Dreizehn Tage wartete Basko an einer Bushaltestelle auf sein Frauchen, bis er plötzlich ihre Stimme hörte

Dreizehn Tage wartete ein Hund neben einem verlassenen Einkaufswagen auf seine Besitzerin. Als er endlich ihre Stimme hörte, geschah etwas, das niemand vergessen konnte.

„Der Hund sitzt immer noch da. Seit über einer Woche. Können Sie nicht endlich etwas unternehmen?“

Die Frau am Telefon klang verzweifelt. Sie hatte bereits zweimal bei unserer Beratungsstelle angerufen.

Ich bin Henning Vogt, 49 Jahre alt, und arbeite seit zwölf Jahren als Sozialarbeiter in Hannover. Ich habe Menschen erlebt, die alles verloren hatten. Aber an diesen Hund denke ich noch heute.

Als ich an der Bushaltestelle in der Vahrenwalder Straße ankam, sah ich ihn sofort.

Ein großer, brauner Mischlingshund mit grauer Schnauze saß neben einem alten Einkaufswagen. Darin lagen zwei Decken, ein paar Plastiktüten und eine abgewetzte Winterjacke.

Der Hund bewegte sich nicht.

Er schaute die Straße hinunter. Jedes Mal, wenn ein Bus hielt, hob er den Kopf.

Menschen stiegen aus. Andere stiegen ein. Die Türen schlossen sich wieder.

Und jedes Mal senkte der Hund den Kopf.

„Er wartet auf seine Frau“, sagte eine ältere Dame, die neben mir stehen geblieben war.

Sie hieß Irmgard Tietz, war 72 und wohnte seit über dreißig Jahren in diesem Viertel.

„Welche Frau?“, fragte ich.

„Die Frau mit dem Einkaufswagen. Frau Albers. Sie hat hier manchmal geschlafen. Der Hund war immer bei ihr.“

Irmgard zeigte auf den Platz neben der Haltestelle.

„Vor zehn Tagen kam ein Rettungswagen. Die Frau konnte kaum noch atmen. Die Sanitäter haben sie mitgenommen. Der Hund wollte hinterher, aber dann waren die Türen zu.“

Ich sah zu dem Tier.

„Und seitdem sitzt er hier?“

Irmgard nickte.

„Jeden Tag. Auch nachts. Ich bringe ihm Futter. Der Bäcker von gegenüber stellt Wasser hin. Aber weggehen will er nicht.“

Ich ging vorsichtig in die Hocke.

„Na, mein Großer. Wie heißt du denn?“

Der Hund sah mich an. Seine Augen waren müde. Sein Fell war schmutzig, und an seinem Hals hing ein verblichenes rotes Halsband.

An einer kleinen Metallmarke stand ein Name.

Basko.

Ich streckte langsam meine Hand aus.

Basko schnupperte daran. Dann wandte er sich wieder der Straße zu.

Es war, als hätte er für alles andere gerade keine Zeit.

Ich versuchte, ihn mit etwas Futter vom Einkaufswagen wegzulocken. Er nahm ein paar Bissen, blieb aber sitzen.

Als ich einige Schritte zurückging, folgte er mir nicht.

Irmgard seufzte.

„Sehen Sie? Der wartet wirklich auf sie.“

Ich fragte nach dem Namen der Frau.

„Roswitha Albers“, antwortete Irmgard. „Vielleicht Mitte sechzig. Eine ruhige Frau. Sie hat nie jemanden belästigt.“

Dann erzählte sie mir etwas, das mir besonders naheging.

Roswitha hatte früher eine kleine Wohnung gehabt. Nach dem Tod ihres Mannes war sie allein geblieben. Später hatte sie ihre Arbeit verloren. Es folgten Schulden, gesundheitliche Probleme und irgendwann der Verlust ihrer Wohnung.

Wie genau alles passiert war, wusste Irmgard nicht.

Aber eines wusste sie.

„Seit vier Jahren hat sie diesen Hund. Sie hat manchmal selbst nichts gegessen, damit Basko etwas bekam.“

Ich schaute auf den Einkaufswagen.

Zwischen den Decken lag ein kleiner, zerkratzter Futternapf.

Daneben steckte ein zusammengefaltetes Foto in einer durchsichtigen Plastikhülle.

