Für ihn war ich eines Tages einfach weg gewesen.
Und fünf Jahre später wieder da.
Der ältere Mann kniete sich ein Stück entfernt hin.
„Sie brauchen mir nichts mehr zu erklären“, sagte er leise.
„Er hat gerade alles erklärt.“
Wir mussten trotzdem Formalitäten erledigen.
Papiere.
Nachweise.
Rückfragen.
Ich hätte dort drei Tage sitzen können.
Solange Basko neben mir war, war mir alles egal.
Er ließ mich keine Sekunde aus den Augen.
Wenn ich aufstand, stand er auf.
Wenn ich zwei Schritte ging, ging er mit.
Wenn jemand zwischen uns hindurchlief, schob er den Kopf zur Seite, um mich wieder sehen zu können.
Am nächsten Morgen fuhren wir nach Hause.
Diesmal musste ich mir die Fahrt nicht mehr vorstellen.
Basko saß wirklich neben mir.
Die ersten zwanzig Minuten blieb er wach.
Dann legte er den Kopf schwer auf mein Bein.
Genau wie früher.
Ich strich durch sein Fell.
Unter meinen Fingern spürte ich alte Narben.
Kleine Stellen, die ich nicht kannte.
Ich fragte mich, woher sie kamen.
Ich fragte mich, wie oft er in diesen fünf Jahren nachts irgendwo gelegen und auf eine Tür geschaut hatte.
Wie viele fremde Menschen seinen Namen gerufen hatten.
Wie oft er geglaubt hatte, diesmal wäre es vielleicht für immer.
Zweimal war er vermittelt worden.
Zweimal zurückgebracht.
Niemand konnte mir genau sagen, warum.
„Hat nicht gepasst.“
„Zu zurückgezogen.“
„Zu schwierig.“
Solche Sätze standen in den Unterlagen.
Ich wollte niemandem die Schuld geben.
Vielleicht hatten die Menschen es versucht.
Vielleicht wusste niemand, was in ihm vorging.
Vielleicht wartete er wirklich nur.
Auf etwas, das er kannte.
Am ersten Abend in meiner neuen kleinen Wohnung stellte ich seinen Korb neben mein Bett.
Basko sah ihn an.
Dann sah er mich an.
„Da“, sagte ich.
Er ging nicht hinein.
Stattdessen sprang er mit einiger Mühe aufs Bett.
Früher hatte ich ihm das nie erlaubt.
Er war viel zu groß.
Er nahm die Hälfte der Matratze ein.
Diesmal sagte ich nichts.
Er drehte sich zweimal.
Dann legte er sich direkt neben mich.
Sein Kopf lag fast auf meinem Kissen.
Er atmete tief aus.
So tief, dass sein ganzer Körper nachgab.
Als hätte er jahrelang die Luft angehalten.
Ich legte eine Hand auf seinen Rücken.
„Ich gehe nicht wieder weg.“
Basko öffnete ein Auge.
Leckte über meine Finger.
Dann schlief er.
Ich nicht.
Ich lag die halbe Nacht wach und sah ihm zu.
Seine Pfoten bewegten sich manchmal.
Sein Maul zuckte.
Vielleicht träumte er.
Ich fragte mich, ob ich in diesen Träumen vorgekommen war.
Ob er sich an unsere Wege am Waldrand erinnerte.
An die alte Wohnung.
An das Geräusch meines Schlüssels in der Tür.
Oder an diesen letzten Tag vor dem Gericht.
Ich werde es nie wissen.
Am nächsten Morgen saß Basko neben dem Bett.
Ganz still.
Er starrte mich an.
Erst als ich die Augen öffnete, begann sein Schwanz zu klopfen.
„Guten Morgen.“
Das Klopfen wurde schneller.
Ich stand auf.
Machte ihm Futter.
Er fraß.
Dann gingen wir nach draußen.
Hinter dem Haus war eine kleine Wiese.
Ich löste die Leine.
Basko sah mich an.
Als müsse er erst fragen.
„Los.“
Er lief.
Nicht schnell.
Nicht elegant.
Er war älter geworden.
Aber er lief.
Er machte einen Kreis.
Dann noch einen.
Seine Pfoten rutschten kurz im Gras.
Er fing sich.
Und ich lachte.
Ein richtiges Lachen.
Nicht dieses höfliche Geräusch, das man macht, wenn jemand einen schlechten Witz erzählt.
Ich lachte so sehr, dass mir wieder Tränen kamen.
Basko kam sofort zurück.
Stellte sich vor mich.
Als müsste er überprüfen, warum ich so komische Geräusche machte.
Ich kniete mich hin und nahm seinen Kopf zwischen meine Hände.
„Du bist wirklich da.“
Später schrieb ich wieder.
So wie in all den Jahren davor.
Aber diesmal war es anders.
Ich schrieb nicht mehr über einen Hund, den ich verloren hatte.
Ich schrieb über einen Hund, der neben meinen Füßen schlief.
Auf ein Blatt schrieb ich:
„Basko, du hast mir längst verziehen. Wahrscheinlich schon in dem Moment, als du meinen Geruch erkannt hast. Ich brauche länger.“
Ich faltete den Zettel.
Legte ihn in eine Schublade.
Dort liegt er heute noch.
Basko und ich gehen inzwischen jeden Morgen dieselbe Runde.
Langsam.
Er ist kein junger Hund mehr.
Manchmal bleibt er einfach stehen und schaut mich an.
Dann warte ich.
Ich habe gelernt, dass man nicht immer weiterziehen muss.
Manchmal reicht es, jemanden nicht zurückzulassen.
Früher wechselten manche Leute die Straßenseite, wenn sie Basko sahen.
Heute kennen ihn viele Nachbarn.
„Da kommt der alte Herr“, sagt einer manchmal.
Oder:
„Das ist aber ein lieber Kerl.“
Dann sehe ich Basko an.
„Das war er schon immer.“
Wenn ich kurz einkaufen gehe, sitzt er hinter der Wohnungstür.
Wenn ich zurückkomme, höre ich seinen Schwanz gegen den Boden schlagen.
Jedes Mal.
Als wäre ich fünf Jahre weg gewesen.
Manchmal frage ich mich, was er von all den schlechten Jahren behalten hat.
Vielleicht mehr, als ich denke.
Vielleicht weniger.
Hunde können uns das nicht erklären.
Aber vielleicht müssen sie es auch nicht.
Letzte Nacht saß ich am Tisch und schrieb.
Basko kam langsam zu mir.
Er legte seinen schweren Kopf auf meinen Oberschenkel.
Ich strich über die grauen Haare an seiner Schnauze.
Nach einer Weile hob er den Kopf und drückte ihn gegen meine Brust.
Ich legte beide Arme um ihn.
Basko seufzte.
Ich auch.
Und zum ersten Mal seit vielen Jahren hatte ich nicht das Gefühl, irgendwohin zurückkehren zu müssen.
Wir waren beide schon da.
Zu Hause.






