15 raue Handwerker tauchten nachts auf der Kinderkrebsstation auf – dann hörte die Oberschwester ein Lachen

Lange sagte keiner etwas.

Schließlich flüsterte Schorsch:

„Ich kann das nicht noch einmal.“

Elke nahm seine Hand.

„Ich weiß.“

„Ich habe gedacht, diesmal wird es anders.“

„Das haben wir alle gehofft.“

Schorsch wischte sich über das Gesicht.

„Warum muss es wieder so ein Junge sein?“

Elke hatte keine Antwort.

Sie hielt seine Hand nur fester.

Nach einer Weile sagte sie:

„Tim wird dich brauchen.“

Schorsch nickte.

„Ja.“

„Und du hast ihm etwas versprochen.“

Er sah auf.

„Dass wir dableiben.“

„Dann tu das.“

Am nächsten Morgen war Schorsch im Krankenhaus.

Tim wurde elf Jahre alt.

Seinen Geburtstag feierte er nicht mit einer großen Party.

Er hatte nicht genug Kraft dafür.

Aber seine Mutter saß an seinem Bett.

Marlene brachte einen kleinen Kuchen.

Anna hatte gemeinsam mit den anderen Kindern eine Karte gestaltet.

Und Schorsch kam mit einem besonderen Geschenk.

Es war ein kleines Modell des Motorrads mit Beiwagen.

Genau wie das vor der Klinik.

Bis zur letzten Schraube nachgebaut.

Tim hielt es vorsichtig hoch.

„Hast du das gemacht?“

Schorsch nickte.

„Mit den anderen.“

„Wie lange?“

„Viel zu lange. Heinz hat dreimal das falsche Rad montiert.“

„Typisch Heinz.“

Sie lachten beide.

Dann stellte Tim das Modell neben sein Bett.

„Schorsch?“

„Ja?“

„Glaubst du, ich kann irgendwann noch mit dem echten mitfahren?“

Schorsch wollte sofort antworten.

Natürlich.

Ganz bestimmt.

Aber die Worte kamen nicht.

Er schaute Tim an.

Dieser dünne, tapfere Junge wusste längst mehr über seine Lage, als die Erwachsenen manchmal wahrhaben wollten.

„Ich hoffe es sehr“, sagte Schorsch.

Tim nickte.

„Ich auch.“

Eine Weile betrachteten sie das Modell.

Dann sagte Tim:

„Aber wenn es nicht geht, ist es auch nicht so schlimm.“

Schorsch drehte den Kopf.

„Warum?“

„Weil du es extra für mich repariert hast.“

Er strich über den kleinen Beiwagen.

„Ich weiß ja, dass es auf mich wartet.“

Wenige Wochen später kam tatsächlich ein Tag, an dem Tim sich etwas kräftiger fühlte.

Die Ärzte hatten einer kurzen, gut vorbereiteten Ausfahrt zugestimmt.

Seine Mutter war dabei.

Schorsch hatte alles mit ihr und dem Behandlungsteam abgesprochen.

Tim bekam einen passenden Helm und saß sicher gesichert im Beiwagen.

Die Fahrt dauerte nur wenige Minuten.

Keine große Strecke.

Kein Abenteuer über Hunderte Kilometer.

Nur eine kleine Runde auf ruhigen Straßen.

Aber für Tim war es einer der schönsten Tage seines Lebens.

Er saß neben Schorsch, blickte aus dem Beiwagen und konnte kaum aufhören zu lächeln.

Als sie zurückkamen, sagte er:

„Noch mal!“

Schorsch lachte.

„Nicht heute, Chef.“

„Nur eine Runde.“

„Deine Mutter bringt mich um.“

Tim grinste.

„Die mag dich viel zu sehr.“

Frau Berger stand neben dem Motorrad und schüttelte lächelnd den Kopf.

„Er hat recht.“

Schorsch lachte.

Doch am Abend, als er das Motorrad wieder in die Werkstatt stellte, blieb er lange davor stehen.

Er legte die Hand auf den Beiwagen.

Und weinte.

Nicht nur vor Trauer.

Auch vor Dankbarkeit.

Weil er diesem Jungen wenigstens einen kleinen Wunsch hatte erfüllen dürfen.

Die letzte Zeit war schwer.

Tim musste immer häufiger im Krankenhaus bleiben.

