Eine hochträchtige Hündin wurde im Wald angekettet dann begann plötzlich die Geburt ihrer sieben Welpen

Mitten im Wald fanden wir eine hochträchtige Hündin an einen Baum gekettet, doch was sie tat, als wir sie befreiten, brachte selbst meinen erfahrenen Kollegen zum Schweigen.

„Stopp.“

Mein Kollege hob plötzlich die Faust.

Ich blieb sofort stehen.

Wir waren vielleicht achthundert Meter von dem schmalen Forstweg entfernt, mitten in einem Waldgebiet im Süden Deutschlands.

Es sollte eine ganz normale Kontrollrunde werden. Nichts Besonderes. Ein paar abgelegene Wege prüfen, nach beschädigten Zäunen sehen, später zurück zum Wagen.

Dann hörten wir es.

Ganz leise.

Ein abgebrochenes Wimmern.

Nicht laut genug, um sofort zu erkennen, woher es kam. Es klang dünn und heiser, als hätte ein Tier schon viel zu lange gerufen und kaum noch Kraft für einen weiteren Laut.

Mein Kollege Hartmut sah mich an.

„Hast du das auch gehört, Erik?“

Ich nickte.

Wir sagten nichts mehr.

Wir standen einfach zwischen den Bäumen und warteten.

Da war es wieder.

Dieses Wimmern.

Nur wenige Sekunden. Dann Stille.

Ich war damals 32 Jahre alt und arbeitete seit sechs Jahren im Streifendienst einer regionalen Forst- und Naturschutzgruppe. Hartmut war 54 und hatte deutlich mehr Erfahrung als ich.

Er gehörte zu den Männern, die selten nervös wurden.

An diesem Tag veränderte sich sein Gesicht sofort.

„Da stimmt etwas nicht“, sagte er.

Wir verließen den Weg.

Je weiter wir zwischen den Bäumen hinabgingen, desto schwieriger wurde das Gelände. Äste schlugen gegen unsere Jacken, Brombeerranken blieben an den Hosen hängen.

Dann hörten wir das Geräusch erneut.

Diesmal näher.

Und dringlicher.

Es war fast so, als hätte das Tier unsere Schritte gehört.

Als würde es verstehen, dass endlich jemand kam.

Wir gingen schneller.

Noch einmal dieses Wimmern.

Dann kamen wir durch dichtes Gebüsch auf eine kleine freie Stelle.

Und dort sahen wir sie.

Eine kräftig gebaute, braun-weiße Mischlingshündin.

Zumindest hätte sie einmal kräftig sein sollen.

Jetzt konnte man ihre Rippen erkennen.

Ihr Kopf hing tief. Das Fell war stumpf und schmutzig. Die Haut spannte sich über ihren Schultern.

Aber ihr Bauch war riesig.

Sie war hochträchtig.

Nicht einfach nur trächtig.

Sie musste kurz vor der Geburt stehen.

Vielleicht ein paar Tage.

Vielleicht weniger.

Und sie war an einen Baum gekettet.

Ich weiß noch genau, wie ich dort stand und zuerst gar nicht verstand, was ich sah.

Nicht weil die Situation kompliziert war.

Sondern weil mein Kopf sich weigerte, sie zu akzeptieren.

Eine schwere Metallkette führte von ihrem Hals direkt um den Stamm einer Kiefer.

Sie war erschreckend kurz.

Vielleicht sechzig Zentimeter.

Nicht einmal genug, damit die Hündin sich vollständig hinlegen konnte.

Sie konnte sitzen.

Sie konnte stehen.

Sie konnte sich halb zur Seite sinken lassen.

Aber sobald sie versuchte, ihren Körper auf den Boden zu legen, spannte sich die Kette.

Bei einem Tier mit einem solchen Bauch.

Hartmut fluchte leise.

Ich konnte nur hinsehen.

Neben der Hündin lag ein leerer Wasserbehälter.

Etwas weiter stand eine Metallschüssel.

Leer.

In beiden hatte sich bereits Schmutz gesammelt.

Und dann bemerkte ich etwas, das mir bis heute schwerfällt zu verstehen.

Beide Behälter standen außerhalb ihrer Reichweite.

Nicht weit.

Vielleicht dreißig oder vierzig Zentimeter.

Nah genug, dass sie sie sehen konnte.

Nah genug, dass sie sie vermutlich riechen konnte.

Aber zu weit entfernt, um sie zu erreichen.

Ich ging einen Schritt nach vorne.

Die Hündin hob langsam den Kopf.

Für einen Moment sahen wir uns nur an.

Ich erwartete ein Knurren.

Vielleicht ein Bellen.

Vielleicht Angst.

Sie tat nichts davon.

Sie sah mich einfach an.

Ihre Augen waren tief eingesunken.

Dann kam wieder dieses Geräusch aus ihrer Kehle.

Dieses dünne Wimmern, dem fast alle Kraft fehlte.

