22 Stunden im Wasser: Was diese Hündin für ihre sieben Welpen tat, rührte alle zu Tränen

22 Stunden stand die Hündin im eiskalten Wasser einer überfluteten Scheune, als die Helfer sie fanden, lagen alle sieben Welpen trocken auf ihrem Rücken.

„Da hinten ist etwas.“

Nina Berger blieb mitten im Wasser stehen und hob die Taschenlampe höher. Die 36-jährige Tierrettungshelferin bewegte sich keinen Zentimeter mehr.

Hinter ihr verstummten auch Thomas und Jens.

Das Wasser in der alten Scheune reichte ihnen fast bis zu den Knien. Zwischen umgestürzten Eimern, Brettern und aufgeweichten Futtersäcken führte ein schmaler Weg zur hinteren Wand.

Dort stand ein Hund.

Nein.

Eine Hündin.

„Alma“, flüsterte Nina.

Sie kannten ihren Namen aus der Vermisstenmeldung des Hofbesitzers.

Alma war eine kräftige, goldbraune Mischlingshündin. Normalerweise wog sie fast dreißig Kilo.

Jetzt wirkte sie plötzlich klein.

Ihr Fell klebte am Körper. Die Beine zitterten so stark, dass Nina sich fragte, wie sie überhaupt noch stehen konnte.

Alma hatte den Rücken gegen die gemauerte Wand gedrückt.

Den Kopf hielt sie ungewöhnlich gerade.

Erst als Nina das Licht etwas höher richtete, begriff sie warum.

Zwischen Almas Ohren lag ein winziger heller Welpe.

Und auf ihrem Rücken lagen sechs weitere.

Dicht an dicht.

Wie kleine warme Pakete.

Thomas atmete hörbar ein.

„Das kann doch nicht sein.“

Nina antwortete nicht.

Sie ging zwei vorsichtige Schritte näher.

Jetzt konnte sie die Welpen deutlich sehen.

Keiner lag im Wasser.

Keiner zitterte.

Einige schliefen sogar.

Alma dagegen stand bis fast an den Bauch im kalten Wasser.

„Wie lange ist sie hier drin?“, fragte Jens.

Thomas sah auf seine Notizen.

„Seit gestern Vormittag. Ungefähr zweiundzwanzig Stunden.“

Niemand sagte etwas.

Zweiundzwanzig Stunden.

Nina betrachtete Almas Hinterbeine.

Sie waren nicht einfach nur müde.

Die Muskeln zuckten unkontrolliert.

An mehreren Stellen waren die Pfoten aufgescheuert. Dort, wo die Hündin offenbar immer wieder auf dem glatten Beton weggerutscht und dagegen angekämpft hatte, war das Wasser leicht verfärbt.

Sie musste verstanden haben, was passierte.

Als das Wasser in die Scheune gedrungen war, hatte sie wahrscheinlich zuerst versucht, ihre Welpen an einen höheren Platz zu bringen.

Aber die alte Wurfkiste stand längst unter Wasser.

Regale waren umgekippt.

Säcke hatten sich vollgesogen.

Es gab keinen trockenen Platz mehr.

Außer ihr selbst.

Also hatte Alma ihren Körper benutzt.

Sie hatte sich an die Wand gestellt, damit sie nicht umfallen konnte.

Dann musste sie ihre Kleinen irgendwie auf ihren Rücken gezogen oder geschoben haben.

Sieben Welpen.

Stundenlang.

„Oh Gott“, sagte Nina leise.

Alma hob den Kopf.

Sofort spannte sich ihr ganzer Körper an.

Nicht aggressiv.

Nur wachsam.

Ihre Augen waren halb geschlossen vor Erschöpfung, aber sie beobachtete jede Bewegung der drei Menschen.

Der Welpe auf ihrem Kopf bewegte sich.

Ein leises Quieken.

Almas Ohren zuckten sofort nach hinten.

Ihre Nase hob sich ein Stück.

Als wollte sie sagen:

Ich bin noch da.

Nina kannte diesen Blick.

Sie hatte in mehr als zehn Jahren viele Tiere aus schwierigen Situationen geholt.

Verängstigte Hunde.

Verletzte Katzen.

Tiere, die aus Panik nach jeder Hand schnappten.

Aber Alma sah sie anders an.

Sie schien nicht um sich selbst zu bitten.

Ihr Blick wanderte immer wieder zu den Welpen.

„Wir nehmen zuerst die Kleinen“, sagte Nina.

Thomas nickte.

„Langsam.“

Nina hielt Alma die offene Hand hin.

„Alles gut, Mädchen.“

Keine Reaktion.

„Du hast gut auf sie aufgepasst.“

Almas Nase bewegte sich.