Seine Kräfte nahmen ab.

Die Ärzte konzentrierten sich zunehmend darauf, seine Beschwerden zu lindern und ihm möglichst viel Ruhe zu ermöglichen.

Schorsch kam weiterhin.

Manchmal für zwei Stunden.

Manchmal nur für zwanzig Minuten.

An schlechten Tagen saß er still neben Tim und hielt seine Hand.

Eines Abends fragte Tim ihn:

„Hast du Markus bis zum Schluss besucht?“

Schorsch nickte.

„Jeden Tag.“

„Auch wenn er geschlafen hat?“

„Auch dann.“

Tim überlegte.

„Dann war er nie ganz allein.“

„Nein.“

„Und ich auch nicht.“

Schorsch musste schlucken.

„Nein, Tim. Du auch nicht.“

Der Junge sah auf seine Jacke.

Sie lag gefaltet auf dem Stuhl.

„Ich habe was überlegt.“

„Erzähl.“

„Wenn ich sie irgendwann nicht mehr brauche, kannst du sie wieder mitnehmen.“

Schorsch schüttelte sofort den Kopf.

„Die gehört dir.“

„Ich weiß.“

Tim lächelte schwach.

„Aber vielleicht gibt es noch einen Jungen, der gern dein Chef wäre.“

Schorsch sah ihn lange an.

Er konnte nichts sagen.

Tim streckte seine Hand aus.

„Versprichst du, dass du ihm dann auch die Motoren erklärst?“

Schorsch nahm die kleine Hand zwischen seine beiden großen.

„Das verspreche ich dir.“

Tim starb wenige Tage später.

Seine Mutter war bei ihm.

Marlene ebenfalls.

Schorsch hatte ihn am Nachmittag noch besucht.

Er hatte ihm von einer alten Werkzeugkiste erzählt, die Heinz beim Aufräumen gefunden hatte.

Tim hatte kaum noch sprechen können.

Aber als Schorsch sagte, dass Heinz wahrscheinlich sogar einen Hammer verkehrt herum benutzen würde, hatte sich noch einmal ein schwaches Lächeln auf seinem Gesicht gezeigt.

Am Abend schlief er ruhig ein.

Und wachte nicht mehr auf.

Als Anna Schorsch am nächsten Morgen anrief, saß er bereits in der Werkstatt.

Er hatte das kleine Motorradmodell vor sich stehen.

Nach dem Gespräch legte er das Telefon langsam auf den Tisch.

Dann nahm er seinen Werkzeugkasten.

Schloss ihn.

Und blieb einfach sitzen.

Heinz kam eine Stunde später.

Er fragte nicht, was passiert war.

Er sah es Schorsch an.

Der alte Fernfahrer setzte sich neben seinen Freund.

Lange schwiegen sie.

Schließlich sagte Schorsch:

„Er ist weg.“

Heinz nickte.

„Ja.“

„Schon wieder so ein Junge.“

Heinz senkte den Blick.

Schorsch starrte auf seine Hände.

„Ich dachte, ich halte das diesmal besser aus.“

Heinz legte ihm eine Hand auf die Schulter.

„Musst du nicht.“

Bei Tims Beerdigung standen nicht nur seine Mutter, einige Angehörige und die Menschen aus dem Krankenhaus.

Auch die fünfzehn Werkstattfreunde waren gekommen.

In ordentlichen Jacken.

Mit sauberen Händen.

Viele von ihnen hatten rote Augen.

Dazu kamen Menschen, die Tim in den letzten beiden Jahren kennengelernt hatten.

Nachbarn.

Ehrenamtliche.

Andere Familien aus dem Krankenhaus.

Einige Eltern von Kindern, denen die Werkstattfreunde inzwischen ebenfalls geholfen hatten.

Schorsch hatte sich vorgenommen, etwas zu sagen.

Er hatte seine Worte auf einen Zettel geschrieben.

Viermal hatte er sie zu Hause geübt.

Doch als er vor den Menschen stand, konnte er den Zettel nicht lesen.

Seine Hände zitterten zu stark.

Also faltete er ihn zusammen.

Steckte ihn in die Tasche.

Und sprach frei.

„Ich bin Mechaniker.“

Er räusperte sich.

„Fast vierzig Jahre habe ich Motoren repariert. Getriebe gewechselt. Alte Fahrzeuge wieder zum Laufen gebracht.“

Er machte eine Pause.

