Er war schwer allergisch gegen meine Katze, doch was er aus Liebe für uns tat, rührte mich zu Tränen

Er schüttelte langsam den Kopf.

„Sabine, glaubst du wirklich, ich möchte der Mann sein, wegen dem du deine Katze abgeben musst?“

„Aber deine Gesundheit …“

„Die ist wichtig. Und darum kümmere ich mich mit meinem Arzt. Aber Miezi gehört zu deinem Leben.“

Ich sah ihn an.

Er nahm meine Hand.

„Ich weiß, was dieses Tier für dich bedeutet. Glaubst du, ich hätte das nicht verstanden?“

In diesem Moment hätte ich ihn am liebsten einfach nur festgehalten.

Doch unsere schwerste Zeit lag noch vor uns.

Etwa sechs Monate später brach Miezi plötzlich zusammen.

Es passierte an einem Dienstagabend.

Ich stand in der Küche und bereitete das Abendessen vor. Miezi kam wie immer aus dem Wohnzimmer gelaufen.

Dann blieb sie stehen.

Ihre Beine gaben nach, und sie fiel auf die Seite.

Ich ließ alles stehen und liegen.

„Miezi! Mein Gott, Miezi!“

Ich kniete mich neben sie und versuchte herauszufinden, was passiert war.

Sie atmete schnell und bewegte sich kaum.

Thomas kam aus dem Flur.

Ein einziger Blick genügte.

„Ich hole das Auto. Ruf bei der Tierklinik an.“

Er wickelte Miezi vorsichtig in ein Handtuch und trug sie hinaus.

Während der Fahrt saß ich mit ihr auf dem Schoß und weinte.

„Bitte, meine Kleine. Bleib bei mir. Bitte.“

Thomas sagte fast nichts.

Er fuhr konzentriert und legte nur einmal kurz seine Hand auf meinen Arm.

In der Tierklinik mussten wir lange warten, während Miezi untersucht wurde.

Schließlich kam die Tierärztin zu uns.

Sie erklärte, dass Miezi eine ernsthafte Herzerkrankung hatte.

Wir bekamen Medikamente und genaue Anweisungen. Weitere Untersuchungen und regelmäßige Kontrollen würden nötig sein.

Wie viel Zeit Miezi noch blieb, konnte niemand sicher sagen.

Ich saß einfach da.

Ich hörte die Worte, aber sie kamen kaum bei mir an.

Thomas stellte die Fragen.

Was mussten wir zu Hause beachten? Wie sollten wir die Medikamente geben? Bei welchen Anzeichen mussten wir sofort wiederkommen?

Er schrieb alles auf einen kleinen Notizblock.

Als wir nach Hause fuhren, war es schon nach Mitternacht.

Miezi lag erschöpft in ihrer Transportbox.

Thomas trug sie vorsichtig hinein.

Dann setzte er sich zu mir auf das Sofa.

„Wir machen das“, sagte er.

Mehr nicht.

Aber diese drei Worte bedeuteten mir unglaublich viel.

Von da an veränderte sich unser Alltag.

Miezi brauchte morgens und abends ihre Medikamente.

Wir beobachteten, ob sie genug fraß, ob sie normal atmete und wie sie sich bewegte.

Die Tierarzttermine wurden häufiger.

Auf unserem Kühlschrank hing bald ein Zettel mit Uhrzeiten, Medikamenten und Kontrollterminen.

Daneben sammelten sich die Rechnungen.

Wer ein krankes Tier hat, weiß, wie schnell sich die Kosten summieren können.

Und bei uns war das Geld ohnehin knapp.

Thomas arbeitete weiterhin viel. Ich übernahm zusätzliche Stunden in der Bäckerei.

Wir sagten einen geplanten Kurzurlaub an der Nordsee ab.

Neue Möbel konnten warten. Restaurantbesuche gab es kaum noch.

Manchmal aßen wir erst um zehn Uhr abends zusammen.

Und manchmal waren wir so müde, dass wir kaum miteinander sprachen.

Thomas nahm zusätzliche Aufträge an.

Ich sparte, wo ich konnte.

Miezi dagegen schien manchmal gar nicht zu wissen, welchen Aufwand wir betrieben.

Sie saß auf ihrem Kissen, putzte sich und verlangte lautstark ihr Futter.

Dann mussten wir beide lachen.

Doch mit der Zeit wurde Thomas stiller.

Er kam häufiger erschöpft nach Hause.

Seine Allergie war immer noch da. Dazu kamen die langen Arbeitstage und unsere Sorgen um Miezi.

