Wie zwei Jungen vor meiner Tür mir zeigten, was faire Arbeit wirklich bedeutet

Jedes Mal musste ich innerlich lächeln.

Nicht, weil ich mir einbildete, das alles ausgelöst zu haben.

Sondern weil ich sah, wie sich ein kleiner Kreis schloss: Zwei Jungs, ein Nachmittag, ein bisschen Vertrauen und plötzlich reden Erwachsene darüber, was fair ist.

Eines Abends, viel später, als der erste Frost schon über den Gärten lag, stand ich selbst wieder im Wohnzimmerfenster.

Der Garten war längst wieder voller Blätter, so ist das mit Arbeit: Sie hört nie endgültig auf.

Aber in meinem Kopf war etwas ruhiger geworden.

Ich dachte an den Jungen mit dem Werkzeugkasten von damals und daran, wie oft er mit zu wenig nach Hause gekommen war.

Und plötzlich tat es nicht mehr ganz so weh.

Weil ich jetzt wusste: Ich kann heute jemandem geben, was mir damals gefehlt hat.

Vielleicht ist das der heimliche Trick des Erwachsenseins.

Nicht, dass wir alles besser wissen.

Sondern dass wir manchmal die Chance bekommen, den alten Schmerz in etwas Neues zu verwandeln in sechzig Euro, in ein ernst gemeintes „Das ist deine Zeit wert“, in einen Nachmittag, den zwei Jungs nie vergessen werden.

Und ich nahm mir vor:

Das nächste Mal, wenn es klingelt und ein Kind vor meiner Tür steht und mir seine Arbeit anbietet, überlege ich nicht zuerst, wie billig ich davonkomme.

Sondern wie fair ich sein kann zu ihm und zu dem Kind, das ich einmal war.

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