Mein Blind Date blieb leer, bis ein kleines Mädchen flüsterte: „Mama lässt dich nicht warten…“

„Es tut mir furchtbar leid“, sagte sie. „Ich bin Hannah. Ich… ich wollte nicht, dass sie allein irgendwo hingeht. Ich stand wirklich nur zwei Meter weg, aber sie ist schneller, als man denkt.“

„Schon gut“, sagte Tobias ehrlich. „Mia war sehr höflich. Und sie hat Ihre Nachricht perfekt überbracht.“

Hannah ließ sich auf den Stuhl setzen, zog Mia sanft näher zu sich, sodass das Kind nun neben ihr saß. Man sah, wie sie versuchte, gleichzeitig streng und liebevoll zu sein – wie jemand, der jeden Tag balanciert.

„Der Parkautomat…“, begann Hannah und schüttelte den Kopf. „Ich hatte Kleingeld, aber irgendwie hat nichts gepasst, dann stand jemand hinter mir und… na ja. Und dann habe ich mich noch im Eingang umgesehen, ob ich Sie erkenne, und da war Mia schon unterwegs.“

„Ich sitze wirklich immer am Fenster“, sagte Tobias. „Das war also eine ziemlich sichere Wette.“

Hannah lachte kurz, aber es klang mehr nach Erleichterung als nach Humor. Dann wurde sie plötzlich ernst.

„Ich muss etwas sagen“, begann sie. „Ich hätte Ihnen gleich schreiben sollen. Ich habe… ich habe eine Tochter. Und ich habe nicht klar gesagt, dass sie heute dabei ist. Das war nicht fair. Wenn Sie jetzt gehen möchten, verstehe ich das.“

Tobias stutzte. „Warum sollte ich gehen?“

Hannah zuckte mit den Schultern, aber ihre Stimme wurde leiser. „Weil viele gehen. Nicht sofort, aber… sobald sie es wissen, wird alles anders. Ich habe oft das Gefühl, ich werde gar nicht als Mensch gesehen, sondern erst als ‚kompliziert‘.“

Mia, die bis dahin still zugehört hatte, warf Tobias einen prüfenden Blick zu, als würde sie seine Reaktion speichern.

Tobias schaute erst Mia an, dann Hannah. „Wissen Sie“, sagte er langsam, „wenn jemand Sie wegen Ihres Kindes beurteilt, dann verpasst er etwas. Mia ist… besonders. Und das kommt nicht von ungefähr.“

Hannahs Augen wurden feucht. Sie blinzelte schnell, als wollte sie das nicht zulassen. „Das hat schon lange niemand mehr so gesagt“, flüsterte sie.

Mia beugte sich zu Tobias vor. „Mama macht alles alleine“, erklärte sie. „Aber manchmal ist Mama müde.“

Hannah legte eine Hand auf Mias Rücken. „Schatz…“

„Ist doch wahr“, sagte Mia.

Und Tobias spürte, wie sich in ihm etwas bewegte, das er lange nicht gespürt hatte: eine Wärme, die nichts mit Erfolg zu tun hatte.

Sie bestellten Essen. Hannah entschuldigte sich noch einmal bei der Bedienung, weil Mia so „überraschend“ erschienen war, aber das Ganze wurde schneller normal, als Tobias gedacht hätte.

Mia bekam ein Kindergericht und ein paar Buntstifte. Sie erzählte von ihrem Kindergarten, von einem Plüschtier, das „Herr Fuchs“ hieß, und davon, dass sie Pfannkuchen besser fand als Nudeln, „weil Pfannkuchen nach Sonntag schmecken“.

Hannah entspannte sich nach und nach. Ihre Schultern sanken ein bisschen, ihr Lächeln wurde echter. Und Tobias merkte, wie leicht es sein konnte, sich zu unterhalten, wenn man nicht ständig innerlich auf der Flucht war.

„Mia hat mich vorhin gefragt, ob ich Sie heirate“, sagte Tobias irgendwann, als Mia gerade konzentriert ein Haus malte, dessen Fenster alle unterschiedliche Farben hatten.

Hannah wurde knallrot. „Oh nein. Das tut mir so leid. Sie hört überall irgendwas auf und macht dann daraus… Mia-Logik.“

„Sie ist sehr direkt“, sagte Tobias, ohne Spott, eher bewundernd.

„Zu direkt“, murmelte Hannah.

Tobias zögerte kurz, dann sagte er: „Wissen Sie, es hat mich… nachdenklich gemacht. Ich arbeite viel. Sehr viel. Ich habe mir jahrelang eingeredet, dass später irgendwann Zeit ist. Wenn alles läuft, wenn alles steht.“

Hannah sah ihn ruhig an. „Und? Läuft es?“

Tobias musste lächeln, aber es war ein schiefes Lächeln. „Ja. Und trotzdem komme ich abends nach Hause und es ist still. Nicht die gute Stille. Eher so, als würde die Wohnung warten, dass endlich etwas passiert.“

Er blickte zu Mia, die gerade eine winzige Sonne in die Ecke des Blattes zeichnete. „Und dann sitzt man plötzlich in einem Café und merkt: Die wichtigen Dinge fühlen sich anders an. Nicht wie Zahlen. Nicht wie Termine. Eher… wie ein Moment, den man nicht planen kann.“

Hannahs Blick wurde weich. „Das klingt, als würden Sie noch einen Moment bleiben wollen.“

„Ich würde gern… es versuchen“, sagte Tobias. „Wenn Sie das auch möchten. Ich habe keine Erfahrung mit Kindern. Und ich arbeite zu viel. Und wahrscheinlich mache ich hundert Fehler. Aber ich würde Sie gern wiedersehen. Euch beide.“

Hannah atmete aus, als hätte sie etwas Schweres losgelassen. „Das würde ich auch gern“, sagte sie leise.

Mia hob den Kopf. „Also… mögen Sie Kinder?“, fragte sie erneut, als hätte sie das Gespräch zurück auf den wichtigsten Punkt bringen müssen.

Tobias nickte. „Ich glaube… ich mag dich.“

Mia überlegte, dann sagte sie: „Okay. Aber Sie müssen nett zu Mama sein.“

„Das ist ein guter Plan“, sagte Tobias ernst.

In den Monaten danach wurde Tobias langsam Teil ihres Alltags. Nicht auf dramatische Weise, nicht wie in einem Film. Eher so, wie ein Stuhl, der zuerst nur kurz in der Ecke steht und irgendwann selbstverständlich am Tisch steht.

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