Der verzweifelte Vater, der eine Bäckereiverkäuferin mietete und eine verbotene Wahrheit fand

Der verzweifelte Vater, der eine Bäckereiverkäuferin mietete – und eine verbotene Wahrheit fand

Ich schaute zu Lena, dann wieder zu Klara. Es war besser als mein ursprünglicher Plan. Klarer. Ehrlicher.

„Sie haben recht“, sagte ich leise. „Klara. Eine besondere Freundin. Damit kann ich leben.“

„Gut“, sagte sie und zog einen kleinen Notizblock aus ihrer Schürze. „Schreiben Sie mir Ihre Adresse auf. Ich bin morgen um zehn Uhr da. Eine Stunde vor Beginn der Feier.“

Ich kritzelte die Adresse unseres viel zu großen Hauses am Stadtrand auf das Papier. Es ihr zu geben, fühlte sich an, als würde ich den wichtigsten Vertrag meines Lebens unterschreiben.

„Klara“, sagte ich, als sie den Zettel einsteckte. „Danke.“

„Danken Sie mir noch nicht, Herr Berger“, erwiderte sie, mit einem professionellen Lächeln, das sie in der Bäckerei vermutlich tausendmal am Tag zeigte. Aber in ihren Augen lag nur Ernst. „Das ist wahrscheinlich die schlechteste Idee, die wir beide je hatten. Und jetzt… welche Torte darf es denn sein?“

Am nächsten Morgen war ich ein Wrack. Die ganze Nacht hatte ich zwischen „Genial“ und „Du bist ein Monster“ hin- und hergeschwankt.

Ich hatte Lena vorbereitet. „Schatz, ich habe eine Überraschung. Eine ganz besondere Freundin von mir kommt heute zu deiner Feier. Sie heißt Klara.“

„Ist sie eine Mama?“, hatte Lena sofort gefragt.

„Sie ist… sie ist meine Freundin. Und sie freut sich sehr, dich kennenzulernen.“

Es klingelte um 10:01 Uhr. Ich öffnete die Tür und da stand sie.

Klara.

Nicht in der Bäckereischürze, sondern in einem schlichten, hellblauen Kleid und bequemen Ballerinas. Ihre Haare fielen offen in weichen Wellen über die Schultern. Sie sah… schön aus. Und furchtbar nervös. In der Hand hielt sie ein sorgfältig eingepacktes Geschenk.

„Hallo“, sagte sie, die Stimme ein bisschen zu hoch.

„Hallo“, erwiderte ich. „Kommen Sie rein.“

Lena kam um die Ecke gerannt. „Bist du Klara?“

Klaras Gesicht veränderte sich. Die Angst wich, und die Wärme, die ich gestern in der Bäckerei gesehen hatte, tauchte wieder auf. Sie ging in die Hocke.

„Ja“, sagte sie sanft. „Und du musst Lena sein. Ich habe gehört, du wirst heute fünf Jahre alt.“

„Ich bin fünf!“, rief Lena stolz und hielt die ganze Hand hoch.

„Wow, das ist groß!“, sagte Klara und reichte ihr das Päckchen. „Das ist für dich.“

Lena riss es auf. Es war ein Bilderbuch, wunderschön illustriert – ein kleines, etwas schief genähtes Stofftier auf dem Cover.

„Es geht darum“, erklärte Klara leise, „wie Dinge durch Liebe ‚echt‘ werden.“

Mein Hals zog sich zusammen.

Lena, die seit acht Monaten keinen fremden Erwachsenen mehr umarmt hatte, fiel Klara plötzlich um den Hals. „Danke!“

Klara schloss die Arme um sie und sah über Lenas Kopf hinweg zu mir. Ihr Blick sagte deutlich: Siehst du? So machen wir das.

Die Feier war ein einziger, lauter Wirbel aus Luftballons, Kindergeschrei und Zuckerschock.

Die Hüpfburg im Garten war der Hit. Das Catering perfekt. Und Klara… Klara war eine Offenbarung.

Sie spielte keine Rolle. Sie war einfach da. Natürlich. Unaufgeregt. Sie half einem kleinen Jungen, der gestolpert war und sich das Knie aufgeschlagen hatte. Sie organisierte eine Runde „Reise nach Jerusalem“. Sie verteilte Kuchen und lachte, als wäre sie schon immer Teil unseres Chaos.

Und sie war mein Schutzschild.

Die anderen Eltern, die Mütter aus der Kita, die Frauen meiner Geschäftspartner – alle kamen sie früher oder später auf mich zu.

„Thomas!“, rief eine von ihnen, Simone, und musterte Klara mit einem dieser schnellen Blicke, die mehr sehen als einem lieb ist. „Du hast uns ja gar nicht erzählt, dass es jemanden Neues in deinem Leben gibt.“

Bevor ich eine halbherzige Antwort stammeln konnte, streckte Klara Simone die Hand entgegen.

„Ich bin Klara“, sagte sie freundlich. „Schön, endlich ein paar von Thomas‘ Freunden kennenzulernen. Er hat so viel von euch erzählt.“

Eine glatte, einfache Lüge. Ich hatte ihr kein Wort von diesen Leuten gesagt.

Simone war einen Moment aus dem Konzept. „Ach so! Und… wie lange gibt es euch schon?“

„Oh, das fühlt sich schon ewig an“, meinte Klara mit einem leichten Lachen und hakte sich bei mir ein. Ich erstarrte kurz, spürte den Druck ihrer Hand an meinem Arm, diesen kleinen warnenden Druck: Spiel mit.

„Thomas war so beschäftigt mit der Arbeit, und ich hatte meinen Abschluss im Kindergarten noch zu Ende zu bringen… wir haben die Zeit einfach genossen, bevor… na ja, man weiß ja nie, was das Leben bringt“, fügte sie mit einem vieldeutigen Zwinkern hinzu und ließ einen riesigen Freiraum für die Fantasie.

Sie hatten uns. Sofort. In ihren Köpfen war Klara die neue, „bodenständige“ Partnerin. Der Gegenentwurf zu Jana, die sie als kühl und distanziert kannten. Eine liebevolle Erzieherin, die perfekt in das Bild passte, das sie von mir sehen wollten.

Aber das Beeindruckendste war nicht der Auftritt. Es war, ihr zuzusehen, wie sie mit Lena umging.

Beim Kuchen saß Lena an der Stirnseite des Tisches. Ich stand hinter ihr, das Feuerzeug in der Hand.

„Warte!“, rief Lena. „Klara!“

Klara, die gerade Teller eingesammelt hatte, ließ alles stehen und kam eilig herüber. Lena packte ihre Hand.

„Du musst neben Papa stehen“, sagte sie ernst.

Wir standen hinter ihr, links und rechts. Die Handys der Eltern klickten. Fotos, überall. Wir waren ein Bild. Eine heile Familie.

Mein Brustkorb tat weh. Es war eine Lüge. Und gleichzeitig das schönste Bild, das ich seit Langem gesehen hatte.

Als der letzte Gast gegangen war, als Lena erschöpft, aber glücklich in ihrem Bett lag, umringt von Geschenken, suchte ich Klara.

Ich fand sie im Gästehaus. Sie stand über einer kleinen Tasche und war dabei, ihre wenigen Sachen wieder einzupacken.

„Die Feier ist vorbei“, sagte sie, ohne aufzusehen. „Ich gehe, bevor sie aufwacht. Dann können Sie ihr von der ‚Dienstreise‘ erzählen.“

„Nein“, sagte ich.

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