22 Tage lang suchte ich verzweifelt nach meinem verschwundenen Hund, doch als ich ihn endlich in einer Felshöhle fand, bewachte er drei winzige Leben, die ohne ihn verloren gewesen wären.
„Fiete! Mein Gott, Fiete! Was hast du nur gemacht?“
Meine Stimme brach, als ich vor der kleinen Felshöhle auf die Knie fiel.
Da lag er. Mein Hund. Mein bester Freund. Der Gefährte, den ich seit 22 Tagen für immer verloren geglaubt hatte.
Sein Fell war schmutzig und verfilzt. Seine Rippen zeichneten sich deutlich ab. An einer Hinterpfote hatte er eine dicke Schwellung.
Aber er lebte.
Ich wollte ihn sofort in die Arme nehmen. Ihn hochheben, mit ihm nach Hause fahren und diese schrecklichen drei Wochen endlich vergessen.
Doch dann sah ich, was er zwischen seinen Vorderpfoten versteckte.
Drei winzige Katzenbabys.
Sie lagen eng an seinen Bauch gedrückt. Eines war grau getigert, die anderen beiden hatten braunes Fell mit dunklen Streifen.
Und Fiete, mein großer, sonst so lebhafter Mischlingsrüde, lag vollkommen still.
Als wollte er verhindern, dass auch nur eines dieser kleinen Wesen frieren musste.
Ich bin Matthias, 62 Jahre alt, und wohne in einem kleinen Dorf am Rand des Harzes.
Seit meine Frau vor vier Jahren gestorben ist, sind Fiete und ich fast unzertrennlich.
Er ist kein besonderer Rassehund. Ein großer Mischling mit hellbraunem Fell, einer weißen Brust und auffallend blauen Augen. Sein linkes Ohr steht meistens ein bisschen schief.
Ich habe ihn vor sieben Jahren aus einem Tierheim geholt.
Damals war er ein ängstlicher junger Hund, der bei jedem lauten Geräusch zusammenzuckte.
Heute kann ich mir mein Leben ohne ihn nicht mehr vorstellen.
Jeden Morgen sitzt er neben meinem Frühstückstisch. Jeden Nachmittag begleitet er mich auf meinen Spaziergängen.
Und abends liegt er neben meinem Sessel, während ich lese oder fernsehe.
Manchmal rede ich mit ihm, als wäre er ein Mensch.
Vielleicht klingt das für manche merkwürdig. Aber wer schon einmal allein in einem stillen Haus gelebt hat, versteht wahrscheinlich, wie viel ein Hund einem bedeuten kann.
Vor 22 Tagen war unsere Welt plötzlich auseinandergebrochen.
Wir waren auf einem unserer üblichen Waldwege unterwegs, als Fiete auf einmal stehen blieb.
Seine Ohren richteten sich auf. Er schnupperte und blickte zwischen die Bäume.
Dann hörte ich ein Rascheln im Unterholz.
Bevor ich reagieren konnte, riss er sich los und verschwand den Hang hinunter.
„Fiete! Hierher!“
Normalerweise kommt er sofort zurück.
An diesem Tag nicht.
Ich wartete. Rief wieder. Pfiff.
Nichts.
Zuerst dachte ich, er würde nur irgendeiner Spur folgen.
Nach einer Stunde wurde ich unruhig.
Nach drei Stunden hatte ich echte Angst.
Als es dunkel wurde, stand ich noch immer im Wald und rief seinen Namen.
Am nächsten Morgen begann die Suche.
Ich sprach mit Nachbarn, Förstern und Spaziergängern. Ich hängte Suchzettel im Dorf auf und fragte in den umliegenden Tierheimen nach.
Einige Bekannte halfen mir, die Waldwege abzusuchen.
Wir liefen durch dichtes Gestrüpp, über steinige Hänge und an kleinen Bächen entlang.
Niemand hatte Fiete gesehen.
Jeden Abend kehrte ich ohne ihn nach Hause zurück.
Sein Futternapf stand noch an seinem Platz. Seine Decke lag neben meinem Sessel.
Und wenn ich die Haustür öffnete, fehlte dieses vertraute Geräusch seiner Pfoten auf den Fliesen.
Das war das Schlimmste.
Diese Stille.
Nach einer Woche sagten die ersten Leute vorsichtig, ich müsse mich vielleicht darauf einstellen, dass Fiete nicht zurückkommen würde.
Nach zwei Wochen glaubte ich manchmal selbst nicht mehr daran.
Aber morgens zog ich trotzdem meine Wanderschuhe an.
Ich nahm meinen Rucksack, etwas zu essen und eine Flasche Wasser.
Dann ging ich wieder in den Wald.
