Milliardär jagt frierendes Mädchen im Schneesturm davon – dann erkennt er das Armband seines Sohnes

Milliardär jagt frierendes Mädchen im Schneesturm davon – dann erkennt er das Armband seines Sohnes

Kapitel 3: Das Gewicht eines Cents

Die Kolonne von Geländewagen raste durch die engen Straßen des Ortes. Stoppschilder, rote Ampeln – alles wurde ignoriert. Sirenen heulten, Blaulicht spiegelte sich in den vereisten Fensterscheiben der Häuser.

Arthur saß vorne, die Hände zu Fäusten geballt, den Blick starr nach vorne gerichtet. In Gedanken flehte er um etwas, an das er seit Jahrzehnten nicht mehr geglaubt hatte. Wenn sie nur atmet, dachte er. Wenn sie nur atmet, gebe ich alles her. Jede Aktie, jedes Haus, jedes Konto.

Sie hielten vor der alten Bäckerei, die schon seit Jahren geschlossen war. Der Hof dahinter lag dunkel, Schnee türmte sich zwischen den grauen Mauern, zwei große Müllcontainer standen an der Wand.

„Taschenlampen!“, rief Markus.

Die Lichtkegel tasteten Wände und Boden ab. Schneeverwehungen, Müllsäcke, ein paar Ratten, die flüchteten.

„Hier drüben!“, rief einer der Polizisten.

Arthur stolperte hinterher, stieß sich das Bein an einem Container, merkte es kaum.

Hinter dem grünen Metallkasten lag ein kleiner Haufen Stoff. Auf den ersten Blick sah es aus wie weggeworfene Kleidung. Doch dann erkannte er die blassen Hände, das blonde Haar unter einer dünnen Kapuze.

Lea.

Sie war halb im Schnee versunken, eingerollt wie ein Tier, das sich noch ein letztes Mal warm halten will.

Arthur kniete sich neben sie. Seine Finger waren plötzlich viel zu steif, als er ihr Gesicht berührte. Eiskalt. Die Haut hatte einen grauen Schimmer, die Lippen waren blau.

„Lea!“, schrie er, plötzlich wieder mit der Stimme eines jüngeren Mannes. „Lea, wach auf! Opa ist da! Ich bin da!“

Sie reagierte nicht.

Arthur zog seine Handschuhe aus, hob sie vorsichtig hoch. Ihre Kleidung war klamm und schwer, ihr Körper erschreckend leicht. Als er sie hochnahm, fiel etwas aus ihrer Hand in den Schnee.

Eine kleine, laminiert wirkende Karte. Jemand hatte ein Foto mit durchsichtigem Klebeband umhüllt, damit es nicht kaputtging.

In einem Lichtkegel erkannte Arthur sein eigenes Gesicht darauf, viele Jahre jünger. Daniel saß lachend auf seinen Schultern, beide strahlten in die Kamera.

Lea hatte dieses Bild in der Tasche getragen. Ihr Wegweiser. Ihre Hoffnung.

„Sanitäter!“, brüllte Arthur. „Sofort! Wärmedecken, alles!“

Die Rettungskräfte arbeiteten schnell. Eine Wärmematte wurde unter sie geschoben, eine Decke darübergelegt. Einer tastete ihren Puls.

„Starke Unterkühlung“, sagte der Sanitäter ins Funkgerät. „Puls schwach, aber vorhanden. Wir bringen sie sofort in die Klinik.“

Arthur ließ sie nicht aus den Armen, bis sie im Rettungswagen lag. Er setzte sich daneben, hielt ihre Hand, während die Heizung im Wagen aufgedreht wurde und die Sirene über die Straßen heulte.

Die Fahrt zur Klinik verschwamm. Blaue Lichter, enge Kurven, aufgeregte Stimmen. Arthur starrte nur auf Leas Brust, suchte nach dem leichten Heben und Senken unter den Decken.

