Dreizehn Tage wartete Basko an einer Bushaltestelle auf sein Frauchen, bis er plötzlich ihre Stimme hörte

Schon mehrere Tage vorher war sie krank gewesen, hatte aber gehofft, dass es wieder besser werden würde.

Schließlich konnte sie kaum noch stehen.

Jemand hatte Hilfe gerufen.

„Ich habe nur noch gesehen, wie Basko neben dem Wagen stand“, sagte sie.

Ihre Stimme brach.

„Ich wollte ihm sagen, dass ich wiederkomme. Aber dann war alles weg.“

Sie schaute zum Fenster.

„Ich dachte, jemand hätte ihn mitgenommen. Vielleicht ins Tierheim. Vielleicht wäre er auch weggelaufen.“

Dann sah sie mich an.

„Hat er wirklich die ganze Zeit dort gesessen?“

„Ja.“

„Dreizehn Tage?“

„Ja, Frau Albers.“

Sie weinte wieder.

Später erzählte sie mir, wie sie Basko gefunden hatte.

Vier Jahre zuvor hatte sie hinter einem Gewerbegebiet einen kleinen Welpen entdeckt. Er saß neben einigen Müllcontainern, war abgemagert und hatte Angst vor jedem Menschen.

Sie hatte sich lange zu ihm gesetzt.

Schließlich kam er näher.

„Ich hatte damals selbst fast nichts“, erzählte sie. „Aber ich konnte ihn doch nicht einfach dort lassen.“

Von diesem Tag an waren sie zusammen gewesen.

Sie teilten das Essen, die wenigen sicheren Schlafplätze und alles, was das Leben ihnen zumutete.

„Wenn ich nachts Angst hatte, lag er neben mir“, sagte Roswitha. „Wenn ich geweint habe, hat er seinen Kopf auf meinen Arm gelegt.“

Sie lächelte kurz.

„Er hat mich nie gefragt, warum ich keine Wohnung mehr habe.“

Dann wurde sie wieder ernst.

„Ich habe sonst niemanden mehr.“

Ich wusste, dass Roswitha noch nicht entlassen werden konnte.

Sie war schwach. Ihre Lunge musste sich erholen, und die Mitarbeiterinnen kümmerten sich weiterhin um sie.

Aber ich hatte eine Idee.

„Frau Albers, würden Sie etwas für mich machen?“

Sie sah mich fragend an.

Ich holte mein Telefon heraus.

„Sprechen Sie doch einmal mit Basko. Ich nehme Ihre Stimme auf.“

Sie schaute mich an, als hätte sie nicht richtig verstanden.

„Meinen Sie, dass er mich hört?“

„Ich kann es versuchen.“

Sie strich sich über die Haare.

Dann nickte sie.

Ich startete die Aufnahme.

Roswitha beugte sich ein wenig vor.

„Basko? Mein Junge?“

Ihre Stimme zitterte.

„Hier ist dein Frauchen. Ich bin noch da, mein Schatz.“

Sie schluckte.

„Du musst keine Angst haben. Ich habe dich nicht vergessen.“

Eine kurze Pause.

Dann sagte sie:

„Ich komme wieder, Basko. Ich verspreche es dir.“

Ich beendete die Aufnahme.

Roswitha griff nach meiner Hand.

„Bitte passen Sie auf ihn auf.“

„Das mache ich.“

Noch am selben Abend fuhr ich zurück zur Bushaltestelle.

Irmgard war dort. Auch der Bäcker von gegenüber, Herr Ehlers, stand vor seinem Geschäft.

Einige Nachbarn hatten sich versammelt.

Basko lag auf seiner Decke.

Als ich näherkam, hob er den Kopf.

Ich ging neben ihm in die Hocke.

„Basko. Ich habe dir etwas mitgebracht.“

Er sah mich an.

Ich holte mein Telefon heraus und spielte die Aufnahme ab.

„Basko? Mein Junge?“

Sofort stellten sich seine Ohren auf.

Sein Kopf fuhr herum.

„Hier ist dein Frauchen. Ich bin noch da, mein Schatz.“

Basko sprang auf.

Zum ersten Mal sah ich ihn richtig lebendig.

Er schaute mich an, dann das Telefon, dann wieder mich.

Seine Rute begann zu wedeln.

Zuerst langsam.

Dann immer schneller.

