Bin ich im Unrecht, weil ich meiner Freundin (28) gesagt habe, dass sie aufhören muss, ihren Kater wie ihren Ehemann zu behandeln?
Wir sind jetzt seit einem Jahr ein Paar. Sie ist eine wunderbare, humorvolle und kluge Frau mit einer guten Arbeitsstelle. Aber sie hat diesen Kater, den sie schon seit ihrer Ausbildungszeit besitzt, und sie hängt viel zu sehr an ihm. Es ist fast schon besorgniserregend.
Wenn der Kater auf ihrem Schoß liegt, bewegt sie sich keinen Millimeter. Sie bittet mich dann, ihr Handy vom Wohnzimmertisch, ein Glas Wasser aus der Küche oder die Fernbedienung von der Anrichte zu holen.
Wenn ich sage: „Setz den Kater doch einfach runter“, schaut sie mich an, als hätte ich vorgeschlagen, dem Tier etwas Schlimmes anzutun. Sie sagt dann, er schlafe gerade, oder „er hat es sich eben gemütlich gemacht“, als wäre das ein triftiger Grund, mich zu ihrem Laufburschen zu machen.
Das Tier folgt ihr auf Schritt und Tritt. Wenn sie auf dem Sofa sitzt, springt er hoch und legt sich direkt auf ihre Brust. Wenn wir im Bett liegen, läuft er über meinen Rücken, nur um zu ihr zu gelangen. Wenn sie am Computer im Homeoffice arbeitet, setzt er sich auf ihre Tastatur. Jedes einzelne Mal unterbricht sie ihre Arbeit und redet mit ihm wie mit einem kleinen Baby.
Das Schlimmste ist aber, wenn sie nach Hause kommt. Ich habe einen Schlüssel zu ihrer Wohnung und bin manchmal schon vor ihr da. Sobald sie zur Tür hereinkommt, rennt der Kater miauend auf sie zu, als hätte er sie jahrelang nicht gesehen. Sie lässt dann ihre Handtasche und alles andere fallen und ruft: „Da ist ja mein Junge!“, in einer so hohen, liebevollen Stimme, die sie bei mir noch nie benutzt hat.
Dann nimmt sie ihn hoch und krault ihn ausgiebig hinter den Ohren, während er wie ein Motor schnurrt. Sie steht gut und gerne zehn Minuten im Flur, hält ihn im Arm und redet mit ihm, während ich auf dem Sofa sitze und versuche, sie überhaupt erst einmal zu begrüßen.
Gestern Abend habe ich sie gebeten, ob wir einen Film ansehen könnten, ohne dass der Kater zwischen uns liegt. Sie meinte, ich würde mich lächerlich machen. Er sei doch nur eine Katze und ich solle endlich erwachsen werden. Ich erklärte ihr, dass ich das Gefühl habe, mit dem Tier um ihre Aufmerksamkeit konkurrieren zu müssen.
Daraufhin hat sie mir direkt ins Gesicht gelacht. Sie sagte: „Du bist eifersüchtig auf eine Katze? Das ist ja erbärmlich.“ Dann fügte sie hinzu, wenn ich die enge Bindung zu ihrem Haustier nicht ertragen könne, sei ich vielleicht zu unsicher für eine Partnerschaft, und sie habe keine Zeit, ständig mein Ego zu streicheln.
Ich entgegnete, dass es mir gar nicht um die Katze an sich geht. Es geht darum, dass sie mich wie einen Mitbewohner behandelt, der Besorgungen für sie erledigt, während sie den Kater wie ihren eigentlichen Lebensgefährten behandelt. Da wurde sie wütend und warf mir vor, ich wolle mich zwischen sie und ihr Haustier drängen. Sie meinte, wenn ich so weitermache, müsse sie unsere Beziehung überdenken, da sie nicht mit jemandem zusammen sein wolle, der ihr Ultimaten bezüglich ihres Katers stellt.
Den ganzen heutigen Tag über hat sie mich sehr kühl behandelt. Ihre Schwester hat mir sogar eine Nachricht geschrieben und mir vorgeworfen, ich sei herrschsüchtig und verhalte mich völlig merkwürdig wegen eines einfachen Tieres. Aber ich glaube nicht, dass ich im Unrecht bin, wenn ich in meiner eigenen Partnerschaft die wichtigste Rolle spielen möchte. Der Kater weicht ihr nicht von der Seite, und sie behandelt ihn schlichtweg besser als mich.
Bin ich im Unrecht?
Klicke auf die Schaltfläche unten, um den nächsten Teil der Geschichte zu lesen.






