Der verletzte Hund stoppte einen Polizeiwagen doch was der Polizist hinter der Leitplanke fand, erschütterte ihn zutiefst

Sie begannen oben an der Straße und führten bis dicht an den Abhang.

Zwischen den Zweigen lag ein rotes Stück Kunststoff.

Vermutlich der Teil einer zerbrochenen Rückleuchte.

Markus leuchtete weiter.

Im Schlamm waren Fußabdrücke zu erkennen.

Große Schuhabdrücke.

Sie führten vom Straßenrand den Hang hinunter und verschwanden hinter einem umgestürzten Baum.

Daneben verlief eine zweite Spur.

Hundepfoten.

Markus betrachtete die Abdrücke genauer.

Die Pfotenspuren waren unregelmäßig.

Zwischen ihnen zog sich eine breite Schleifspur durch die Erde.

Genau so, wie sie ein Hund hinterlassen würde, der sich mit verletztem Hinterbein über den Boden zog.

Markus blickte zur Straße hinauf.

„Du warst schon hier unten“, sagte er leise.

Er sah wieder auf die Spuren.

Der Hund musste nach dem Unfall den Abhang hinuntergelangt sein.

Vielleicht hatte er nach jemandem gesucht.

Vielleicht hatte er das Baby gefunden.

Doch warum war er dann wieder hinaufgekrochen?

Und wem gehörten die Fußabdrücke?

Markus rief erneut über Funk.

„Wir haben vermutlich einen Verkehrsunfall mit mindestens einer weiteren beteiligten Person. Bitte schicken Sie zusätzliche Kräfte zur Suche.“

Wenige Minuten später erreichten zwei Rettungskräfte die Stelle.

Eine junge Sanitäterin namens Lisa kniete sich sofort neben die Babyschale.

„Na, wen haben wir denn da?“

Sie untersuchte das Mädchen vorsichtig.

„Sie ist wach. Das ist schon mal gut.“

Gemeinsam sicherten sie die Schale und bereiteten den Transport vor.

Markus zeigte auf die Spuren.

„Ich glaube, hier ist noch jemand.“

Lisa folgte seinem Blick.

„Haben Sie ein Fahrzeug gefunden?“

„Noch nicht.“

„Und die Kleine?“

„Die hat uns der Hund oben gezeigt.“

Lisa sah ihn ungläubig an.

„Welcher Hund?“

Markus deutete zur Leitplanke.

„Der da oben. Schwer verletzt. Aber ohne ihn hätte ich überhaupt nicht hier gesucht.“

Lisa betrachtete die steile Böschung.

„Dann hat er diesem Mädchen vielleicht das Leben gerettet.“

Markus antwortete nicht.

Er dachte an die zweite Spur im Schlamm.

Und daran, dass irgendwo im Gebüsch möglicherweise noch jemand auf Hilfe wartete.

Während die Rettungskräfte das Mädchen versorgten, kehrte Markus zu den Fußabdrücken zurück.

Er folgte ihnen vorsichtig, ohne die erkennbaren Spuren zu beschädigen.

Hinter dem umgestürzten Baum lag eine kleine Stofftasche.

Daneben befand sich ein einzelner Kinderschuh.

Markus blieb stehen.

„Hallo? Können Sie mich hören?“

Nichts.

Er leuchtete zwischen die Bäume.

Etwa zwanzig Meter weiter entdeckte er einen silbergrauen Kleinwagen.

Das Fahrzeug war von der Straße abgekommen, einen flachen Erdwall hinuntergerutscht und zwischen zwei jungen Bäumen zum Stehen gekommen.

Von oben war es wegen des dichten Gestrüpps nicht zu sehen gewesen.

Die rechte Rückleuchte war beschädigt.

Die Beifahrertür stand offen.

Markus näherte sich vorsichtig.

„Polizei! Ist jemand im Fahrzeug?“

Eine schwache Stimme antwortete.

„Hier …“

Markus beschleunigte seine Schritte.

Auf dem Fahrersitz saß eine Frau mit grauen Strähnen im dunklen Haar.

Ihr Gesicht war blass. Sie hielt eine Hand gegen die Brust und atmete angestrengt.

„Bitte“, flüsterte sie. „Mein Enkelkind …“

Markus trat zur geöffneten Tür.

„Ihr Enkelkind ist gefunden worden. Der Rettungsdienst ist schon bei ihr.“

Die Frau starrte ihn an.

„Ist … ist sie am Leben?“

„Ja. Sie ist wach und wird gerade untersucht.“

Plötzlich liefen Tränen über ihre Wangen.

„Gott sei Dank.“

Sie schloss die Augen.

Markus kniete sich neben die Tür.

„Wie heißen Sie?“

„Brigitte … Brigitte Neumann.“

„Frau Neumann, ich bin Polizeihauptmeister Weber. Können Sie mir sagen, was passiert ist?“

Die 62-Jährige atmete langsam aus.