„Wenn etwas kaputt war, habe ich meistens eine Lösung gefunden.“

Seine Stimme wurde brüchig.

„Aber bei meinem Sohn konnte ich nichts reparieren.“

Niemand bewegte sich.

„Als Markus starb, habe ich gedacht, dass ich nie wieder etwas Gutes erleben würde.“

Schorsch sah zu Elke.

Dann zu Marlene.

„Und dann stand eines Nachts ein kleiner Junge in einer viel zu großen Jacke vor mir. Na ja, eigentlich saß er in einem Krankenhausbett.“

Einige Zuhörer lächelten unter Tränen.

„Er hat mir erklärt, dass ich keine Ahnung von Motoren habe.“

Schorsch wischte sich mit dem Handrücken über das Gesicht.

„Und er hatte wahrscheinlich recht.“

Ein leises Lachen ging durch die Reihen.

Dann wurde es wieder still.

„Tim war nicht mein Sohn. Und ich war nicht sein Vater.“

Schorsch atmete tief durch.

„Aber wir waren Freunde.“

Er sah zu Frau Berger.

„Und ich werde nie vergessen, dass er mich gefragt hat, ob er mich wie einen Opa behandeln darf.“

Seine Stimme brach.

Für einen Moment musste er aufhören.

Dann sagte er:

„Ich habe ihm versprochen, dass wir wiederkommen.“

Er blickte zu den Männern, die hinter ihm standen.

„Und das haben wir getan.“

Heinz nickte.

„Und wir werden es weiter tun“, sagte Schorsch.

Mehr konnte er nicht sagen.

Er ging zu seinem Platz zurück.

Elke nahm seine Hand.

Nach der Beerdigung traf Marlene den alten Mechaniker noch einmal.

Er stand neben dem kleinen Motorrad mit Beiwagen.

Sie hatten sich in den vergangenen zwei Jahren oft gesehen.

Doch nie war es ihnen so schwergefallen, miteinander zu sprechen.

„Danke, Schorsch“, sagte sie schließlich.

Er schüttelte den Kopf.

„Wofür?“

„Für alles.“

Schorsch sah zum Beiwagen.

„Wir haben ihn nicht retten können.“

Marlene trat neben ihn.

„Nein.“

Er presste die Lippen zusammen.

„Ich hätte so gern mehr gemacht.“

„Das weiß ich.“

„Es war nie genug.“

Marlene legte eine Hand auf seinen Arm.

„Schorsch, Sie waren da, als Tim niemanden mehr erwartet hat.“

Der alte Mann schaute sie an.

„Sie haben ihm etwas gegeben, das ihm niemand verschreiben konnte.“

„Was denn?“

„Das Gefühl, dass jemand wiederkommt.“

Schorsch senkte den Kopf.

Marlene sprach weiter.

„Sie haben ihm keinen Krebs weggenommen. Aber Sie haben dafür gesorgt, dass seine letzten zwei Jahre nicht nur aus Krankenhauszimmern, Untersuchungen und Angst bestanden.“

Ihre Stimme zitterte.

„Er durfte lachen. Er durfte etwas lernen. Er hatte Freunde. Und er durfte in Ihrem Beiwagen mitfahren.“

Schorsch wischte sich über die Augen.

„Er war ein guter Junge.“

„Ja“, sagte Marlene.

„Das war er.“

Die Werkstattfreunde trafen sich auch nach Tims Tod weiter.

Anfangs fiel es ihnen schwer.

Tims kleiner Arbeitstisch stand noch an derselben Stelle.

Seine Kinderwerkstattjacke hing an einem Haken.

Daneben lag das hölzerne Motorradmodell, das er besonders geliebt hatte.

Keiner wollte etwas davon anfassen.

Eines Tages kam Frau Berger in die Werkstatt.

Sie brachte eine Tasche mit.

Darin lag die blaue Jacke.

Schorsch erkannte sie sofort.

„Die solltet ihr zurückbekommen“, sagte sie.

Er schüttelte den Kopf.

„Die gehört Tim.“

„Ja.“

Sie strich vorsichtig über den Aufnäher.

„Und Tim wollte, dass sie eines Tages ein anderes Kind bekommt.“

Schorsch sah sie lange an.

Dann nahm er die Jacke entgegen.

