonas sah ihn an.
„Sie müssen hier weg.“
„Das ist mein Hof.“
„Eben.“
„Und weil es mein Hof ist, entscheide immer noch ich, wer hier herumläuft.“
Zum ersten Mal seit Minuten flackerte etwas wie Respekt in Jonas’ Blick auf.
Nicht Dankbarkeit.
Etwas Tieferes.
Als hätte er nicht erwartet, dass jemand bleibt.
Sie ließen die Fahrzeuge stehen und gingen geduckt durch das Maisfeld.
Matthias kannte jede Fahrspur, jede Senke, jeden Graben. Er führte Jonas über den Bewässerungsgraben, vorbei an der alten Maschinenhalle, bis sie den Schuppen an der Rückseite des Hofes erreichten.
Von dort aus konnten sie die Männer sehen.
Einer hatte Jonas’ Unterkunft bereits durchsucht.
Ein anderer trug den Rucksack zu einem grauhaarigen Mann im hellen Mantel, der mitten auf dem Hof stand, als gehöre ihm alles.
„Der Chef“, murmelte Jonas. „Falkenhayn.“
„Auch so ein falscher Name?“
„Wahrscheinlich.“
Matthias zog sein Handy heraus und rief David Brandt an.
Er sprach leise, schnell, ohne zweimal erklären zu müssen, was schwarze Wagen und bewaffnete Männer auf einem Hof bedeuteten.
David unterbrach ihn kaum.
Nur einmal fragte er: „Sind Sie beide verletzt?“
„Noch nicht.“
„Bleiben Sie verdeckt. Ich bin unterwegs.“
Jonas hörte mit.
„Wenn er nur mit zwei Streifenwagen kommt, reicht das nicht.“
„David kommt nicht ohne Plan“, sagte Matthias.
„Die Männer da draußen auch nicht.“
Sie duckten sich hinter einen abgestellten Anhänger, als zwei Männer mit Funkgeräten näher an den Schuppen kamen. Matthias hörte sein eigenes Herz.
Jonas dagegen wirkte erschreckend ruhig.
„Wenn es kippt“, sagte er leise, „laufen Sie nach Osten durchs Feld. Nicht zur Straße. Nie zur Straße.“
Matthias sah ihn scharf an.
„Und du?“
„Ich lenke sie weg.“
„Kommt nicht infrage.“
„Herr Lorenz—“
„Hör auf, mich Herr Lorenz zu nennen, wenn hier gleich geschossen wird.“
Jonas sah ihn kurz an.
Trotz allem musste Matthias fast lachen.
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