Im Krankenhaus wurde sie direkt auf die Intensivstation gebracht. Als die Türen hinter dem Team zufielen, blieb Arthur im Flur zurück. Neonlicht, weiße Wände, Desinfektionsgeruch. Er sah plötzlich aus wie ein alter Mann, der sein Leben lang vor etwas davon gelaufen war und nun endlich eingeholt worden war.

Eine Krankenschwester kam auf ihn zu. „Sind Sie der Angehörige, Herr Steinmann?“

Er nickte stumm.

„Wir müssen ihre Aufnahmeunterlagen ausfüllen“, sagte sie vorsichtig. „Und… wir haben etwas in ihrer Jackentasche gefunden.“

Sie reichte ihm ein zusammengefaltetes, feuchtes Blatt aus einem Schulheft.

Arthurs Hände zitterten, als er es aufklappte. Die Schrift war krakelig, unruhig, vermutlich mit einem Billigstift geschrieben. Er erkannte sie trotzdem sofort. Daniels Schrift.

Lea,

wenn du das hier liest, habe ich es nicht mehr geschafft. Es tut mir leid, mein Schatz.
Du musst zum großen Haus auf dem Hügel gehen. Such Arthur Steinmann. Er ist dein Großvater.
Er wirkt streng. Er schreit viel. Er tut so, als ob er die Welt nicht mag.
Aber tief drinnen ist er nur einsam. Er hat mir weh getan, vor vielen Jahren. Ich habe ihm verziehen. Bitte sag ihm das.
Gib ihm den Silberbären. Sag ihm, dass ich ihn nie aufgehört habe zu lieben.
Hab keine Angst vor ihm, Lea. Familie fängt dich auf, wenn du fällst.

Ich hab dich lieb.
Dein Papa.

Arthur sank an der Wand hinunter, bis er auf dem Boden saß. Er drückte den Zettel an seine Stirn, als könne er so die Zeit zurückdrehen. Zum ersten Mal seit Jahrzehnten weinte er ohne Kontrolle, ohne Scham.

Er weinte um den jungen Mann, den er aus seinem Leben verbannt hatte. Um den Jungen mit den leuchtenden Augen, dem er einmal einen Silberbären geschenkt hatte. Um das Mädchen, das geglaubt hatte, ihr Großvater werde sie beschützen, und das stattdessen in einem Schneesturm vor seiner Tür gelandet war.

„Es tut mir leid“, flüsterte er heiser. „Daniel, es tut mir so leid.“

Kapitel 4: Das Auftauen

Die nächsten drei Tage verließ Arthur den Stuhl neben Leas Bett nicht. Die Schwestern brachten ihm ab und zu Kaffee und baten ihn, doch wenigstens kurz zu schlafen. Er schüttelte den Kopf. Die Monitore piepten in einem regelmäßigen Takt, den Arthur fast schon wie Musik hörte. Solange sie piepten, war Lea noch da.

In einer kurzen Pause zwischen Arztvisiten griff er zum Telefon. Mit ruhiger, fast kühler Stimme entließ er seinen gesamten Vorstand.

Er gab seinem Anwalt Anweisungen, Anteile zu verkaufen, Immobilien zu veräußern, Geld in eine Stiftung zu überführen. Seine Mitarbeiter glaubten, er sei übergeschnappt. Arthur hatte das Gefühl, zum ersten Mal klar zu denken.

Am Morgen des vierten Tages war der Himmel hinter dem Krankenhausfenster hell. Die Sonne brach durch die Wolken, Schneekristalle glitzerten auf den Bäumen.

Leas Hand bewegte sich. Nur ein kleines Zucken, aber deutlich.

Arthur sprang auf. „Lea?“

Ihre Augenlider flackerten. Langsam öffneten sie sich. Die blauen Augen, jetzt matt und müde, wanderten durch den Raum, blieben schließlich an seinem Gesicht hängen.

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