Ich wollte meinen gelähmten Hund Ajax für immer weggeben doch mein 78-jähriger Nachbar veränderte alles mit einem einzigen Satz

Ich saß weinend im Auto, weil ich meinen gelähmten Hund abgeben wollte, doch dann klopfte mein 78-jähriger Nachbar ans Fenster und sagte einen Satz, den ich nie vergessen werde.

„Komm schon, Ajax. Nur noch ein kleines Stück.“

Meine Stimme zitterte, während ich versuchte, meinen Hund auf der Rückbank zurechtzurücken. Er war schwer, seine Hinterbeine hingen schlaff herunter, und bei jeder Bewegung hatte ich Angst, ihm wehzutun.

Ajax legte seinen großen Kopf auf einen alten Tennisball. Dann sah er mich an.

Dieser Blick machte alles noch schlimmer.

Ich saß in meinem zwölf Jahre alten Kombi vor unserem Reihenhaus in einem kleinen Ort bei Hannover. Der Motor lief, die Heizung war aufgedreht, aber ich fror trotzdem.

Auf dem Beifahrersitz stand ein Karton mit Ajax‘ Lieblingsspielzeug. Daneben lagen seine Medikamente, seine Decke und ein zerknitterter Zettel mit der Adresse einer Tierauffangstation.

Die Station war fast zwei Stunden entfernt.

Ich hatte vorher angerufen. Eine freundliche Frau hatte mir erklärt, dass sie Erfahrung mit älteren, körperlich eingeschränkten Hunden hätten. Sie könnten Ajax aufnehmen und versuchen, ein passendes Zuhause für ihn zu finden.

Ich hatte mich dreimal bedankt.

Dann hatte ich aufgelegt und mich auf dem Badezimmerboden übergeben.

Denn ich wusste, was ich gerade tat.

Ich wollte meinen besten Freund weggeben.

Nicht, weil ich ihn nicht mehr liebte. Sondern weil ich langsam nicht mehr wusste, wie ich den nächsten Tag überstehen sollte.

Mein Name ist Thomas. Ich bin 54 Jahre alt, geschieden und arbeite seit fast zwanzig Jahren als Fahrer bei einem kleinen Paketdienst.

Früher hatte ich meine festen Touren und ein ordentliches Einkommen. Es war nie viel Geld, aber es reichte für die Miete, die Rechnungen und ein bisschen was nebenbei.

Seit einem halben Jahr war alles anders.

Unser Betrieb hatte weniger Aufträge. Meine Arbeitsstunden wurden gekürzt, und manche Wochen wusste ich nicht, ob am Monatsende überhaupt genug übrig bleiben würde.

Die Rechnungen stapelten sich auf dem Küchentisch.

Strom, Heizung, Autoreparatur. Dazu kamen die Tierarztkosten.

Und dann war da mein Rücken.

Manchmal schaffte ich es morgens kaum, mir die Schuhe zuzubinden.

Aber Ajax brauchte mich.

Ajax ist ein Golden-Retriever-Mischling. Er wiegt knapp 36 Kilo, hat eine breite Brust, große braune Augen und inzwischen eine graue Schnauze.

Vor neun Jahren kam er zu mir.

Damals war er ein völlig überdrehter Junghund, den eine Familie wegen eines Umzugs abgeben musste. Er sprang mir bei unserem ersten Treffen direkt auf den Schoß und warf dabei meinen Kaffee um.

Ich lachte damals zum ersten Mal seit Wochen.

Meine Ehe war gerade zerbrochen, und ich hatte mich von fast allen Freunden zurückgezogen.

Ajax änderte das.

Er brachte mich jeden Morgen aus dem Bett. Er wartete abends an der Tür, als wäre ich der wichtigste Mensch auf der ganzen Welt.

Wenn ich traurig war, legte er seinen Kopf auf mein Knie.

Wenn ich krank war, blieb er neben meinem Bett liegen.

Und als meine Mutter vor vier Jahren starb, war Ajax derjenige, der die Nächte mit mir durchstand.

Ich habe oft gesagt, dass ich ihn gerettet hätte.

Heute weiß ich, dass es wahrscheinlich umgekehrt war.

Vor etwa anderthalb Jahren bemerkte ich, dass Ajax nach längeren Spaziergängen humpelte.

