Ich stellte die Falle selbst und dieser verletzte Hund veränderte mein ganzes Leben

Ich stellte die Falle selbst, und als ich den verstummten Schäferhund darin fand, verlor er ein Bein und ich mein ganzes altes Leben.

Als ich mich zu ihm hinunterbeugte, knurrte er nicht.

Er bellte nicht. Er winselte nicht einmal.

Der Hund lag einfach zwischen feuchtem Laub und Fichtennadeln und atmete so flach, dass ich zweimal hinschauen musste, um sicher zu sein, dass er noch lebte.

Ich hieß Rolf Brenner, war damals 54 Jahre alt und kannte die Wälder am Rand des Bayerischen Waldes besser als die Straßen der nächsten Stadt.

Seit meiner Jugend war ich mit meinem Vater draußen gewesen. Spuren lesen, Wild beobachten, Revierarbeit erledigen. Das war für mich kein Hobby. Das war einfach mein Leben.

Und diese schwere Fangvorrichtung vor mir gehörte mir.

Sechs Tage zuvor hatte ich sie abseits eines Forstwegs in meinem Revier angebracht. Ein umgestürzter Baum und ein völlig aufgeweichter Zufahrtsweg hatten später verhindert, dass ich rechtzeitig wieder dorthin kam.

Das erklärte, warum sie so lange unkontrolliert geblieben war.

Für den Hund machte diese Erklärung keinen Unterschied.

Sein rechtes Vorderbein steckte fest. Die Pfote war stark angeschwollen. Dunkles Blut klebte am Metall, und im Boden um ihn herum sah ich die Spuren seines Kampfes.

Er musste stundenlang gezogen und sich gedreht haben.

Vielleicht länger.

Irgendwann hatte er einfach aufgehört.

Das war das Schlimmste.

Ich hatte verletzte Tiere erlebt. Ich kannte Panik, Zähne, Schreie und verzweifelte Bewegungen.

Aber dieser Hund war still.

Völlig still.

An seinem Hals hing ein ausgebleichtes rotes Halsband. Keine Marke. Kein Name. Nur ein Stück Stoff, das verriet, dass irgendwann einmal jemand beschlossen hatte, dass dieser Hund zu jemandem gehörte.

Ich stellte mein Gewehr weit weg an einen Baum und ging langsam in die Knie.

„Ganz ruhig, Großer.“

Ein Ohr bewegte sich.

Mehr nicht.

Als ich meine Hand ausstreckte, erwartete ich, dass er schnappen würde. Ich hätte es ihm nicht übel genommen.

Stattdessen hob er den Kopf vielleicht zwei Zentimeter.

Dann ließ er ihn wieder fallen.

Ich schüttete etwas Wasser in meine Handfläche und hielt sie vor seine Schnauze. Erst reagierte er nicht. Also befeuchtete ich vorsichtig sein Zahnfleisch.

Nach einigen Sekunden bewegte sich seine Zunge.

Einmal.

Dann noch einmal.

„Komm schon“, murmelte ich. „Bleib bei mir.“

Ich versuchte, die Mechanik zu lösen.

Nichts.

Ein Teil war unter einer dicken Wurzel verkantet. Jedes Mal, wenn ich Druck ausübte, zitterte der ganze Körper des Hundes.

Da sagte ich zum ersten Mal etwas, das ich später noch oft sagen sollte.

„Es tut mir leid.“

Sein bernsteinfarbenes Auge blieb auf mich gerichtet.

Mein schweres Werkzeug lag im Wagen, mehrere Kilometer entfernt. Mein alter Freund Jens arbeitete an diesem Tag auf der anderen Seite des Reviers, und Empfang gab es nur oben auf einem felsigen Höhenzug.

Ich zog meine Jacke aus, faltete sie zusammen und schob sie vorsichtig unter den Kopf des Hundes.

Dann stand ich auf.

In diesem Moment veränderte sich sein Blick.

Zum ersten Mal sah ich echte Angst.

Nicht wegen der Falle.

Wegen mir.

Er dachte offenbar, ich würde gehen.

„Ich komme zurück“, sagte ich.

Natürlich konnte er mich nicht verstehen.

Und ich wusste nicht, wie viele Menschen vor mir schon etwas versprochen und ihn anschließend allein gelassen hatten.

Ich rannte den Hang hoch.

Jens meldete sich erst beim dritten Versuch.

„Ich brauche den großen Bolzenschneider und die Brechstange.“

„Was ist passiert?“

Ich drehte mich um und sah zwischen den Bäumen zurück.

„Ein Hund.“

Am anderen Ende wurde es still.

Dann sagte Jens nur: „Bin unterwegs.“

Als wir zurückkamen, lag die Schnauze des Hundes noch immer auf meiner Jacke.