„Da war plötzlich ein Tier auf der Straße. Ich habe gebremst … und dann …“

Ihre Stimme brach ab.

„Ich weiß nur noch, dass der Wagen gerutscht ist.“

Markus nickte.

„Sie müssen mir jetzt nicht alles erzählen. Die Kollegen vom Rettungsdienst kommen gleich.“

Doch Brigitte griff nach seinem Ärmel.

„Meine Enkelin heißt Emma.“

„Emma ist in Sicherheit.“

„Und Benno?“

Markus runzelte die Stirn.

„Wer ist Benno?“

„Unser Hund.“

Ihre Augen wurden größer.

„Er war hinten im Auto. Nach dem Unfall war die Tür offen. Ich habe ihn noch bellen gehört.“

Markus spürte einen Stich in der Brust.

„Ein großer Schäferhund-Mischling? Blaues Halsband?“

Brigitte nickte heftig.

„Ja. Ja, das ist Benno!“

„Er ist oben an der Straße.“

„Lebt er?“

Markus zögerte kurz.

„Er lebt. Aber er ist verletzt. Wir kümmern uns um ihn.“

Brigitte begann erneut zu weinen.

„Er hat Emma gesucht“, flüsterte sie.

Markus beugte sich etwas näher.

„Was meinen Sie?“

„Nach dem Unfall … ich war kurz bewusstlos. Als ich wieder wach wurde, war Emmas Babyschale nicht mehr richtig befestigt. Die Tür stand offen.“

Sie musste eine Pause machen.

„Ich wollte nach ihr sehen. Aber mir wurde schwindelig. Ich bin nur ein paar Schritte gekommen.“

Markus erinnerte sich an die Fußspuren.

„Dann sind Sie zum Hang gegangen?“

Brigitte nickte schwach.

„Ich habe Emma gehört. Und Benno ist immer wieder zwischen mir und dem Gebüsch hin und her gelaufen.“

Sie drückte die Lippen zusammen.

„Dann konnte ich nicht mehr weiter. Ich habe versucht, zum Auto zurückzukommen.“

Markus sah auf die Frau.

„Und Benno?“

„Er ist bei Emma geblieben.“

Für einen Moment sagte niemand etwas.

Dann flüsterte Brigitte:

„Ich dachte, ich würde die beiden nie wiedersehen.“

Etwa eine halbe Stunde später war die Straße abgesichert, und zusätzliche Einsatzkräfte suchten das Gelände ab.

Emma wurde vorsichtig aus dem Graben gebracht.

Eine erste Untersuchung ergab keine offensichtlich schweren äußeren Verletzungen. Zur Sicherheit sollte sie im Krankenhaus gründlich untersucht werden.

Auch Brigitte wurde aus dem Unfallwagen befreit und medizinisch versorgt.

Als die Rettungskräfte die Trage an Markus vorbeischoben, hielt die ältere Frau seine Hand fest.

„Bitte vergessen Sie Benno nicht.“

Markus drückte ihre Hand.

„Das werde ich nicht.“

Doch als er zurück zur Straße ging, bekam er Angst.

Der Hund lag jetzt seitlich neben der Leitplanke.

Seine Augen waren geschlossen.

Die Frau aus dem Lieferwagen stand noch immer in sicherer Entfernung neben ihrem Fahrzeug.

„Er hat sich kaum noch bewegt“, sagte sie besorgt.

Markus ging sofort in die Hocke.

„Benno?“

Ein Ohr zuckte.

„Na komm, mein Großer. Deine Leute sind gefunden.“

Der Hund öffnete langsam die Augen.

Markus setzte sich vorsichtig neben ihn.

„Du hast es geschafft.“

Zum ersten Mal versuchte Benno nicht, wegzurutschen.

Stattdessen hob er den Kopf ein kleines Stück und legte ihn erschöpft wieder ab.

Markus bemerkte, dass der Hund stark zitterte.

Er verständigte die Leitstelle, die bereits tierärztliche Hilfe organisiert hatte.

Dann blieb er bei ihm.

Die Fahrerin des Lieferwagens brachte auf seine Bitte hin eine saubere Decke aus ihrem Fahrzeug.

Markus legte sie behutsam über Bennos Rücken, ohne das verletzte Bein zu berühren.

„Weißt du“, sagte er leise, „ich dachte zuerst, du hättest Angst vor mir.“

Benno blinzelte.

„Dabei wolltest du nur, dass ich endlich begreife, was du mir zeigen musst.“

Der Hund atmete schwer.

Markus schaute zur Böschung.

Dann wieder zu Benno.

„Du hättest dich irgendwo verstecken können. Aber du bist zurück auf diese Straße.“

Er schluckte.

„Und du hast dort auf jemanden gewartet.“

In der Tierarztpraxis stellte sich heraus, dass Bennos Hinterbein gebrochen war.

Zusätzlich hatte er starke Prellungen und war völlig erschöpft.

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