538 Tage war mein geliebter Kater verschwunden bis ein fremder Anruf alles veränderte

538 Tage lang wartete ich auf meinen verschwundenen Kater. Als mich endlich ein fremder Mann anrief, hatte ich Angst, seine Nachricht überhaupt zu hören.

„Frau Neumann? Ich glaube, wir haben Ihren Kater gefunden.“

Ich stand mitten in meiner Küche und hielt ein frisch gewaschenes Handtuch in den Händen.

„Meinen Kater?“, fragte ich.

„Einen rot getigerten Kater. Er trägt ein altes Halsband. Und der Chip führt zu Ihnen.“

Mir wurde schwindelig. Ich musste mich auf einen Küchenstuhl setzen.

„Das kann nicht sein“, flüsterte ich. „Mein Kater ist seit über eineinhalb Jahren verschwunden.“

Der Mann am Telefon schwieg kurz.

„Dann sollten Sie vielleicht trotzdem vorbeikommen.“

In diesem Moment wusste ich noch nicht, ob ich mich freuen oder weinen sollte.

Denn ich hatte 538 Tage auf diesen Anruf gewartet.

Und irgendwann hatte ich selbst kaum noch daran geglaubt, dass er jemals kommen würde.

Aber ich muss von vorne anfangen.

Mein Kater hieß Fiete.

Als er zu mir kam, war er gerade zwölf Wochen alt. Ein winziges, rot getigertes Kätzchen mit hellen Pfoten, einem runden Gesicht und viel zu viel Energie für seinen kleinen Körper.

Ich war damals 54 Jahre alt und lebte allein in einem kleinen Reihenhaus am Stadtrand von Celle.

Mein Mann war drei Jahre zuvor nach langer Krankheit gestorben. Unsere beiden Kinder waren längst ausgezogen und hatten ihre eigenen Familien.

Ich kam abends von der Arbeit nach Hause, schloss die Tür auf und hörte nichts.

Früher hatte mein Mann aus der Küche gerufen: „Na, bist du wieder da?“

Nach seinem Tod war es still geworden.

Eine Stille, an die ich mich einfach nicht gewöhnen konnte.

Meine Tochter hatte mich irgendwann gefragt, ob ich nicht wieder ein Tier haben wollte.

„Mama, du hast doch früher immer Katzen gehabt.“

Ich winkte ab.

„Ach, Kind. In meinem Alter fange ich damit doch nicht mehr an.“

Zwei Wochen später stand sie mit einer Transportbox vor meiner Haustür.

Darin saß Fiete.

Er schaute mich mit seinen großen Augen an und miaute so laut, als hätte er sich bereits über meine Entscheidung geärgert.

Ich musste lachen.

Es war das erste Mal seit Monaten, dass ich aus vollem Herzen lachte.

Von diesem Tag an gehörte das Haus wieder uns beiden.

Fiete war kein besonders braver Kater.

Er war neugierig, ungeduldig und manchmal eine richtige kleine Nervensäge.

Wenn ich morgens Zeitung lesen wollte, setzte er sich mitten auf die Seite. Wenn ich meine Schuhe anzog, griff er nach den Schnürsenkeln.

Einmal warf er eine ganze Schachtel Knöpfe vom Wohnzimmertisch.

Ich verbrachte fast eine Stunde damit, sie unter den Möbeln wieder einzusammeln.

Fiete saß daneben und beobachtete mich zufrieden.

„Du kleiner Schlingel“, schimpfte ich.

Er blinzelte nur.

Abends lag er meistens neben mir auf dem Sofa.

Manchmal legte er eine Pfote auf meinen Arm, als wollte er sicherstellen, dass ich nicht heimlich aufstand.

Nachts kroch er dicht an meine Seite.

Ich erzählte ihm Dinge, die ich sonst niemandem mehr erzählte.

Von meinem Mann. Von den Kindern. Von den Sorgen auf der Arbeit.

Natürlich verstand er die Worte nicht.

