Angekettet und hochträchtig im Wald zurückgelassen: Was zwei Polizisten dort erlebten, rührte alle zu Tränen

Dann bemerkte sie die fünf kleinen Körper an ihrem Bauch.

„Sind die alle hier geboren worden?“

„Ja“, sagte ich. „Wir waren die ganze Zeit dabei.“

Sie schaute uns ungläubig an.

„Dann haben Sie heute wirklich Glück gehabt.“

Die Untersuchung dauerte eine ganze Weile.

Frau Neumann tastete die Hündin vorsichtig ab, kontrollierte ihre Atmung und untersuchte jedes einzelne Junge.

Schließlich setzte sie sich auf die Fersen.

„Die Mutter ist stark ausgetrocknet und erheblich unterernährt. Die Verletzungen am Hals müssen versorgt werden.“

Ich hielt den Atem an.

„Aber?“

Sie lächelte schwach.

„Ihr Kreislauf ist erstaunlich stabil. Und alle fünf Welpen machen bisher einen guten Eindruck.“

Thomas stieß hörbar die Luft aus.

Die Tierärztin schüttelte den Kopf.

„Unter diesen Umständen ist das wirklich außergewöhnlich.“

Mit einer Trage brachten wir die Hündin vorsichtig zum Wagen. Ihre Jungen lagen dicht bei ihr in einer gepolsterten Transportbox.

Die Mutter beobachtete jede unserer Bewegungen.

Aber sie blieb ruhig.

Als hätte sie verstanden, dass wir ihr nichts wegnehmen wollten.

In der Tierarztpraxis bekam sie endlich die Versorgung, die sie dringend brauchte.

Wasser.

Futter in kleinen Portionen.

Eine weiche, warme Unterlage.

Und vor allem Ruhe.

Für die Welpen wurde ein geschützter Bereich eingerichtet, in dem sie jederzeit zu ihrer Mutter konnten.

Die erste Nacht war besonders wichtig.

Ich schlief kaum.

Immer wieder musste ich daran denken, wie sie unter diesem Baum gelegen hatte.

Was wäre gewesen, wenn der Spaziergänger einen anderen Weg genommen hätte?

Was wäre gewesen, wenn wir erst einen Tag später gekommen wären?

Ich wollte mir die Antwort nicht vorstellen.

Am nächsten Nachmittag fuhr ich nach meinem Dienst zur Praxis.

Die Hündin lag auf ihrer Decke.

Als ich den Raum betrat, hob sie den Kopf.

Ihre dunklen Augen blieben an mir hängen.

„Na, Hoffnung“, sagte ich leise. „Wie geht es dir heute?“

Ihr Schwanz bewegte sich ein kleines Stück.

Nur einmal.

Aber ich grinste wie ein kleiner Junge.

Von da an besuchte ich sie fast jeden Tag.

Nach vier Tagen wedelte sie deutlich mit dem Schwanz, wenn ich kam.

Nach einer Woche stand sie zum ersten Mal auf und ging langsam auf mich zu.

Ihre Beine waren noch schwach.

Sie blieb zweimal stehen.

Doch dann erreichte sie mich.

Sie setzte sich vor meine Füße und legte ihren schweren Kopf auf meine Knie.

Ich strich ihr vorsichtig über die Ohren.

„Du bist eine tapfere Hündin“, flüsterte ich.

Ich weiß nicht, wie lange wir so dasaßen.

Irgendwann merkte ich, dass mir Tränen über die Wangen liefen.

Ich hatte in meinem Beruf gelernt, Gefühle nicht immer zu zeigen.

Aber an diesem Nachmittag war mir das egal.

Die Wochen vergingen.

Hoffnung nahm langsam zu. Ihr graues Fell wurde dichter und glänzender. Die wunden Stellen am Hals heilten.

Und ihre fünf Jungen entwickelten sich prächtig.

Wir gaben ihnen Namen.

Morgen, Sternchen, Sturm, Schatten und Fünkchen.

Morgen war die Erste, die ihre Augen öffnete.

Sturm war der Lauteste. Wenn irgendwo etwas passierte, hörte man ihn meistens zuerst.

Schatten schlief am liebsten direkt neben seiner Mutter.

Sternchen war neugierig und versuchte schon früh, über den Rand ihrer Decke zu klettern.

Und Fünkchen?