Ich bemerkte, dass er manchmal minutenlang einfach nur aus dem Fenster schaute.

Ich fragte mich immer öfter, wie lange ein Mensch so etwas durchhalten konnte.

Und irgendwann bekam ich Angst.

Nicht nur davor, Miezi zu verlieren.

Sondern auch Thomas.

Eines Abends kam ich früher von der Arbeit.

Sein Auto stand bereits vor dem Haus.

Das wunderte mich. Normalerweise kam er erst später.

Als ich näher kam, sah ich ihn hinter dem Steuer sitzen.

Der Motor war aus.

Im Auto war kein Licht.

Thomas saß einfach da, beide Hände am Lenkrad, den Blick nach vorne gerichtet.

Ich blieb einen Moment stehen.

Und plötzlich war ich sicher, dass ich wusste, was los war.

Er konnte nicht mehr.

Vielleicht überlegte er gerade, wie er es mir sagen sollte.

Vielleicht hatte er längst entschieden, dass ihm alles zu viel geworden war.

Mit zitternden Händen öffnete ich die Beifahrertür und setzte mich neben ihn.

Er sah mich überrascht an.

„Sabine? Du bist ja schon da.“

Ich nickte.

Dann sagte ich etwas, das ich seit Wochen mit mir herumtrug.

„Thomas, wenn du gehen möchtest, dann verstehe ich das.“

Er starrte mich an.

„Was?“

Ich schaute auf meine Hände.

„Du bist ständig müde. Du bekommst schlecht Luft, wenn du bei uns bist. Wir haben kaum noch Geld übrig. Und Miezi wird wahrscheinlich nicht mehr gesund.“

Meine Stimme brach.

„Ich möchte nicht, dass du dein Leben für uns aufgibst.“

Thomas schwieg.

Für einen schrecklichen Moment dachte ich, er würde mir recht geben.

Dann drehte er sich zu mir.

„Sabine, ist das wirklich das, was du glaubst?“

Ich konnte nur nicken.

Er schloss kurz die Augen.

„Weißt du, warum ich hier sitze?“

Ich schüttelte den Kopf.

„Weil ich heute auf der Arbeit schon wieder so stark niesen musste. Meine Augen brennen, und ich bin völlig erledigt.“

Er holte tief Luft.

„Ich wollte erst einmal ein paar Minuten hier sitzen, bevor ich reingehe. Ich wollte nicht, dass du mich wieder so siehst und dir noch mehr Vorwürfe machst.“

Da liefen mir die Tränen über die Wangen.

Thomas nahm meine Hand.

„Ja, ich bin müde“, sagte er leise. „Manchmal sogar sehr.“

Er sah mich fest an.

„Aber ich bin nicht müde von dir.“

Ich begann zu schluchzen.

„Und ich bin auch nicht hier, weil alles einfach ist. Ich bin hier, weil ich dich liebe.“

Er drückte meine Hand.

„Ich weiß, wie es sich anfühlt, jemanden zu verlieren. Und ich weiß, wie schwer es ist, danach wieder Vertrauen zu fassen.“

Dann sagte er einen Satz, den ich niemals vergessen werde.

„Sabine, ich habe mich nicht nur für die schönen Seiten deines Lebens entschieden. Miezi gehört dazu. Deine Sorgen gehören dazu. Und solange wir gemeinsam eine Lösung finden können, bleibe ich an deiner Seite.“

Ich legte meinen Kopf an seine Schulter.

Wir saßen lange so im Auto.

Irgendwann sagte er leise:

„Außerdem wartet da drin bestimmt eine kleine Dame auf ihr Abendessen.“

Da musste ich trotz meiner Tränen lachen.

Miezi lebte noch elf Monate.

Es waren nicht immer leichte Monate.

Es gab gute Tage, an denen sie durch die Wohnung lief und mit ihrem kleinen Stoffball spielte.

Und es gab schlechte Tage, an denen sie kaum fressen wollte und wir uns große Sorgen machten.

Thomas blieb an unserer Seite.

Er erinnerte mich an Medikamente, begleitete uns zu Kontrollterminen und übernahm oft die Versorgung, wenn ich von der Arbeit erschöpft war.

Dabei achtete er weiter auf seine Allergie und ließ sich ärztlich betreuen.

Manchmal fand ich ihn morgens in der Küche.

Klicke auf die Schaltfläche unten, um den nächsten Teil der Geschichte zu lesen.

Nach oben scrollen