Ich weiß nicht, wie viele Kilometer ich in diesen 22 Tagen gelaufen bin.
Manchmal setzte ich mich einfach auf einen Baumstumpf und weinte.
Ein erwachsener Mann, der früher auf dem Bau gearbeitet hatte und immer glaubte, ziemlich viel aushalten zu können.
Aber die Angst um meinen Hund machte mich fertig.
Am zweiundzwanzigsten Tag wollte ich einen abgelegenen Abschnitt des Waldes absuchen, den ich bisher gemieden hatte.
Dort führt ein schmaler Pfad in eine tiefe, felsige Schlucht.
Der Weg ist steil und voller loser Steine.
Schon nach einer halben Stunde war ich völlig außer Atem.
Dann hörte ich etwas.
Ein leises Winseln.
Ich blieb stehen.
„Fiete?“
Zuerst kam keine Antwort.
Dann hörte ich ein tiefes, heiseres Bellen.
Nur einmal.
Aber ich kannte dieses Bellen.
Ich hätte es unter hundert anderen Hunden erkannt.
Ich stolperte den Hang hinunter, hielt mich an Wurzeln fest und rutschte schließlich auf den Knien über feuchte Steine.
Hinter einer Felswand entdeckte ich einen schmalen Höhleneingang.
Und dort lag Fiete.
Als er mich sah, begann seine Rute schwach über den Boden zu klopfen.
Er versuchte aufzustehen.
Aber seine Hinterpfote gab nach.
Ich war sofort bei ihm.
„Mein Junge. Mein guter Junge. Ich bin doch da.“
Ich vergrub mein Gesicht in seinem Fell.
Es roch nach Erde, feuchtem Laub und Wald.
Mir war vollkommen egal, wie schmutzig er war.
Ich hatte meinen Hund wieder.
Doch als ich ihn umarmen wollte, bewegte sich etwas unter seinem Bauch.
Ein ganz leises Fiepen.
Ich hob den Kopf.
Und da sah ich die drei Katzenbabys.
Im ersten Moment konnte ich nicht begreifen, was ich vor mir hatte.
Fiete lag halb um sie herum, als hätte er aus seinem Körper eine schützende Wand gebaut.
Die Kleinen waren kaum größer als meine Handfläche.
Ihre Augen waren bereits geöffnet, aber sie wirkten noch viel zu jung, um allein zurechtzukommen.
Das graue Kätzchen schob sein Köpfchen zwischen Fietes Vorderpfoten hervor.
Eines der braunen Babys schlief mit der Nase tief in seinem Fell.
Das dritte zitterte leicht.
Fiete sah mich an.
Seine blauen Augen waren müde. Aber er wich nicht von den Kleinen zurück.
Ich kann es nicht anders beschreiben: Es war, als wollte er mir erklären, warum er nicht nach Hause gekommen war.
Ich strich ihm über den Kopf.
„Du bist wegen ihnen hiergeblieben?“
Natürlich konnte er mir nicht antworten.
Aber er senkte seinen Kopf und leckte vorsichtig das graue Katzenbaby.
Da liefen mir erneut die Tränen.
Ich hatte mir 22 Tage lang vorgestellt, dass mein Hund irgendwo verletzt lag und verzweifelt versuchte, nach Hause zu finden.
Und nun lag er vor mir.
Verletzt, ausgehungert und erschöpft.
Aber nicht allein.
Er hatte offenbar drei kleine Lebewesen gefunden, die seine Hilfe brauchten.
Und irgendetwas hatte ihn dazu gebracht, bei ihnen zu bleiben.
Ich sah mich in der Höhle um.
Sie war klein, aber trocken. Zwischen den Felsen lag altes Laub, das eine halbwegs weiche Unterlage bildete.
In einer Ecke lagen angenagte Pflanzenreste und ein totes kleines Nagetier.
Ob Fiete es dorthin gebracht hatte, wusste ich nicht.
Ich wusste auch nicht, wie er selbst so lange überlebt hatte.
Vielleicht hatte er aus einem Bach getrunken. Vielleicht hatte er unterwegs Futter gefunden.
Was mich besonders bewegte, war sein Zustand.
Er war deutlich abgemagert.
Seine Pfote war verletzt.
Trotzdem hatte er die Kraft gefunden, diese drei Katzenbabys warm zu halten.
Ich fragte mich, wo ihre Mutter war.
War sie verunglückt? Hatte sie ihre Jungen verlassen müssen? Oder war sie irgendwo in der Nähe?
Ich suchte die unmittelbare Umgebung ab, konnte aber keine erwachsene Katze entdecken.
Später stellte sich heraus, dass es sich wahrscheinlich nicht um gewöhnliche Hauskatzen handelte.
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