Milliardär jagt frierendes Mädchen im Schneesturm davon – dann erkennt er das Armband seines Sohnes

Milliardär jagt frierendes Mädchen im Schneesturm davon – dann erkennt er das Armband seines Sohnes

Kapitel 2: Die Nachricht aus der Vergangenheit

Der Wagen schoss zurück durch das verschneite Tal, die Scheinwerfer schnitten Lichtbahnen in die weiße Dunkelheit. Kaum rollten sie durch das Tor der Villa, sprang Arthur hinaus, noch bevor der Wagen richtig stand.

Der Wind war stärker geworden. Schnee flog waagerecht durch den Hof.

„Wo ist sie?“ brüllte Arthur, während er zu den Sicherheitsleuten am Tor rannte. „Das Mädchen! Wo ist sie?“

Markus trat vor, sichtlich durcheinander. „Herr Steinmann, Sie sagten… also, wir haben sie aus der Einfahrt begleitet. Sie ist die Straße hinunter in Richtung Wald gelaufen.“

„Alle raus!“, schrie Arthur. „Jeder! Küche, Gärtner, Fahrer – Taschenlampen, Decken! Sofort! Rufen Sie die Polizei! Und den Notarzt! Wenn nötig, die ganze Feuerwehr! Und –“ seine Stimme brach kurz – „– ich will noch heute jeden Ermittler, den wir jemals bezahlt haben, hier sehen!“

„Aber, Herr Steinmann, es ist ein Schneesturm, die Sicht…“, begann Markus.

Arthur packte ihn am Revers, zog ihn so dicht heran, dass sich ihre Nasen fast berührten. Seine Augen waren wild. „Dieses Mädchen ist meine Enkelin. Wenn sie in dieser Nacht stirbt, schwöre ich Ihnen, Markus, dann begrabe ich Ihre Karriere gleich mit. Jetzt. Bewegen. Sie. Sich.“

Ein Ruck ging durch den Hof. Flutlichter gingen an, Motoren wurden gestartet, Stimmen riefen durcheinander. Es war, als wäre das starre Haus plötzlich lebendig geworden.

Arthur blieb nicht zurück. Er stolperte selbst den Weg hinunter zur Hauptstraße, seine feinen Lederschuhe rutschten auf dem Eis. Immer wieder rief er in den Sturm hinein.

„Daniel! Mädchen! Kannst du mich hören?“

Der Wind antwortete nur mit einem Heulen.

Über zwei Stunden suchten sie. Die Polizei aus dem Ort war längst da, später kamen noch Männer in dunklen Jacken, die Arthur von früheren „Diskretionseinsätzen“ kannte. In seinem Arbeitszimmer wurde eine Art Einsatzzentrale eingerichtet: Telefone klingelten, ein Laptop stand offen, Funkgeräte rauschten.

Arthur stand am Fenster, die Finger so fest um den kleinen Silberbären gekrallt, dass das Metall sich in seine Haut drückte.

Die Tür ging auf. Ein Mann Mitte fünfzig mit ernstem Gesicht trat ein. „Herr Steinmann? Ich bin Hoppe, Leiter des privaten Ermittlerteams.“ Er hob ein Tablet. „Wir haben im Schnellverfahren alles zu Ihrem Sohn durchgesehen, was verfügbar war.“

Arthur drehte sich langsam um. „Wo ist er? Wenn das Mädchen hier ist, muss er in der Nähe sein. Im Gefängnis? Im Krankenhaus?“

Hoppe holte tief Luft. „Es tut mir leid, das sagen zu müssen. Daniel Steinmann ist vor zwei Wochen verstorben.“

Arthur fühlte, wie ihm der Boden unter den Füßen weggezogen wurde. Er klammerte sich an die Kante des Schreibtisches. „Das ist… Unsinn. Er war doch… jung…“

„Er lebte in den letzten Jahren in einem Obdachlosenheim in München“, fuhr Hoppe fort, sachlich, aber nicht kalt. „Er schlug sich mit Aushilfsjobs durch. Auf den Unterlagen steht, er war Diabetiker. Die letzten Monate hat er sich kein Insulin mehr leisten können.“

Arthur schloss die Augen. Er kannte die Preise für Medikamente. Für ihn waren es Zahlen, die irgendwo auf Rechnungen auftauchten. Für seinen Sohn waren es Barrieren gewesen.

„Warum?“, hauchte er.

Hoppe tippte etwas auf dem Tablet, dann projizierte er eine Liste auf den Bildschirm an der Wand. „Der Leiter des Heims hat erzählt, Daniel habe gespart. Jeden Cent zurückgelegt. Er wollte einen Bus nach Oberkron bezahlen. Er sagte, er müsse seine Tochter Lea zu ihrem Großvater bringen, bevor Weihnachten sei. Wörtlich: ‚Mein Vater ist hart, aber er lässt kein Kind hungern.‘“

Ein Laut, halb Schluchzen, halb Schrei, entkam Arthurs Brust.

„Er hat seine Medizin abgesetzt, damit sie genug zu essen hatte“, sagte Hoppe leise. „Er starb nachts im Schlaf. Danach kam Lea in eine Pflegefamilie. Vor drei Tagen ist sie weggelaufen. Seitdem war sie unterwegs. Zu Fuß, mitgenommen von Autos, wie es eben ging. Sie wollte nur zu diesem Haus auf dem Hügel.“

Arthur starrte auf die dunkle Fensterscheibe. Draußen peitschte der Schnee gegen das Glas.

Lea war also tagelang unterwegs gewesen. Bei Kälte, ohne richtige Kleidung, mit einer Kinderhandvoll Münzen in der Tasche und einem Bild im Kopf: der Großvater, der sie auffangen würde. Und dieser Großvater hatte sie eben wie „Müll“ behandelt.

„Ich habe ihn umgebracht“, flüsterte Arthur. „Und jetzt bringe ich sie auch um.“

In diesem Moment drang eine aufgeregte Stimme aus dem Funkgerät an Hoppes Gürtel. „Wir haben einen Wärmepunkt! Drohne meldet schwaches Signal, hinter der alten Bäckerei im Ort. Sie bewegt sich nicht!“

„Wo genau?“, rief Arthur.

„Drei Kilometer östlich, hinten im Hof, zwischen Müllcontainern.“

Arthur brauchte keine Karte. Er kannte die alte Bäckerei. Früher war er als Junge dort heimlich Kuchen kaufen gegangen. Er riss sich die Jacke vom Stuhl und rannte los.

Klicke auf die Schaltfläche unten, um den nächsten Teil der Geschichte zu lesen.

Nach oben scrollen