Darauf war eine Frau mit einem jungen Hund zu sehen.

Sie lächelte.

Ich nahm mir vor, Roswitha zu finden.

Damals dachte ich noch, dass es vielleicht ein paar Telefonate dauern würde.

Ich hatte keine Ahnung, wie schwierig es werden sollte.

Zuerst rief ich in der Klinik an, in die der Rettungswagen Roswitha gebracht hatte.

Dort bestätigte man mir nach Rücksprache, dass sie inzwischen verlegt worden war. Weitere Einzelheiten durfte man mir zunächst nicht geben.

Ich erklärte, weshalb ich nach ihr suchte, und hinterließ meine Kontaktdaten.

Am nächsten Tag erhielt ich einen Rückruf.

Roswitha war in eine andere Einrichtung gebracht worden. Von dort war sie nach einigen Tagen in eine kleinere Pflegeeinrichtung im Norden der Stadt gekommen.

Doch auch dort musste erst geklärt werden, ob ich sie besuchen durfte.

Drei Tage telefonierte ich, erklärte die Situation und wartete auf Rückmeldungen.

Jeden Morgen fuhr ich vorher zur Bushaltestelle.

Und jeden Morgen saß Basko noch immer neben dem Einkaufswagen.

Am elften Tag lag er auf einer Decke. Als ich seinen Namen sagte, hob er kurz den Kopf.

Am zwölften Tag wollte er kaum fressen.

Irmgard machte sich große Sorgen.

„Der wird doch krank, wenn das so weitergeht.“

Ich hatte inzwischen mit einer Mitarbeiterin einer örtlichen Tierschutzeinrichtung gesprochen. Sie erklärte sich bereit, mir bei einer sicheren Unterbringung zu helfen.

Aber Basko ließ sich nicht einfach wegführen.

Sobald jemand versuchte, ihn weiter als ein paar Schritte vom Einkaufswagen wegzubringen, blieb er stehen.

Er knurrte nicht. Er schnappte nicht.

Er setzte sich nur wieder hin.

Und wartete.

Am dreizehnten Tag bekam ich endlich die Nachricht, auf die ich gehofft hatte.

Roswitha Albers war gefunden worden.

Sie lag in einer kleinen Pflegeeinrichtung in Hannover Bothfeld.

Ich durfte sie besuchen.

Als ich ihr Zimmer betrat, saß eine schmale Frau aufrecht im Bett.

Sie hatte kurze graue Haare, tiefe Falten um den Mund und Hände, die aussahen, als hätten sie ein Leben lang schwer gearbeitet.

Auf dem Nachttisch standen ein Glas Wasser und eine angebrochene Packung Taschentücher.

„Frau Albers?“, fragte ich.

Sie nickte vorsichtig.

„Ja. Was gibt es?“

Ich stellte mich vor und erklärte, woher ich kam.

Sie hörte zu, ohne viel zu sagen.

Erst als ich den Namen ihres Hundes erwähnte, veränderte sich ihr Gesicht.

„Basko?“

Ihre Stimme war plötzlich ganz leise.

„Sie kennen meinen Basko?“

„Ja. Ich habe ihn gefunden.“

Roswitha richtete sich auf.

„Wo ist er? Ist ihm etwas passiert?“

Ihre Hände begannen zu zittern.

„Er lebt“, sagte ich sofort. „Es geht ihm den Umständen entsprechend gut. Menschen aus der Nachbarschaft kümmern sich um ihn.“

Sie hielt den Atem an.

„Wo ist er denn?“

„An der Bushaltestelle. Neben Ihrem Einkaufswagen.“

Roswitha starrte mich an.

„Noch immer?“

Ich nickte.

„Seit dreizehn Tagen.“

Für einige Sekunden sagte sie kein Wort.

Dann schlug sie beide Hände vor das Gesicht.

Sie weinte so sehr, dass ich nicht wusste, was ich sagen sollte.

Ich blieb einfach neben ihrem Bett sitzen.

Nach einer Weile nahm sie ein Taschentuch.

„Mein armer Junge“, flüsterte sie. „Mein armer, lieber Basko.“

Sie erzählte mir, dass sie sich kaum an den Tag erinnern konnte, an dem der Rettungswagen gekommen war.

Sie hatte eine schwere Lungenentzündung gehabt.

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