Aber er blieb bei mir.

Und manchmal ist genau das genug.

An dem Tag, an dem Fiete verschwand, war er knapp acht Monate alt.

Ich hatte eine kleine Lieferung erwartet und öffnete am Nachmittag die Haustür, weil der Paketbote gerade geklingelt hatte.

Fiete saß wie so oft im Flur.

Normalerweise blieb er auf Abstand. Er war eine reine Wohnungskatze, obwohl ihn alles interessierte, was draußen geschah.

Doch diesmal flatterte ein heller Schmetterling direkt an der Tür vorbei.

Fiete sah ihn.

Sein Kopf ging hoch.

Und bevor ich reagieren konnte, schoss er zwischen meinen Beinen hindurch.

„Fiete! Nein!“

Er sprang über die kleine Stufe, rannte durch den Vorgarten und jagte dem Schmetterling hinterher.

Ich stellte das Paket ab und lief ihm nach.

„Fiete! Komm sofort zurück!“

Für einen Moment sah ich noch seinen roten Schwanz zwischen den Sträuchern.

Dann verschwand er hinter einer Hecke.

Ich dachte zunächst, dass er gleich wieder auftauchen würde.

Vielleicht saß er unter einem Busch und wartete darauf, dass ich ihn fand.

Aber Fiete kam nicht.

Ich suchte hinter der Hecke, unter dem Gartenzaun und zwischen den Mülltonnen.

Ich kniete mich sogar auf den Gehweg und schaute unter die parkenden Autos.

„Fiete? Komm, mein Junge.“

Nichts.

Gegen Abend wurde ich unruhig.

Ich stellte seine Futterschüssel vor die Haustür. Daneben legte ich seine Lieblingsdecke.

Dann ging ich noch einmal durch die Nachbarschaft.

Ich klingelte bei Frau Kruse, die zwei Häuser weiter wohnte.

„Haben Sie vielleicht meinen kleinen roten Kater gesehen?“

Sie schüttelte den Kopf.

„Ach, der Süße aus Ihrem Fenster? Nein, leider nicht.“

Sie versprach, die Augen offen zu halten.

Als es dunkel wurde, holte ich eine Taschenlampe.

Ich lief die gesamte Straße ab.

Hinter Garagen. Neben Schuppen. Durch die kleinen Wege zwischen den Gärten.

Immer wieder rief ich seinen Namen.

Irgendwann wurde meine Stimme heiser.

In dieser ersten Nacht schlief ich kaum.

Bei jedem Geräusch stand ich auf und ging zur Haustür.

Einmal hörte ich draußen ein Rascheln und riss die Tür auf.

Es war nur ein Igel.

Ich ließ trotzdem das Außenlicht brennen.

Am nächsten Morgen war Fiete immer noch verschwunden.

Ich druckte Suchzettel aus.

Auf dem Foto saß er auf meinem Fensterbrett und schaute direkt in die Kamera.

Darunter schrieb ich:

VERMISST – ROT GETIGERTER KATER FIETE

Ich verteilte die Zettel in den Briefkästen und hängte sie mit Erlaubnis beim Bäcker, im kleinen Lebensmittelgeschäft und am Schwarzen Brett der örtlichen Tierarztpraxis auf.

Meine Tochter half mir bei der Suche.

Wir meldeten Fiete als vermisst und gaben seine Chipnummer an die zuständige Haustierregistrierung weiter.

Ich rief im örtlichen Tierheim an.

Dort hatte niemand einen passenden Kater abgegeben.

„Fragen Sie regelmäßig nach“, sagte die Mitarbeiterin freundlich. „Manchmal werden Tiere erst Wochen später gefunden.“

Wochen.

Allein dieses Wort tat weh.

Ich wollte nicht Wochen warten.

Ich wollte meinen Fiete wiederhaben.

Klicke auf die Schaltfläche unten, um den nächsten Teil der Geschichte zu lesen.

Nach oben scrollen