Und dann bewegte sich etwas hinter ihr.

Ihr Schwanz.

Nur ein kleines Stück.

Ein schwaches Klopfen gegen den Waldboden.

Ich schluckte.

Da lag eine Hündin, die wahrscheinlich seit Tagen kaum Wasser bekommen hatte.

Hochträchtig.

Abgemagert.

Mit wundgelaufenen Pfoten.

An einen Baum gekettet.

Und als zwei fremde Menschen vor ihr auftauchten, wedelte sie mit dem Schwanz.

Hartmut drehte sich sofort um.

„Ich hole Wasser und Werkzeug.“

Dann lief er zurück zum Fahrzeug.

Ich blieb allein bei ihr.

Langsam ging ich in die Knie.

„Ist gut“, sagte ich leise.

„Ganz ruhig. Wir tun dir nichts.“

Natürlich konnte sie meine Worte nicht verstehen.

Aber vielleicht verstand sie den Ton.

Ich hielt beide Hände offen und bewegte mich nur Zentimeter für Zentimeter vorwärts.

Sie beobachtete mich.

Kein Knurren.

Keine angelegten Ohren.

Nur Erschöpfung.

Als ich nah genug war, streckte ich vorsichtig eine Hand aus.

Und sie tat etwas, das mich völlig unvorbereitet traf.

Sie legte ihren Kopf in meine Hand.

Einfach so.

Nicht nur kurz.

Sie ließ das ganze Gewicht ihres Kopfes auf meiner Handfläche ruhen.

Als wäre sie müde davon, ihn selbst halten zu müssen.

Ich spürte ihre warme Schnauze.

Ihre Atmung ging schnell.

Unter dem schmutzigen Fell konnte ich Knochen fühlen.

„Meine Güte“, murmelte ich.

Sie schloss für ein paar Sekunden die Augen.

Ich saß vor ihr und wusste plötzlich nicht mehr, wohin mit meiner Wut.

Jemand hatte sie hierhergebracht.

Das war offensichtlich.

Eine hochträchtige Hündin war nicht zufällig mit einer Kette um den Hals tief in den Wald gelaufen.

Jemand musste sie transportiert haben.

Jemand hatte diese Kette um den Baum gelegt.

Jemand hatte das Schloss geschlossen.

Jemand hatte die Schüssel hingestellt.

Und jemand war anschließend weggegangen.

Vielleicht hatte diese Person noch einmal zurückgesehen.

Dieser Gedanke machte mich fast wahnsinnig.

Ich versuchte, mich auf das Tier vor mir zu konzentrieren.

Ihre Vorderpfoten waren wund.

An mehreren Stellen war die Haut aufgescheuert.

Wahrscheinlich hatte sie immer wieder versucht, weiterzukommen.

Zum Wasser.

Zum Futter.

Oder einfach weg vom Baum.

Ich sah auf ihren Bauch.

Er bewegte sich.

Ganz deutlich.

Da waren Welpen drin.

Mehrere.

Sie lebten.

Und ihre Mutter versuchte irgendwie, sie ebenfalls am Leben zu halten.

Hartmut kam einige Minuten später zurück.

Er hatte einen Kanister Wasser, eine kleine Schüssel, eine Decke und einen großen Bolzenschneider dabei.

„Nicht zu viel auf einmal“, sagte er sofort.

Ich nickte.

Wir gaben ihr zunächst nur wenig Wasser.

Die Hündin roch daran.

Dann begann sie zu trinken.

Viel zu schnell.

Hartmut zog die Schüssel kurz zurück.

„Langsam, Mädchen.“

Sie sah ihm hinterher, aber sie protestierte nicht.

Nach einer kurzen Pause bekam sie wieder etwas.

Diesmal trank sie ruhiger.

Ich weiß noch, wie ihre Zunge immer wieder über den Boden der Schüssel fuhr, selbst als kein Tropfen mehr darin war.

Hartmut füllte sie erneut.

„Wie lange war die hier?“, fragte ich.

Er sah sich die Umgebung an.

„Lange genug.“

Mehr sagte er nicht.

Wir wollten später nach Spuren suchen.

Reifenspuren.

Fußabdrücke.

Irgendetwas.

In diesem Moment zählte nur, die Hündin von der Kette zu bekommen.

Hartmut untersuchte das Schloss.

Es war massiv.

„Das dauert.“

Die Hündin erschrak, als der Bolzenschneider das erste Mal gegen das Metall schlug.

Ich legte sofort meine Hand an ihre Schulter.

„Alles gut.“

Sie zitterte.

Nicht vor Aggression.

Vor Schwäche.

Beim zweiten Versuch gab das Schloss noch nicht nach.

Beim dritten hörten wir ein metallisches Knacken.

Hartmut setzte erneut an.

Dann fiel ein Teil der Kette zu Boden.

Für eine Sekunde bewegte sich die Hündin überhaupt nicht.

Vielleicht hatte sie nicht verstanden, was gerade passiert war.

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