Als Roswitha sagte, dass sie ihn nicht vergessen habe, drückte Basko seine Nase gegen das Telefon.

Er winselte.

Dann gab er einen kurzen, aufgeregten Laut von sich.

Ich spielte die Aufnahme ein zweites Mal ab.

Basko lief einen kleinen Kreis um mich herum. Seine Pfoten rutschten auf dem Pflaster.

Dann stellte er sich direkt vor mich.

Und wedelte weiter.

Irmgard stand mit beiden Händen vor dem Mund.

„Ach, du lieber Himmel“, flüsterte sie.

Herr Ehlers nahm seine Brille ab.

Niemand lachte.

Einige Menschen weinten.

Ich musste selbst schlucken.

Denn Basko, der dreizehn Tage fast regungslos auf diesen einen Menschen gewartet hatte, zeigte plötzlich wieder Freude.

Als hätte jemand eine Tür geöffnet.

Ich setzte ihm vorsichtig eine Leine an.

Diesmal blieb er nicht stehen.

Er ging mit mir.

Immer wieder schaute er zu meiner Jackentasche, in der das Telefon steckte.

Ich spielte ihm die Aufnahme auf dem Weg zum Auto noch einmal vor.

Am nächsten Morgen durfte ich Basko mit Zustimmung der Einrichtung zu Roswitha bringen.

Eine Mitarbeiterin hatte einen kleinen Besuchsraum vorbereitet.

Roswitha saß in einem Sessel. Auf ihren Knien lag eine Decke.

Als ich die Tür öffnete, sah Basko sie sofort.

Er blieb stehen.

Nur für einen Augenblick.

Dann ging er langsam auf sie zu.

„Basko“, flüsterte Roswitha.

Er wurde schneller.

Sie streckte beide Hände aus.

Basko drückte seinen Kopf hinein.

Und dann war es vorbei mit seiner Zurückhaltung.

Seine Rute schlug gegen den Sessel. Er winselte und versuchte, möglichst nah an Roswitha heranzukommen.

„Mein Junge“, sagte sie immer wieder. „Mein guter Junge.“

Sie legte ihre Arme um seinen Hals.

Basko stellte seine Vorderpfoten neben ihre Beine und drückte seinen Kopf gegen ihre Brust.

Roswitha weinte.

Sie lachte zwischendurch, wischte sich die Augen und küsste seine graue Schnauze.

„Ich bin doch da. Siehst du? Ich bin doch da.“

Basko ließ sie nicht aus den Augen.

Jedes Mal, wenn sie ihre Hand hob, schob er seinen Kopf darunter.

Eine Pflegerin stand neben der Tür und weinte leise.

Ich blieb ein paar Minuten.

Dann ging ich hinaus.

Die beiden hatten sich so viel zu sagen, auch ohne Worte.

Doch es gab ein Problem, das wir nicht ignorieren konnten.

Roswitha hatte noch immer keine Wohnung.

Und nach ihrer Entlassung hätte sie wieder auf der Straße gestanden.

Ich sprach mit ihr über mögliche Unterkünfte, Hilfsangebote und Unterstützung bei den Anträgen.

Sie war dankbar, aber auch misstrauisch.

„Ich habe schon so oft gehört, dass sich etwas ändern wird“, sagte sie.

Ich konnte ihr das nicht übel nehmen.

In zwölf Jahren Sozialarbeit hatte ich gelernt, wie schwer es ist, nach vielen Enttäuschungen noch einmal Hoffnung zuzulassen.

Aber dieses Mal geschah etwas Unerwartetes.

Die Menschen aus dem Viertel hatten Basko nicht vergessen.

Irmgard begann, Roswitha regelmäßig zu besuchen.

Herr Ehlers brachte Brot und Brötchen vorbei.

Einige Kinder malten Bilder von Basko, die Roswitha an ihre Zimmertür hängte.

Eine Nachbarin brachte neue Kleidung.

Und dann stellte jemand die Geschichte in der örtlichen Nachbarschaftszeitung vor.

Die Überschrift lautete:

„Hund wartet dreizehn Tage auf seine Besitzerin.“

Plötzlich meldeten sich Menschen, die ich vorher nie gesehen hatte.

Sie wollten wissen, wie sie helfen konnten.

Einige spendeten kleine Beträge.

Klicke auf die Schaltfläche unten, um den nächsten Teil der Geschichte zu lesen.

Nach oben scrollen