„Danke.“

Frau Berger blickte sich in der Werkstatt um.

Sie sah die alten Werkbänke.

Die reparierten Spielzeuge.

Die Männer, die gerade an einem Kinderfahrrad arbeiteten.

„Ich habe Tim so viel Zeit genommen“, sagte sie leise.

Schorsch antwortete nicht sofort.

„Sie waren krank“, sagte er schließlich.

„Das weiß ich inzwischen. Aber er hat trotzdem auf mich gewartet.“

Ihre Augen füllten sich mit Tränen.

„Ich werde mir das nie ganz verzeihen.“

Schorsch betrachtete die kleine Jacke.

„Ich glaube, Tim hätte gewollt, dass Sie sich an die Tage erinnern, an denen Sie wieder bei ihm waren.“

Sie sah ihn an.

„Meinen Sie?“

„Ja.“

Er zeigte auf den Beiwagen.

„Er hat an dem Tag mehrmals nach Ihnen geschaut. Er wollte wissen, ob Sie sehen, wie viel Spaß er hat.“

Frau Berger lächelte unter Tränen.

„Ich habe es gesehen.“

„Dann behalten Sie das.“

Sie nickte.

Bevor sie ging, fragte sie:

„Darf ich manchmal vorbeikommen?“

Schorsch lächelte schwach.

„Natürlich.“

„Ich könnte Kaffee mitbringen.“

Aus dem Hintergrund rief Herbert:

„Endlich mal eine vernünftige Idee!“

Zum ersten Mal seit Tims Beerdigung lachten mehrere Männer wieder gemeinsam.

Einige Monate später bekam Marlene eine Nachricht aus einem anderen Krankenhaus.

Eine Kollegin hatte von den Werkstattfreunden gehört.

Auf ihrer Station lag ein zehnjähriger Junge, der nach einer schweren Erkrankung kaum noch Besuch bekam.

Er liebte alte Traktoren.

Sein Großvater hatte früher auf einem Bauernhof gearbeitet.

Die Kollegin fragte, ob vielleicht einmal jemand vorbeikommen könne, der sich mit Motoren auskannte.

Marlene rief Schorsch an.

„Ich hätte da eine Frage.“

„Wenn es um die Reparatur Ihrer Kaffeemaschine geht, fragen Sie lieber Heinz.“

„Nein.“

Sie lächelte.

„Es geht um einen Jungen.“

Am anderen Ende wurde es still.

„Wie alt?“

„Zehn.“

„Was mag er?“

„Traktoren.“

Schorsch atmete hörbar aus.

„Traktoren.“

„Ja.“

„Da muss ich erst mit Herbert reden. Der hat früher auf einem Hof gearbeitet.“

Marlene wartete.

Dann fragte sie:

„Würden Sie es machen?“

Schorsch sah auf die kleine blaue Jacke, die neben seiner Werkbank hing.

Er dachte an Markus.

An Tim.

An zwei Jungen, die viel zu früh gestorben waren.

Und an ein Versprechen.

„Ja“, sagte er.

„Wir kommen.“

Aus diesem Besuch entstand nach und nach eine kleine Zusammenarbeit mit weiteren Kinderstationen.

Nicht jedes Krankenhaus konnte solche Besuche ermöglichen.

Nicht jedes Kind hatte Interesse an Motoren oder Werkzeug.

Und nicht jeder Besuch war einfach.

Manchmal mussten Termine verschoben werden, weil ein Kind zu krank war.

Manchmal standen die Männer vor einer Tür und erfuhren, dass ein Besuch nicht mehr möglich war.

Dann fuhren sie schweigend nach Hause.

Aber sie kamen trotzdem wieder, wenn das nächste Kind sie brauchte.

Sie bauten Holzfahrzeuge.

Reparierten Spielsachen.

Erzählten Geschichten aus ihrem Arbeitsleben.

Und hörten zu.

Oft war genau das der wichtigste Teil.

Marlene blieb weiterhin Stationsleiterin.

Anna wurde einige Jahre später selbst für die Begleitung ehrenamtlicher Besucher zuständig.

Wenn neue Pflegekräfte fragten, warum ausgerechnet alte Mechaniker und Handwerker regelmäßig auf die Kinderstation kamen, erzählte Marlene ihnen von Tim.

