Als Mimi aufhörte zu fressen, begriff ich, was Liebe wirklich zusammenhält

An dem Tag, an dem Mimi aufhörte zu fressen, habe ich verstanden, dass nicht nur Menschen an einem gebrochenen Herzen leiden.

Ich stand hinten im Waschraum und spülte Edelstahlnäpfe aus, als mir auffiel, dass ihrer noch voll war.

Das passte nicht zu Mimi.

Sie war eine kleine rote Katze mit weißem Kinn und so besorgten Augen, als würde sie sich für alles erst trauen müssen, um Erlaubnis zu bitten. Normalerweise fraß sie, sobald ich den Napf hinstellte. Immer dicht neben Krümel, so nah, dass sich ihre Schnurrhaare berührten.

Aber an diesem Morgen war Krümel nicht da.

Am Tag davor war er vermittelt worden.

Nur er.

Ich trocknete mir die Hände ab und ging zu Mimis Box. Sie lag ganz hinten in der Ecke, eng an die Decke gedrückt, die sie sonst mit ihm geteilt hatte. Das Bett wirkte plötzlich zu groß. Alles wirkte zu groß. Das Katzenklo, der Wassernapf, die ganze Metallbox. Sie starrte zur Tür, als wäre sie sicher, dass er nur kurz weg sei und gleich wieder hereinkäme.

Als ich die Tür öffnete, kam sie nicht nach vorn.

Das machte mir mehr Angst als der volle Napf.

Krümel und Mimi waren keine Geschwister. Sie kamen aus völlig verschiedenen Ecken und an unterschiedlichen Tagen zu uns. Jeder brachte seine eigene Angst mit. Krümel war während einer kalten Woche hinter Müllcontainern gefunden worden. Mimi kam von einem Parkplatz hinter einem kleinen Einkaufszentrum, so dünn, dass man jede Rippe spürte, wenn man sie hochhob.

In der ersten Woche schliefen sie getrennt.

In der zweiten nicht mehr.

Danach waren sie wie ein einziges kleines Wesen mit vier Pfoten zu viel.

Sie fraßen zusammen, schliefen zusammengerollt in einem warmen Kreis und putzten sich gegenseitig, als wäre das ihr Beruf. Wenn ich Krümel zum Wiegen aus der Box holte, fing Mimi an zu rufen, bis ich ihn zurückbrachte. Wenn Mimi Medizin brauchte, lief Krümel vorne an der Tür auf und ab und tappte mit der Pfote gegen das Gitter, bis sie wieder da war.

Ich hatte schon oft Katzen gesehen, die aneinander hingen. Aber die beiden waren anders.

Sie mochten sich nicht einfach nur.

Sie gaben einander Ruhe.

Und das bedeutet mehr, als viele Menschen glauben.

Die meisten meinen es nicht böse. Aber das Leben ist teuer geworden. Die Miete ist hoch. Strom und Heizung sind teuer. Lebensmittel auch. Viele Leute kommen zu uns ins Tierheim und rechnen innerlich schon alles durch. Eine Katze geht vielleicht noch. Zwei fühlen sich gleich nach zu viel an. Ich verstehe das. Wirklich.

Aber nur weil man etwas versteht, tut es nicht weniger weh.

Auf Krümels Akte stand, dass er in ein gutes Zuhause gekommen war. Eigentlich hätte mich das beruhigen müssen. Stattdessen sah ich nur Mimi in ihrer Ecke liegen, mit dem Blick fest auf die Tür gerichtet.

Mittags versuchte ich alles.

Nassfutter. Trockenfutter. Schleckpaste. Sogar dieses billige Thunfischzeug, das bei den Sturen fast immer zieht.

Nichts.

Einmal kam sie bis nach vorn, schnupperte kurz, und ging dann wieder genau an dieselbe Stelle zurück, wo sie sonst mit Krümel geschlafen hatte. Sie legte sich in die leere Form, die er hinterlassen hatte, als würde sie versuchen, sich mit ihrem eigenen Körper an seinen zu erinnern.

Ich saß viel zu lange vor ihrer Box auf dem Boden.

Ich wohne allein in einer kleinen Doppelhaushälfte am Ortsrand. Mein Sohn ist längst erwachsen. Mein Hund ist vor drei Jahren gestorben. Seine Leine hängt noch immer an der Garderobe, weil es sich zu endgültig anfühlt, sie wegzuräumen. Das Licht in meiner Küche flackert manchmal, wenn der Kühlschrank anspringt.

Und ich weiß ziemlich genau, wie viel Geld auf meinem Konto ist, bevor ich einkaufen gehe. Ich bin niemand, der sich weiche Entscheidungen leisten kann, ohne vorher auf die Zahlen zu schauen.

Genau das hat mich so getroffen.

Ich wusste, warum Menschen sich oft für die einfachere Form von Liebe entscheiden.

Ich habe das selbst schon getan. Anders, aber oft genug.

Und als ich Mimi da liegen sah, dachte ich nur noch daran, wie oft wir das, was zusammengehört, auseinandernehmen, weil es günstiger, einfacher oder ordentlicher wirkt. Wir machen das mit Zeit. Mit Erinnerungen. Mit alten Dingen. Mit Tieren.

Und dann wundern wir uns, wenn etwas daran kaputtgeht.

Am späten Nachmittag hatte Mimi noch immer nichts gefressen.

Ich hob sie hoch, und sie fühlte sich leichter an als morgens. Natürlich konnte das nicht sein. Aber Trauer lässt einen manchmal Dinge spüren, die nicht messbar sind. Sie drückte ihr Gesicht zwei Sekunden lang an meinen Hals und drehte dann sofort wieder den Kopf zur Eingangstür.

Sie wartete noch immer.

Ich ging ins Büro und fragte nach, ob sich jemand gemeldet hatte wegen Krümel.

Es gab eine Nachricht.

Er hatte fast die ganze Nacht geweint, sich unter einem Stuhl verkrochen und sein Futter ebenfalls nicht angerührt.

Ich stand da mit diesem kleinen Zettel in der Hand und merkte, wie mir der Hals eng wurde.

Manchmal ist die Wahrheit so offensichtlich, dass es einem fast peinlich ist, sie nicht sofort erkannt zu haben.

Für die beiden war der andere ein Zuhause.

Am nächsten Morgen kam Krümel zurück.

Ich war diejenige, die die Transportbox öffnete. Er schoss heraus wie ein kleiner rot-weißer Blitz. Mimi hob den Kopf, erstarrte für einen halben Augenblick und rannte dann so schnell los, dass sie auf der Plastikwanne wegrutschte. Die beiden prallten fast ineinander, rieben die Köpfe aneinander, kletterten übereinander und machten diese kleinen, brüchigen Geräusche, die ich nie vergessen werde.

Dann rollten sie sich zusammen, als wäre überhaupt keine Zeit vergangen.

Mimi fraß zuerst.

Krümel fraß direkt neben ihr.

Eine Woche später gingen sie noch einmal.

Zusammen.

Ich sah ihnen nach, mit ihrer gemeinsamen Decke und einer alten Stoffmaus, die schon halb kaputt war. Und zum ersten Mal seit Tagen sah diese Box für mich nicht mehr leer aus.

Sie sah aus wie ein Beweis.

Nicht jede Familie beginnt auf dieselbe Weise.

Nicht jede Liebe ergibt auf dem Papier Sinn.

Aber wenn zwei verlorene Seelen Frieden ineinander finden, dann sollte das etwas zählen.

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