Die dreibeinige Hündin sprang immer wieder ins Hochwasser bis die Retter ihr herzzerreißendes Geheimnis entdeckten

Alle dachten, die dreibeinige Hündin hätte vor Angst den Verstand verloren. Doch jedes Mal, wenn sie ins Hochwasser zurückschwamm, fanden die Retter ein weiteres Hundebaby, bis sie uns zu einem Geheimnis führte, das niemand erwartet hatte.

„Die schafft das nicht noch einmal! Hol sie endlich aus dem Wasser!“

Mein Kollege Bernd schrie gegen das Rauschen der Fluten an. Ich stand bis zu den Knien im schlammigen Wasser und beobachtete eine kleine Hündin, die verzweifelt gegen die Strömung kämpfte.

Sie hatte nur drei Beine.

Ihr rechtes Hinterbein fehlte fast vollständig. Trotzdem schwamm sie weiter, als würde ihr Leben davon abhängen.

Was wir damals noch nicht wussten: Nicht ihr eigenes Leben war das, worum sie kämpfte.

Es war an einem Dienstagmorgen im Juni, als wir zu einem überfluteten Bauernhof außerhalb von Passau gerufen wurden. Nach tagelangem Regen war die Donau über die Ufer getreten. Felder, Landstraßen und ganze Grundstücke standen unter Wasser.

Ich heiße Andreas, bin 48 Jahre alt und arbeite seit fast zwanzig Jahren als freiwilliger Tierrettungshelfer.

Ich habe in dieser Zeit viele Tiere aus schwierigen Situationen geholt. Verängstigte Katzen aus brennenden Scheunen, Hunde aus zugefrorenen Teichen und verletzte Wildtiere von Straßen.

Aber diese Hündin werde ich niemals vergessen.

Als ich sie zum ersten Mal sah, ragten nur ihr Kopf und ihre Schultern aus dem braunen Wasser.

Sie trug ein altes rotes Halsband. Ihr hellbraunes Fell mit den weißen Flecken klebte nass an ihrem mageren Körper.

Das fehlende Hinterbein war keine neue Verletzung. Die Stelle war längst verheilt. Offenbar lebte sie schon seit Jahren mit nur drei Beinen.

An Land hatte sie vermutlich gelernt, damit zurechtzukommen.

Doch gegen eine starke Strömung anzuschwimmen, war etwas völlig anderes.

Immer wieder wurde sie seitlich abgetrieben. Ihr Kopf verschwand beinahe unter der Wasseroberfläche. Dann kämpfte sie sich mit letzter Kraft wieder nach oben.

„Andreas, links! Sie schwimmt zu dem Zaun!“, rief Bernd.

Ich drehte mich um.

Die Hündin erreichte eine kleine Erhebung, auf der sich Schlamm, Äste und Baumwurzeln gesammelt hatten. Mühsam zog sie sich aus dem Wasser.

Dann begann sie zu bellen.

Nicht zu uns.

Sondern zu einer alten Holzpalette, die halb im Schlamm versunken war.

Bernd hielt unser kleines Rettungsboot ruhig, während ich mit einer Sicherungsleine auf die Erhebung stieg.

Als ich die Palette anhob, blieb mir für einen Moment die Luft weg.

Darunter lag ein winziger Welpe.

Er war kaum größer als mein Schuh. Sein dunkles Fell war völlig durchnässt, und er zitterte so stark, dass sein ganzer Körper bebte.

„Bernd! Hier ist ein Welpe!“

Ich hob den Kleinen vorsichtig hoch und wickelte ihn in ein trockenes Handtuch.

Die Hündin stand dicht neben mir.

Sie knurrte nicht. Sie versuchte auch nicht, mich zu beißen.

Sie beobachtete nur jede meiner Bewegungen.

Als ich den Welpen ins Boot brachte, folgte sie uns bis zum Wasserrand.

„Komm, Mädchen“, sagte ich leise. „Jetzt bist du dran.“

Ich streckte ihr die Hand entgegen.

Doch statt einzusteigen, drehte sie sich um.

Und sprang zurück ins Hochwasser.

„Nein!“, rief ich.

Ich konnte kaum glauben, was ich sah.

Sie hatte gerade einen ihrer Welpen gerettet bekommen. Sie war völlig erschöpft. Und trotzdem schwamm sie wieder hinaus.

Bernd schüttelte den Kopf.

„Vielleicht ist sie durcheinander. Die Arme weiß wahrscheinlich gar nicht mehr, wohin sie soll.“

Das schien zunächst die einzige vernünftige Erklärung.