Von einem neunjährigen Jungen, der kaum noch gesprochen hatte.

Von fünfzehn Männern in Arbeitsjacken.

Und von einem alten Mechaniker, der mitten in der Nacht eine kleine blaue Jacke mitgebracht hatte.

Sie erzählte auch, dass sie damals beinahe den Sicherheitsdienst gerufen hätte.

„War das nicht richtig?“, fragten die jungen Pflegekräfte manchmal.

Marlene lächelte.

„Doch. Die Regeln waren wichtig.“

Dann blickte sie auf ein Foto, das in ihrem Büro stand.

Darauf saß Tim in einem alten Motorradbeiwagen.

Neben ihm Schorsch.

Beide lachten.

„Aber ich habe damals auch etwas anderes gelernt.“

„Was denn?“

Marlene sah auf das Bild.

„Dass man manchmal genauer hinschauen muss, bevor man einen Menschen beurteilt.“

Schorsch wurde älter.

Seine Hände wurden steifer.

Manchmal musste Heinz ihm helfen, wenn eine kleine Schraube nicht mehr so wollte wie früher.

Aber die Werkstatt gab er nicht auf.

Über seiner Werkbank hingen inzwischen zwei Fotos.

Auf dem einen war Markus zu sehen.

Zehn Jahre alt.

In einer blauen Werkstattjacke, mit einem viel zu großen Schraubenschlüssel in der Hand.

Auf dem anderen war Tim.

Elf Jahre alt.

In derselben Jacke, mit einem breiten Lächeln auf dem Gesicht.

Dazwischen hing ein kleiner Zettel.

Darauf standen fünf Worte, die Schorsch selbst geschrieben hatte:

Ein Versprechen hält man ein.

Eines Nachmittags stand ein neuer Junge vor seiner Werkbank.

Er hieß Emil, war zehn Jahre alt und hatte große Augen.

Neben ihm wartete seine Mutter.

Schorsch hatte einen kleinen Traktor vorbereitet.

„Na, junger Mann. Kennst du dich mit Motoren aus?“

Emil schüttelte den Kopf.

„Nicht besonders.“

„Dann können wir ja beide noch was lernen.“

Der Junge lächelte vorsichtig.

Schorsch nahm eine kleine blaue Jacke vom Haken.

Sie war inzwischen schon etwas abgetragen.

Der Aufnäher war an einer Ecke locker geworden.

Aber die Buchstaben konnte man noch gut lesen.

Werkstattchef.

„Die hat früher zwei besonderen Jungen gehört“, erklärte Schorsch.

Emil betrachtete die Jacke.

„Darf ich die anziehen?“

Schorsch nickte.

„Wenn du möchtest.“

Die Mutter half ihrem Sohn hinein.

Emil strich den Stoff glatt.

Dann sah er Schorsch ernst an.

„Bin ich jetzt wirklich der Chef?“

Der alte Mechaniker lächelte.

Für einen kurzen Moment hatte er wieder Markus vor sich gesehen.

Dann Tim.

Doch jetzt stand Emil vor ihm.

Ein ganz anderer Junge.

Mit eigenen Fragen, eigenen Ängsten und eigenen Träumen.

Schorsch nahm einen kleinen Schraubenschlüssel vom Tisch.

Er hielt ihn Emil hin.

„Ja“, sagte er leise.

„Heute bist du der Chef.“

Und als Emil anfing, ihm zu erklären, wie man den kleinen Traktor auseinandernehmen könnte, setzte Schorsch sich auf seinen alten Hocker und hörte zu.

So wie er früher Markus zugehört hatte.

So wie er Tim zugehört hatte.

Die beiden Jungen fehlten ihm noch immer.

Jeden einzelnen Tag.

Aber ihre Erinnerung hatte in seiner Werkstatt einen Platz gefunden, an dem sie nicht nur wehtat.

Manchmal brachte sie sogar wieder ein Kind zum Lachen.

Und Schorsch wusste inzwischen, dass er nicht alles reparieren musste, um etwas Gutes zu tun.

Manche Dinge konnte niemand reparieren.

Manche Verluste blieben für immer.

Aber solange ein Mensch noch jemanden brauchte, der sich neben ihn setzte, ihm zuhörte und sein Versprechen hielt, konnte Schorsch wenigstens eines tun.

Er konnte da sein.

Und wiederkommen.

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