Fünf Familien gaben Arko zurück, bis ein Junge erkannte, warum er niemandem mehr vertraute

Danach kamen verschiedene Stellen.

Familien.

Wohngruppen.

Übergangslösungen.

Manche Menschen dort waren gut zu mir.

Das will ich ausdrücklich sagen.

Es gab Erwachsene, die sich Mühe gaben.

Aber für ein Kind zählt nicht nur, ob jemand nett ist.

Es zählt auch, ob man am nächsten Morgen noch am selben Tisch sitzt.

Ich wechselte siebenmal den Ort, an dem ich schlief.

Neue Schule.

Neue Buslinie.

Neue Regeln.

Neue Menschen, die sagten: „Du kannst dich hier ruhig einleben.“

Irgendwann hörte ich auf, ihnen zu glauben.

Ich stellte keine Fotos auf.

Ich klebte nichts an Wände.

Ich ließ nie meine ganze Kleidung im Schrank.

Wenn man oft genug geht, wird Weggehen zur Gewohnheit.

Vielleicht war das auch bei Arko so.

Er war nicht kalt.

Er war vorbereitet.

Eines Nachmittags hatte ich ein Gespräch wegen meiner Ausbildung.

Es dauerte länger als geplant.

Danach war ich müde und fuhr direkt zurück in die Wohngruppe.

Am nächsten Morgen kam ich zur Tierstation.

Maren wartete schon an der Tür.

„Wo warst du gestern?“

„Termin.“

„Du hättest kurz anrufen können.“

Ich lachte.

„Seit wann muss ich Arko Termine absagen?“

Sie lachte nicht.

„Er hat gestern Abend nicht gefressen.“

Ich blieb stehen.

„Ist er krank?“

„Nein.“

„Woher weißt du das?“

Maren deutete auf seine Box.

„Er saß ab vier Uhr an der Tür.“

Ich sagte nichts.

„Bis wann?“

„Bis ich abgeschlossen habe.“

Mir wurde plötzlich heiß im Gesicht.

„Vielleicht wollte er raus.“

„Jonas.“

Ich sah sie an.

„Er hat gewartet.“

Ich ging langsam zu Arko.

Er stand schon hinter dem Gitter.

Normalerweise blieb er liegen, wenn ich kam.

Diesmal nicht.

Ich öffnete die Box.

Arko machte einen Schritt.

Dann noch einen.

Sein Schwanz bewegte sich.

Nur einmal.

Ganz klein.

Aber ich sah es.

Ich drehte meinen Kopf weg.

„Alles okay?“, fragte Maren hinter mir.

„Ja.“

War es nicht.

Ich musste mich zusammenreißen.

Fast mein ganzes Leben hatte ich versucht, niemanden zu brauchen.

Und jetzt hatte ein Hund angefangen, auf mich zu warten.

Danach änderte sich etwas zwischen uns.

Nicht plötzlich.

Arko wurde nicht über Nacht ein anderer Hund.

Er bellte nicht vor Freude.

Er sprang nicht.

Er brachte keinen Ball.

Aber er begann, zur Tür zu kommen, wenn er meine Schritte hörte.

Er lief draußen neben mir.

Manchmal blieb er stehen und sah zurück, ob ich noch da war.

Dann kam der Tag, an dem Maren sagte:

„Für Arko gibt es Interessenten.“

Ich stand gerade am Waschbecken und spülte einen Napf aus.

„Gut.“

Mehr sagte ich nicht.

„Eine Familie mit Hundeerfahrung.“

„Gut.“

„Haus. Garten. Ruhige Gegend.“

„Klingt doch gut.“

Maren beobachtete mich.

„Jonas.“

„Was?“

„Nichts.“

Von diesem Tag an kam ich seltener.

Erst ließ ich einen Nachmittag aus.

Dann zwei.

Maren fragte schließlich, was das sollte.

„Ich habe viel zu tun.“

„Nein.“

„Doch.“

„Nein.“

Sie konnte erstaunlich hartnäckig sein.

Ich stellte einen Futtersack auf den Boden.

„Er muss sich sowieso daran gewöhnen.“

„Woran?“

Ich antwortete nicht.

„Jonas.“

Ich sah sie an.

„Dass ich nicht mehr komme.“

Maren schwieg.

