Mein Verlobter hat unsere Hündin getreten, bis sie aus dem Maul geblutet hat. Zuerst hat er gelogen und behauptet, sie hätte ihn angegriffen. Und nachdem er mir noch an den Kopf geworfen hat, dass ich ohne ihn ein Nichts wäre, bombardiert er mich jetzt mit Entschuldigungen.
Ich bin 26. Er ist 33. Wir sind seit dreieinhalb Jahren zusammen. Bis gestern hätte ich geschworen, er wäre der ruhigste Mann, den ich kenne.
Letzten Monat wurde er befördert und hat sich in jemanden verwandelt, den ich nicht mehr wiedererkenne. Er arbeitet jetzt von 8 bis 19 Uhr und hat für sich beschlossen, dass ihn das von allen anderen Verpflichtungen befreit.
Ich arbeite von 9 bis 17 Uhr, laufe jeden Tag fünf Kilometer nach Hause, gehe mit unserer Old English Bulldogge Flocke Gassi, putze die ganze Wohnung und koche das Abendessen. Wenn die Wohnung nicht blitzblank ist, sobald er zur Tür reinkommt, wird er eiskalt. Er schnauft genervt. Er ignoriert mich und er ignoriert Flocke, als wären wir alte Möbelstücke, die ihm nicht mehr gefallen.
Gestern Abend habe ich ihm endlich gesagt, dass ich das nicht jeden verdammten Tag alleine stemmen kann. Ich habe gesagt, dass ich auch kaputt bin. Er ist sofort in die Defensive gegangen. Hat mich faul genannt. Hat mich dumm genannt. Meinte, ich solle mir halt einen besseren Job suchen, wenn ich mich beschweren will. Ich hab ihm gesagt, dass es mir mit seiner Art jetzt echt reicht und ich etwas Zeit für mich brauche.
Er brüllte „SCHÖN!“ und stürmte aus dem Wohnzimmer. Dann hörte ich Flocke aufjaulen. Und dann hörte ich ihn schreien: „DU SCHEISS KÖTER!“
Ich rannte hin und fand sie zusammengekauert in der Ecke, Blut lief aus ihrem Maul. Er hatte eine riesige Platzwunde am Bein. Zuerst wollte er mir weismachen, sie hätte ihn einfach aus dem Nichts angegriffen.
Aber ich wusste, dass sie das niemals tun würde. Nachdem ich ihn in die Enge getrieben habe, gab er zu, dass er sie im Zorn voll ins Gesicht getreten hat und sie ihn nur gebissen hat, um sich zu verteidigen.
Da bin ich komplett ausgerastet. Ich hab ihn ein Arschloch genannt. Ich hab ihn gefragt, was zur Hölle er eigentlich erwartet, wenn er ein Lebewesen tritt. Er brüllte zurück und fuhr in die Notaufnahme.
Später in der Nacht schrieb er mir ein Ultimatum: Wenn ich wolle, dass er zurückkommt, müsse der Hund weg. Ich sagte nein. Daraufhin schickte er mir eine komplett in Großbuchstaben getippte Nachricht und meinte, ohne ihn wäre ich ein absolutes Nichts.
Er meinte, wenn ich uns wirklich wegen eines „Köters“ wegwerfen will, dann sei er ohne mich eh besser dran. Er schrieb, dass es niemand sonst mit mir aushalten würde und ich daran denken solle, bevor ich alleine schlafen gehe. Ich würde ihn hinstellen wie ein Monster, dabei sei er einfach nur gestresst und ich hätte ihn zu weit getrieben.
Und dann fingen die Entschuldigungen an. Mein Handy stand nicht mehr still. Verpasste Anrufe. Nachrichten, in denen er schwor, sich zu ändern, eine Therapie zu machen, dass es nur dieses eine Mal passiert sei. Innerhalb weniger Stunden wechselte er von Drohungen, mich zu verlassen, zum Betteln, dass ich ihn behalte.
Um Mitternacht stand er mit Blumen und weinend vor der Tür. Ich hab ihn nicht reingelassen. Danach saß er zwei Stunden lang draußen in seinem Auto vor unserem Haus. Ich hab ihn aus dem Fenster beobachtet. Er hat nicht getippt. Er saß einfach nur im Dunkeln da und hat zu unserer Etage hochgestarrt. Als er schließlich wegfuhr, schrieb er: „Ich liebe dich genug, um ewig zu warten.“
Heute Morgen hat Flocke mich zwei Stunden lang nicht an sich rangelassen. Ich habe das Blut an ihrem Maul so gut es ging weggemacht. Ich fahre heute noch mit ihr zum Tierarzt, um checken zu lassen, ob da noch mehr kaputt ist.
Sie zuckt jetzt jedes Mal zusammen, wenn ich mich zu schnell bewege. Und jedes Mal, wenn sie zusammenzuckt, muss ich daran denken, wie fest er zugetreten haben muss. Und dann stelle ich mir vor, was diese Wucht mit mir anrichten würde, wenn ich ihm mal im Weg stehe.
Ich schaue immer wieder auf meinen Verlobungsring und mir wird einfach nur schlecht. Der Mann, der mir diesen Ring gegeben hat, hat unseren Hund blutig getreten und ihr danach auch noch die Schuld dafür gegeben. Er hat sie verletzt und dann verlangt, dass ich mich zwischen ihr und ihm entscheide. Er saß im Dunkeln draußen vor der Tür, nachdem ich nein gesagt habe. Ich weiß nicht, ob ich das jemals vergessen kann. Ich weiß auch nicht, ob ich das überhaupt sollte.
Bin ich im Unrecht, wenn ich die Hochzeit jetzt infrage stelle?
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