Doch dann geschah etwas Merkwürdiges.

Die Hündin erreichte einen überfluteten Feldweg, drehte sich zu uns um und bellte zweimal.

Anschließend schwamm sie in eine andere Richtung.

„Warte mal“, sagte ich. „Ich glaube, sie will uns etwas zeigen.“

Wir folgten ihr mit dem Boot.

Nach ungefähr fünfzig Metern blieb sie an einer Kunststoffkiste stehen, die sich zwischen Schilf und Ästen verkeilt hatte.

Sie legte ihre Vorderpfoten gegen den Rand und bellte.

In der Kiste lag ein zweiter Welpe.

Ein kleines hellbraunes Hundebaby mit weißen Pfoten.

„Das gibt es doch nicht“, flüsterte Bernd.

Ich nahm den Welpen heraus. Er war kalt, aber er bewegte sich und gab ein schwaches Fiepen von sich.

Wir brachten ihn zu seinem Bruder ins Boot.

Doch die Mutter machte keine Anstalten, uns zu folgen.

Sie wartete nur, bis wir den Welpen in Sicherheit hatten.

Dann schwamm sie wieder los.

Diesmal waren wir vorbereitet.

„Folgen wir ihr“, sagte ich. „Vielleicht sind da noch mehr.“

Die dritte Stelle lag an einem Maschendrahtzaun, gegen den das Hochwasser einen großen Haufen Äste gedrückt hatte.

Schon von Weitem hörten wir ein leises Winseln.

Unter den Zweigen entdeckten wir zwei weitere Welpen.

Sie lagen eng aneinandergepresst auf einem Stück Holz, das gerade noch aus dem Wasser ragte.

Der Kleinere hatte seine Schnauze tief im Fell seiner Schwester vergraben.

Ich werde diesen Anblick nie vergessen.

Zwei winzige Lebewesen, die sich gegenseitig wärmen wollten, während um sie herum alles versank.

Bernd hielt das Boot fest, damit es nicht gegen den Zaun gedrückt wurde.

Ich befreite die beiden vorsichtig aus dem Geäst.

Als ich sie zu den anderen Welpen legte, begann der erste sofort, an meinem Finger zu saugen.

„Vier“, sagte Bernd ungläubig. „Vier Welpen.“

Die Hündin stand inzwischen auf einem kleinen Stück trockener Erde.

Sie zitterte am ganzen Körper.

Ich sah, wie ihr verbliebenes Hinterbein nachgab.

Sie versuchte aufzustehen, aber ihre Kräfte reichten kaum noch aus.

„Jetzt ist Schluss, Mädchen“, sagte ich. „Du musst dich ausruhen.“

Diesmal ließ sie zu, dass ich mich neben sie kniete.

Ich legte meine Jacke über ihren Rücken.

Sie roch nach nassem Fell, Schlamm und kaltem Flusswasser.

Ihre Augen waren dunkel und müde.

Trotzdem suchte ihr Blick immer wieder die überfluteten Felder ab.

Wir brachten die vier Welpen dicht zu ihr.

Sie beschnupperte jedes Handtuch, berührte jedes kleine Gesicht mit ihrer Nase und leckte einem der Welpen vorsichtig über den Kopf.

Dann hob sie plötzlich die Ohren.

Ihr Blick richtete sich auf eine alte Metallwanne, die weiter draußen zwischen überfluteten Zaunpfählen trieb.

„Was ist denn dort?“, fragte Bernd.

Ich kniff die Augen zusammen.

Die Wanne sah leer aus.

Doch als sie gegen einen Pfosten stieß und leicht kippte, bemerkte ich etwas.

Zwei winzige Köpfe ragten über ihren Rand.

„Bernd! Da sind noch zwei!“

Wir stiegen sofort wieder ins Boot.

Die Strömung war an dieser Stelle besonders stark. Wir mussten uns von der anderen Seite nähern, damit unser Boot die Wanne nicht löste und mitriss.

Bernd steuerte vorsichtig.

Ich befestigte eine Leine am Metallrand und zog die Wanne langsam näher.

Darin lagen zwei weitere Welpen.

Einer war fast vollständig weiß. Der andere hatte einen dunklen Fleck über dem linken Auge.

Beide waren völlig erschöpft.

Der weiße Welpe hob kaum noch den Kopf.

Ich wickelte ihn in ein Handtuch und hielt ihn dicht an meinen Körper, während Bernd seinen Bruder versorgte.

„Sechs“, sagte ich.

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