Ich sagte: „Wenn er sich jetzt noch mehr an mich gewöhnt, wird es doch schlimmer.“

„Für wen?“

Das machte mich wütend.

„Für ihn.“

„Sicher?“

„Was soll das heißen?“

Sie verschränkte die Arme.

„Vielleicht meinst du dich.“

Ich ging.

Am Tag, an dem Arko abgeholt wurde, blieb ich in meinem Zimmer.

Ich wusste ungefähr, wann es passieren würde.

Gegen drei.

Um halb drei schaute ich auf die Uhr.

Um drei auch.

Um zehn nach drei.

Dann legte ich das Handy mit dem Display nach unten.

Ich redete mir ein, dass es gut war.

Arko hatte ein Zuhause.

Menschen mit mehr Platz.

Mehr Geld.

Mehr Erfahrung.

Ich war siebzehn.

Ich hatte noch nicht einmal eine eigene Adresse.

Was hätte ich ihm geben sollen?

Abends zog ich den Koffer unter meinem Bett hervor.

Ich kontrollierte, ob alles drin war.

Drei T-Shirts.

Jeans.

Papiere.

Zahnbürste.

Alles da.

Ich wusste nicht, warum ich das tat.

Elf Tage später ging ich wieder zur Station.

Ich erzählte mir, ich würde nur helfen.

Arko war weg.

Also gab es keinen Grund, nicht hinzugehen.

Ich öffnete die Tür zum Flur.

Dann hörte ich ein Geräusch.

Krallen auf dem Boden.

Ich blieb stehen.

Arko kam um die Ecke.

Ich dachte zuerst, ich bilde es mir ein.

Er blieb ebenfalls stehen.

Wir sahen uns an.

„Nein“, sagte ich.

Maren kam aus dem Büro.

„Doch.“

„Was macht er hier?“

Sie stellte einen Ordner auf einen Tisch.

„Er wurde zurückgebracht.“

Mein Magen zog sich zusammen.

„Warum?“

„Es hat nicht funktioniert.“

„Hat er jemanden gebissen?“

„Nein.“

„Etwas kaputtgemacht?“

„Nein.“

„Ist er weggelaufen?“

„Nein.“

„Was dann?“

Maren sah zu Arko.

„Er lag meistens im Flur.“

Ich wartete.

„Und jeden Nachmittag ungefähr um vier Uhr hat er sich an die Haustür gesetzt.“

Ich schluckte.

„Das haben die gesagt?“

„Ja.“

Arko machte einen Schritt auf mich zu.

Dann blieb er stehen.

Er war wieder vorsichtiger geworden.

Ich ging in die Hocke.

Nicht näher.

„Hallo, Arko.“

Er sah mich an.

Ich wartete.

Nach einer Weile kam er.

Langsam.

Er stellte sich vor mich.

Dann legte er seinen Kopf auf mein Knie.

Ich weinte.

Ich schäme mich nicht dafür.

Es war kein großer Zusammenbruch.

Ich machte keine Geräusche.

Die Tränen kamen einfach.

Ich hielt eine Hand über seinem Rücken, berührte ihn aber noch nicht.

Als würde ich ihn fragen.

Arko blieb.

Also legte ich die Hand auf sein Fell.

„Tut mir leid“, sagte ich.

Ich wusste nicht, ob ich mich bei ihm entschuldigte oder bei mir selbst.

Vielleicht bei uns beiden.

In den nächsten Tagen dachte ich ständig daran, ihn zu nehmen.

Es wäre die einfache Version dieser Geschichte.

Junge findet Hund.

Hund findet Jungen.

Beide gehen nach Hause.

Aber so war es nicht.

Ich hatte kein Zuhause, in das ich ihn hätte mitnehmen können.

In meiner Wohngruppe waren Tiere nicht möglich.

Meine Ausbildung sollte erst beginnen.

Ich hatte kaum Geld.

Und eine bezahlbare kleine Wohnung zu finden, war schon ohne Hund schwierig genug.

Ich sagte zu Maren:

„Ich kann ihn nicht nehmen.“

Sie nickte.

„Ich weiß.“

Die Antwort tat weh.

„Du könntest wenigstens sagen, dass es irgendwie geht.“

„Warum?“

„Weil man das in solchen Situationen sagt.“

„Ich sage lieber die Wahrheit.“

Ich setzte mich auf einen Stuhl.

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