Er lachte über meinen Preis, als wäre ich ein alter Betrüger. Keine zehn Minuten später sagte er kein einziges Wort mehr.
„Fünfzehnhundert Euro? Wollen Sie mich eigentlich veräppeln?“
Der junge Mann im teuren Mantel schlug mit der flachen Hand auf meinen staubigen Verkaufstresen.
„Es geht um einen Handlauf aus Eiche. Eine kleine Reparatur. Das machen Sie doch in zwanzig Minuten.“
Ich sagte erst mal nichts.
Ich rieb nur langsam über meine Fingerknöchel, die seit Jahren geschwollen sind. Hände, mit denen ich in dieser Stadt Holz bearbeite, seit es den Burschen wahrscheinlich noch nicht mal gab.
Dann sah ich über meine zerkratzte Schutzbrille zu ihm hoch.
„Was wäre denn Ihrer Meinung nach ein fairer Preis, Herr Becker?“
Er zog den Ärmel seines Mantels gerade, blickte kurz auf seine Uhr und sagte: „Achthundert. Höchstens. Und selbst das ist noch großzügig. Es ist doch nur Holz und Leim.“
Ich musste lächeln.
Nicht aus Freude. Eher so, wie man mit zweiundsiebzig lächelt, wenn man seit Monaten fast jeden Auftrag annimmt, weil die Medikamente meiner Frau jeden Monat mehr kosten als der davor.
„Dann machen wir es doch ganz einfach“, sagte ich ruhig und stützte mich auf den Tresen. „Dann reparieren Sie den Handlauf selbst. Für achthundert.“
Er verdrehte die Augen.
„Ich bin kein Schreiner.“
„Kein Problem“, sagte ich. „Für achthundert bringe ich es Ihnen bei. Dann sparen Sie siebenhundert Euro und können hinterher behaupten, Sie hätten was fürs Leben gelernt.“
Er schwieg einen Moment.
Dann kam dieses zufriedene Grinsen zurück.
„Wissen Sie was? Klingt gar nicht schlecht. Machen wir so.“
„Gut“, sagte ich. „Dann brauchen Sie als Erstes vernünftiges Werkzeug.“
Ich zeigte in meine Werkstatt.
„Sie brauchen eine gute Hobelmaschine, stabile Schraubzwingen, Schleifgerät, ordentliches Eichenholz, Atemschutz gegen den feinen Staub und ein paar Dinge, die man sich nicht mal eben für einen Sonntagsversuch zusammenklaubt.“
Sein Gesicht veränderte sich sofort.
„Ich kaufe doch jetzt nicht für eine einzige Reparatur eine halbe Werkstatt.“
Ich zuckte mit den Schultern.
„Müssen Sie ja nicht. Ich kann Ihnen meinen Platz und meine Maschinen vermieten. Dreihundert Euro.“
Da hellte er wieder auf.
„Na also. Dann komme ich Dienstagfrüh vorbei.“
„Dienstag geht nicht“, sagte ich.
„Wann denn dann?“
„Wenn ich Ihnen überhaupt Zeit dafür abzweige, dann Sonntag früh um sechs.“
Er stöhnte auf.
„Sonntag? Früh um sechs? Das ist der einzige Morgen in der Woche, an dem ich mal meine Ruhe habe.“
Ich nickte langsam.
„Meine Frau hat ihren Krebs auch nicht nur montags bis freitags.“
Da wurde er zum ersten Mal still.
Ich sprach weiter, ganz ruhig.
„Unter der Woche habe ich Aufträge, von denen ich leben muss. Die Miete für die Werkstatt zahlt sich nicht von allein. Strom für die Maschinen auch nicht. Das Holz fährt nicht von selbst hierher. Die Versicherung läuft ebenfalls weiter. Und wenn ich einen halben Tag verliere, fehlt mir am Ende der Woche genau das Geld, das ich eigentlich woanders brauche.“
Er sah sich in meiner Werkstatt um, als würde er sie jetzt zum ersten Mal richtig wahrnehmen.
Die alten Maschinen.
Die abgesägten Reststücke.
Den feinen Staub in den Ecken.
Die Arbeitsjacke über dem Stuhl.
Dann sagte ich: „Und das alles ist noch der einfache Teil.“
„Wie meinen Sie das?“
„Wenn Sie die Arbeit selber machen, tragen Sie auch das Risiko selber.“
Er runzelte die Stirn.
Ich hob meine linke Hand ein Stück an. Zwei Finger stehen seit einem Unfall vor vielen Jahren nicht mehr ganz gerade.
„Mit Holz arbeitet man nicht nur mit Geduld. Man arbeitet auch mit Gefahr. Ein falscher Winkel, ein Moment Eile, einmal nicht aufgepasst, und der Sonntag ist anders vorbei als geplant.“
Jetzt schluckte er.
„Außerdem“, sagte ich, „müssen Sie das Material noch besorgen. Sie müssen messen, zuschneiden, anpassen, schleifen, verleimen, sauber befestigen und am Ende hoffen, dass der Handlauf nicht schief sitzt oder nach drei Wochen wieder locker ist.“
Er sagte nichts mehr.
Also fasste ich es ihm zusammen.
„Das heißt: Sie geben Geld aus. Sie opfern Ihren einzigen freien Morgen. Sie stehen in einer Werkstatt, von der Sie nichts verstehen. Sie kaufen Material, das Sie vielleicht falsch zuschneiden. Und am Ende sieht es wahrscheinlich schlechter aus als vorher.“
Er blickte auf seine Hände.
Glatte Hände. Gepflegte Hände. Hände, die noch nie einen ganzen Winter lang Bretter geschleppt haben.
Dann sah er wieder mich an.
Diesmal ohne dieses Grinsen.
„Ich glaube“, sagte er leise, „ich habe das falsch eingeschätzt.“
Ich antwortete nicht sofort.
Er zog langsam seine Brieftasche aus der Innentasche, sah kurz hinein und nickte dann.
„Machen Sie es für die fünfzehnhundert.“
Ich nahm das Geld nicht sofort.
Ich sah ihn nur an.
Er atmete einmal tief durch und sagte dann: „Wenn ich ehrlich bin, wird es mich am Ende mehr kosten, wenn ich daran herumprobiere. Und wahrscheinlich sieht es furchtbar aus.“
Da erst nahm ich die Scheine.
„Das ist die richtige Entscheidung, Herr Becker.“
Er nickte, fast ein wenig beschämt.
Ich steckte das Geld in die Kasse und sagte: „Sie zahlen nicht für zwanzig Minuten.“
Er sah mich an, und im Laden war es plötzlich ganz still.
„Sie zahlen dafür, dass ich nach vierzig Jahren noch weiß, wie man so etwas ordentlich macht.“
Ich legte meine Hand auf den Tresen.
„Sie zahlen für Werkzeug, Erfahrung, Fehlversuche, Rückenschmerzen, kaputte Gelenke und für all die Jahre, in denen ich gelernt habe, was nicht im Lehrbuch steht.“
Er sagte kein Wort.
„Und Sie zahlen dafür, dass Sie nachts ruhig schlafen können, weil der Handlauf hält.“
Da stand er einfach nur da.
Ganz still.
Und zum ersten Mal wirkte er nicht wie jemand, der etwas kaufen wollte.
Sondern wie jemand, der gerade verstanden hatte, warum ehrliche Arbeit ihren Preis hat.
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