Zuerst dachte ich, es läge am Alter.

Dann wollte er plötzlich nicht mehr ins Auto springen. Später blieb er vor Treppen stehen und sah mich hilflos an.

Der Tierarzt stellte eine schwere Hüftdysplasie und fortgeschrittene Gelenkveränderungen fest.

Wir versuchten Medikamente, Physiotherapie und kürzere Spaziergänge.

Eine Zeit lang half das.

Doch irgendwann wurden seine Hinterbeine immer schwächer.

Seit einigen Monaten konnte Ajax sie kaum noch benutzen.

Seine Vorderbeine waren kräftig, sein Appetit war gut, und wenn ich den Tennisball hervorholte, wedelte er noch immer begeistert mit dem Schwanz.

Aber allein hinausgehen konnte er nicht mehr.

Unser kleines Reihenhaus hatte ausgerechnet am Hintereingang fünf Holzstufen.

Fünf verdammte Stufen.

Was für andere Menschen eine Kleinigkeit war, wurde für mich jeden Tag zu einer Prüfung.

Morgens, bevor ich zur Arbeit fuhr, hob ich Ajax hoch und trug ihn hinunter.

Mittags versuchte ich, während meiner Pause schnell nach Hause zu kommen.

Abends dasselbe.

Und nachts manchmal noch zwei- oder dreimal.

Ich hatte mir ein breites Tragetuch gekauft. Doch selbst damit musste ich einen großen Teil seines Gewichts halten.

Im Winter wurde es besonders schlimm.

Die Holzstufen waren glatt. Meine Hände waren kalt. Mein Rücken schmerzte bei jeder Bewegung.

Einmal rutschte ich auf der vorletzten Stufe aus.

Ich fiel auf die Knie und hielt Ajax mit aller Kraft fest, damit er nicht auf den Boden schlug.

Danach saßen wir beide bestimmt zehn Minuten im Garten.

Ich konnte nicht aufstehen.

Ajax leckte meine Hand.

Das war alles.

Er beschwerte sich nie.

Nicht ein einziges Mal.

An jenem Sonntag im Februar war ich vollkommen am Ende.

Ich hatte in der Nacht vielleicht drei Stunden geschlafen. Am Morgen lag wieder ein Brief vom Vermieter im Kasten, weil die letzte Nebenkostennachzahlung noch nicht vollständig beglichen war.

Dann hatte ich versucht, Ajax hinauszutragen.

Auf der dritten Stufe schoss mir ein stechender Schmerz durch den Rücken.

Ich musste mich am Geländer festhalten.

Ajax winselte leise.

Nicht, weil er Schmerzen hatte, sondern weil er merkte, dass etwas mit mir nicht stimmte.

Da brach irgendetwas in mir zusammen.

Ich setzte ihn vorsichtig auf seine Decke und blieb neben ihm sitzen.

„Ich kann nicht mehr, mein Großer“, flüsterte ich.

Ajax schob seine Nase unter meine Hand.

Ich fing an zu weinen.

Eine halbe Stunde später rief ich bei der Tierauffangstation an.

Ich erzählte der Frau von seinen Hüften, seinen Medikamenten und davon, dass er im Haus nicht allein zurechtkam.

Sie stellte viele Fragen.

Ob er freundlich sei.

Ob er andere Hunde möge.

Ob er noch Lebensfreude zeige.

Bei dieser letzten Frage wurde ich still.

Natürlich hatte er Lebensfreude.

Er freute sich über sein Frühstück. Über seine alte Decke. Über Besucher. Über jeden kleinen Ausflug in den Garten.

Und vor allem freute er sich über mich.

Trotzdem vereinbarte ich, ihn am Nachmittag vorbeizubringen.

Ich redete mir ein, es sei vernünftig.

Vielleicht würde ihn jemand aufnehmen, der einen ebenerdigen Bungalow hatte. Jemand mit einem großen Garten, genügend Geld und einem gesunden Rücken.

Jemand, der besser für ihn sorgen konnte.

Ich sagte mir immer wieder, dass Liebe manchmal bedeute, loszulassen.

Aber als ich ihn ins Auto hob und seine Decke neben ihm ausbreitete, fühlte es sich nicht nach Liebe an.

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