Wir brauchten fast eine Stunde.

Jens hebelte, ich stabilisierte den Körper des Hundes, und immer wenn sich das Metall bewegte, hielt ich seinen Kopf fest.

Er schrie kein einziges Mal.

Beim schlimmsten Versuch drückte er seine Schnauze gegen mein Handgelenk.

Dieses Gefühl habe ich bis heute nicht vergessen.

Damals wollte ich mir einreden, er vertraue mir.

Später verstand ich es anders.

Meine Hand war einfach der einzige sichere Ort, den er noch erreichen konnte.

Als das Bein endlich frei war, versuchte der Hund aufzustehen.

Er fiel sofort wieder um.

Jens sah mich an.

Wir mussten nichts sagen.

Wir bauten aus einer Decke und zwei stabilen Stangen eine Trage. Den ganzen Weg zurück wechselten wir uns ab.

Kurz vor dem Wagen brannten meine Arme so sehr, dass ich kaum noch greifen konnte.

Da öffnete der Hund die Augen.

Sein Schwanz bewegte sich einmal über die Decke.

Nur ein schwacher Schlag.

Aber er war da.

In der Tierarztpraxis wurde er sofort behandelt. Ich saß draußen auf einem Kunststoffstuhl und starrte auf meine dreckigen Schuhe.

Nach mehreren Stunden kam die Tierärztin heraus.

„Er wird durchkommen.“

Ich atmete aus.

Dann sagte sie: „Aber das Vorderbein können wir nicht retten.“

Ich sagte nichts.

Sie erklärte mir etwas über Infektion, Gewebe und Knochen.

Ich hörte kaum zu.

In meinem Kopf blieb nur ein Satz.

Dieser Hund würde mit drei Beinen aufwachen, weil ich etwas in diesem Wald aufgestellt hatte.

Niemand meldete sich als Besitzer.

Kein Chip. Keine lesbare Kennzeichnung. Niemand, der auf die Aushänge und Meldungen reagierte.

Außerdem stellte sich heraus, dass er schon vor dem Unfall viel zu dünn gewesen war.

Ich besuchte ihn jeden Tag.

Am Anfang schlief er fast nur.

Später versuchte er aufzustehen.

Sein Körper erinnerte sich noch an vier Beine. Er verlagerte das Gewicht nach vorn und fiel immer wieder in die Richtung, in der früher sein rechtes Vorderbein gewesen war.

Beim dritten Versuch schaffte er ein paar Sekunden.

Beim vierten etwas länger.

Dann lag er hechelnd da und sah mich an.

Ich streckte meine Hand zu ihm.

Diesmal kam er von selbst näher.

Er legte sein Kinn hinein.

Als klar war, dass niemand ihn abholen würde, fragte mich die Tierärztin, ob ich ihn übernehmen wollte.

Ich antwortete sofort.

„Ja.“

Sie musterte mich.

„Aus Schuldgefühl?“

Die Frage traf.

Ich sah zu dem Hund.

„Vielleicht.“

„Schuldgefühl hält nicht ewig.“

„Dann muss eben etwas anderes danach kommen.“

Siebzehn Tage nach dem Fund nahm ich ihn mit nach Hause.

Ich nannte ihn Kuno.

Ich wollte nicht, dass sein Name etwas mit dem Unfall zu tun hatte. Die Erinnerung brauchte er nicht.

Die Erinnerung war meine Aufgabe.

Mein Haus war klein, ebenerdig und ruhig. Seit dem Tod meiner Frau lebte ich allein.

Kuno sollte ein weiches Hundebett neben dem Ofen bekommen.

Er legte sich stattdessen an die Haustür.

Ich stellte das Bett dorthin.

Er legte sich daneben.

Schließlich holte ich die alte Jacke, auf der er im Wald gelegen hatte.

Darauf schlief er sofort ein.

In den nächsten Monaten lernte Kuno sein Leben neu.

Er lernte, sein Gewicht nach hinten zu verlagern, bevor er aufstand. Er lernte, enge Kurven langsam zu nehmen. Er lernte, dass Teppiche besser waren als glatte Böden.

Ich lernte ebenfalls.

Ich lernte, wie man einem Hund hilft, ohne ihn ständig zu bemitleiden.

Und ich lernte etwas, das mir unangenehmer war.

Kuno hatte keine Angst vor dem Wald.

Er hatte Angst vor Metall.

Ein Werkzeugkasten, der zuklappte, genügte.

Ein Spaten, der gegen eine Schubkarre schlug.

Das Klicken eines Metallverschlusses.

Dann duckte er sich sofort.

Eines Morgens nahm ich in meiner Werkstatt eine meiner alten Fangvorrichtungen vom Regal.

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