Fünkchen war unser Sorgenkind.

Er war der Kleinste von allen.

Manchmal musste die Tierärztin besonders darauf achten, ob er genug Milch bekam.

Aber er gab nicht auf.

Jeden Tag kämpfte er sich zwischen seine Geschwister und suchte seinen Platz.

„Der Kleine hat den Dickkopf seiner Mutter“, sagte Thomas eines Nachmittags.

Wir lachten.

Zum ersten Mal seit langer Zeit fühlte sich alles leicht an.

Drei Wochen nach ihrer Rettung erkannte ich Hoffnung kaum wieder.

Sie stand aufrecht in ihrem Auslauf, die Ohren aufmerksam nach vorn gerichtet.

Ihre Augen wirkten wach und lebendig.

Wenn Thomas oder ich kamen, wedelte sie so kräftig mit dem Schwanz, dass ihr ganzer Körper mitwackelte.

Manchmal brachte sie uns ein altes Stoffspielzeug, das jemand aus der Praxis für sie hingelegt hatte.

Dann setzte sie sich davor und wartete.

Als wollte sie uns zeigen, dass sie inzwischen wieder genug Kraft hatte, um zu spielen.

Doch eine Frage beschäftigte mich immer stärker.

Was sollte aus ihr und den Welpen werden?

Über die zuständigen Stellen wurde nach einer dauerhaften Unterbringung gesucht. Die kleinen Hunde würden irgendwann alt genug sein, um ein neues Zuhause zu finden.

Aber der Gedanke, Hoffnung von ihren Jungen zu trennen, machte mich traurig.

Natürlich wusste ich, dass Welpen später auch getrennt von ihrer Mutter glücklich leben können.

Trotzdem wünschte ich mir etwas anderes.

Ein Zuhause für alle sechs.

Ich wusste, wie unwahrscheinlich das war.

Wer konnte schon sechs Hunde auf einmal aufnehmen?

Eines Abends saß ich nach dem Dienst noch in der kleinen Teeküche der Tierarztpraxis.

Thomas kam herein.

Er hielt eine Lokalzeitung in der Hand.

„Markus, das musst du lesen.“

Auf der dritten Seite stand ein großer Artikel über unseren Einsatz.

Die Überschrift lautete:

„Polizisten retten trächtige Hündin aus dem Wald – fünf Welpen kommen während der Rettung zur Welt.“

Daneben war ein Foto von Hoffnung mit ihren Jungen.

Ich musste lächeln.

Doch Thomas zeigte auf einen kleinen Absatz unter dem Artikel.

„Lies weiter.“

Dort stand, dass sich bereits eine Familie gemeldet hatte, die alle sechs Hunde aufnehmen wollte.

Ich las den Satz zweimal.

Dann noch einmal.

„Alle sechs?“

Thomas nickte.

„Alle sechs.“

Die Familie hieß Schneider und lebte auf einem ehemaligen Bauernhof südlich von Wernigerode.

Sabine Schneider, 54 Jahre alt, hatte den Artikel gelesen und sofort in der Tierarztpraxis angerufen.

Sie und ihr Mann hatten viel Platz, einen großen eingezäunten Garten und Erfahrung mit Hunden.

Das Wichtigste aber war etwas, das Frau Schneider am Telefon gesagt hatte.

„Wir haben so lange überlegt, welchen Hund wir aufnehmen sollen. Als wir diese Geschichte gelesen haben, wussten wir plötzlich, dass wir nicht zwischen ihnen wählen möchten.“

Sie hatte kurz geschwiegen.

Dann hinzugefügt:

„Diese kleine Familie hat schon genug durchgemacht. Wenn es möglich ist, sollen sie zusammenbleiben.“

Als Thomas mir das erzählte, musste ich mich setzen.

Ich hatte mir genau das gewünscht.

Aber ich hatte nicht ernsthaft geglaubt, dass es passieren könnte.

Natürlich wurden die Voraussetzungen sorgfältig geprüft. Sechs Hunde bedeuten viel Verantwortung, Zeit und Kosten.

Die Schneiders waren sich dessen bewusst.

Sie hatten einen geeigneten Hof und waren bereit, ihren Alltag vollständig auf die Tiere einzustellen.

Einige Wochen später, als die Welpen alt genug waren und alle notwendigen Vorbereitungen abgeschlossen waren, kam der große Tag.

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