„Jetzt helfen wir dir.“

Nina machte noch einen Schritt.

Alma hätte knurren können.

Sie hätte die Zähne zeigen können.

Sie tat nichts davon.

Sie sah Nina nur an.

Sekundenlang.

Dann senkte sie langsam den Kopf.

Nur wenige Zentimeter.

Aber Nina verstand.

Sie streckte beide Hände aus und hob vorsichtig den kleinen Welpen zwischen Almas Ohren hoch.

Er war unglaublich leicht.

Und warm.

Nicht nur ein bisschen warm.

Sein Bauch fühlte sich an, als hätte er die ganze Zeit in einer Decke gelegen.

Nina schluckte.

„Der ist trocken.“

Thomas sah sie ungläubig an.

„Wirklich?“

„Komplett.“

Sie reichte ihm den Welpen.

Im kleinen Rettungsboot lag bereits eine dicke Decke. Thomas wickelte ihn hinein.

Nina wandte sich wieder Alma zu.

Die Hündin folgte jeder Bewegung.

Als sie sah, dass ihr Welpe sicher in der Decke lag, entspannte sich ihr Blick ein wenig.

Nun nahm Nina den ersten Welpen vom Rücken.

Braunes Fell, helle Schnauze.

Dann den nächsten.

Weiß gefleckt.

Der dritte war fast schwarz.

Der vierte goldfarben wie seine Mutter.

Der fünfte war grau und etwas rundlicher als die anderen.

Der sechste lag ganz flach zwischen Almas Schulterblättern.

Und der siebte hatte sich eng an ihren Nacken gedrückt.

Bei jedem Welpen blieb Alma vollkommen still.

Nur ihre Augen bewegten sich.

Von Nina zu Thomas.

Von Thomas zum Boot.

Immer kontrollierte sie, wohin ihre Kleinen gebracht wurden.

Als Nina den letzten Welpen hochhob, geschah etwas, das ihr später nicht aus dem Kopf gehen sollte.

Alma schloss die Augen.

Nicht lange.

Vielleicht zwei Sekunden.

Aber es wirkte, als hätte sie sich zum ersten Mal seit fast einem ganzen Tag erlaubt, nicht aufzupassen.

Dann gaben ihre Hinterbeine nach.

„Nina!“

Die Hündin rutschte an der Wand herunter.

Nina warf sich nach vorn und packte sie unter der Brust.

Jens griff von der anderen Seite zu.

„Wir haben dich.“

Alma versuchte noch einmal aufzustehen.

Sie konnte nicht.

„Nein“, sagte Nina leise. „Du musst nichts mehr machen.“

Gemeinsam hoben sie die völlig erschöpfte Hündin ins Boot.

Dort lagen ihre sieben Welpen.

Kaum berührte Alma die Decke, versuchten die Kleinen zu ihr zu krabbeln.

Einer schob seine Nase unter ihr Vorderbein.

Ein anderer drückte sich an ihre Brust.

Alma zitterte am ganzen Körper.

Trotzdem hob sie den Kopf.

Sie leckte den ersten Welpen über die Stirn.

Dann den zweiten.

Dann den dritten.

Langsam ging sie alle sieben durch.

Erst danach legte sie den Kopf auf die Decke.

Auf einer Anhöhe außerhalb des überfluteten Bereichs war in einem ehemaligen Schulgebäude eine provisorische Unterkunft eingerichtet worden.

Dort wartete seit Stunden auch Martin Keller.

Der 58-jährige Besitzer des kleinen Hofes hatte kaum gesprochen, seit er am Abend zuvor evakuiert worden war.

Als das Wasser plötzlich schneller gestiegen war als erwartet, hatte er nur wenige Minuten gehabt.

Er hatte angenommen, dass Alma mit ihren Welpen in einem erhöhten Nebenraum geblieben war.

Erst später hatte er erfahren, dass die Verbindungstür zur Scheune offen gewesen war.

Seitdem machte er sich Vorwürfe.

Als das Rettungsboot ankam und Martin die Helfer sah, sprang er auf.

Dann sah er Alma.

Nina und Jens trugen sie auf einer Decke herein.

Hinter ihnen brachte Thomas eine Kiste mit sieben Welpen.

Martin blieb einfach stehen.

Sein Gesicht veränderte sich.

„Alle?“, fragte er.

Nina nickte.

„Alle sieben.“

Martin hielt sich eine Hand vor den Mund.

Dann ging er vor Alma auf die Knie.

Die Hündin hob schwach den Kopf.

Ihr Schwanz bewegte sich einmal.

Nur einmal.

Das reichte.

Martin begann zu weinen.

„Es tut mir leid“, sagte er und legte seine Stirn an ihren Kopf.

„Es tut mir so leid, Mädchen.“

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