Er rettete vier Hunde aus einem Abwasserschacht – drei Jahre später geschah das Unfassbare

Vier Hunde, die ein junger Mann einst aus einem Abwasserschacht gerettet hatte, zogen ihn drei Jahre später von einer Unfallstraße, und retteten ihm damit das Leben.

„Bitte, Luna. Geh weg von der Straße. Du musst dich in Sicherheit bringen.“

Das waren die letzten Worte, die Tobias Neumann herausbrachte, bevor ihm wieder schwarz vor Augen wurde.

Er lag auf dem Asphalt einer Landstraße bei Göttingen. Sein linkes Bein ließ sich nicht bewegen. Jeder Atemzug schmerzte. Irgendwo hinter ihm knackte Metall, und wenige Meter entfernt stand sein völlig zerstörter Wagen.

Doch die braune Hündin, die sich über ihn beugte, dachte nicht daran, ihn allein zu lassen.

Luna packte den Kragen seiner Jacke zwischen die Zähne.

Dann begann sie zu ziehen.

Ihre Pfoten rutschten immer wieder auf dem nassen Asphalt weg. Der Stoff spannte sich. Tobias stöhnte vor Schmerzen.

Aber Luna ließ nicht los.

Und plötzlich kamen drei weitere Hunde hinzu.

Balu, Sammy und Lilly.

Vier Hunde, die niemand mehr haben wollte. Vier Hunde, die Tobias vor drei Jahren aus einem dunklen Abwasserschacht geholt hatte.

Und jetzt versuchten sie gemeinsam, den Mann zu retten, der ihnen damals eine zweite Chance gegeben hatte.

Doch um zu verstehen, warum diese vier Tiere in jener Nacht alles für Tobias taten, muss man ins Frühjahr 2018 zurückgehen.

Damals war Tobias 26 Jahre alt.

Er wohnte in einer kleinen Mietwohnung am Rand von Göttingen, arbeitete als Aushilfe auf einem landwirtschaftlichen Betrieb und hatte kaum genug Geld, um seine Rechnungen zu bezahlen.

Seine Kindheit war nicht einfach gewesen.

Seine Mutter war früh gestorben. Seinen Vater hatte er seit Jahren nicht gesehen. Mit achtzehn war er aus dem Elternhaus ausgezogen und hatte sich mit Gelegenheitsarbeiten über Wasser gehalten.

Er hatte sich daran gewöhnt, allein zu sein.

Wenn er abends nach Hause kam, begrüßte ihn niemand. In seiner Küche stand meistens nur ein Teller auf dem Tisch.

Tobias sagte oft, dass ihm das nichts ausmachte.

Aber wenn er ehrlich war, stimmte das nicht.

An einem Nachmittag im April 2018 fuhr er mit seinem alten Wagen über eine schmale Straße zwischen zwei Feldern.

Plötzlich hörte er ein Geräusch.

Ein leises Winseln.

Zuerst dachte er, es käme von einem Bauernhof in der Nähe. Doch als er weiterfuhr, wurde es deutlicher.

Er hielt an, stellte den Motor ab und lauschte.

Wieder dieses Winseln.

Es kam aus einem offenen Abwasserschacht neben einem Entwässerungsgraben.

Tobias ging in die Hocke und leuchtete mit seinem Handy hinunter.

Was er sah, ließ ihn erstarren.

Auf dem schlammigen Boden saß eine abgemagerte Hündin. Ihr Fell war schmutzig, ihre Rippen zeichneten sich deutlich ab.

Ganz dicht an ihrem Bauch drängten sich drei kleine Welpen.

Die Hündin hob den Kopf.

Sie knurrte nicht. Sie bellte nicht.

Sie sah Tobias einfach nur an.

„Ach du meine Güte“, flüsterte er. „Wie seid ihr denn da hineingeraten?“

Der Schacht war ungefähr zwei Meter tief. Die Wände waren glatt und feucht. Ohne Hilfe konnten die Tiere unmöglich herauskommen.

Tobias versuchte zunächst, die Hündin mit freundlichen Worten zum Aufstehen zu bewegen.

Doch sie blieb liegen.

Einer der Welpen hatte sich unter ihrem Vorderbein verkrochen. Ein anderer zitterte so stark, dass Tobias es sogar von oben erkennen konnte.

Er griff nach seinem Handy und rief bei der örtlichen Tierrettung an.

Man versprach, jemanden zu schicken.

Während er wartete, blieb er am Schacht sitzen.

„Ich gehe nicht weg“, sagte er immer wieder. „Versprochen.“

Die Hündin beobachtete ihn.

Manchmal senkte sie den Kopf. Dann hob sie ihn wieder, sobald Tobias sich bewegte.

Nach einer Weile trafen zwei Helfer ein. Sie brachten eine Leiter, Sicherungsseile und Transportboxen mit.

Einer der Männer wollte hinuntersteigen.

Doch Tobias hielt ihn zurück.

„Darf ich es versuchen? Sie hat sich an meine Stimme gewöhnt.“

Der Helfer musterte ihn kurz und nickte.

Mit einem Sicherungsseil und vorsichtigen Bewegungen stieg Tobias in den Schacht.

Unten roch es nach feuchter Erde und altem Schlamm.

Die Hündin spannte ihren Körper an.

Tobias blieb stehen.

„Ganz ruhig, Mädchen. Ich tue euch nichts.“

Er setzte sich langsam auf den Boden, ohne sie zu berühren.

Einige Minuten geschah nichts.

Dann machte die Hündin einen kleinen Schritt nach vorn.

Sie schnupperte an seiner Hand.

Tobias hielt den Atem an.

Schließlich legte sie ihren schweren Kopf auf sein Knie.

Dieser Augenblick veränderte sein Leben.

„Na gut“, murmelte er. „Dann holen wir euch jetzt hier raus.“

Die drei Welpen wurden vorsichtig in eine Transportbox gesetzt und nach oben gebracht.

Als Tobias die Mutterhündin zum Ausgang führte, blieb sie zunächst stehen.

Sie blickte nach oben, dorthin, wo ihre Jungen bereits warteten.

Erst als Tobias sie sanft am Hals streichelte, folgte sie ihm.

Oben wurde sie sofort zu den Welpen gebracht.

Sie überprüfte jeden Einzelnen mit der Nase, leckte ihnen über die Köpfe und legte sich erschöpft neben sie.

Tobias kniete sich zu ihr.

„Du hast gut auf sie aufgepasst“, sagte er.

Die Hündin sah ihn an.

Und wedelte zum ersten Mal ganz vorsichtig mit dem Schwanz.

Im Tierheim stellte sich heraus, dass die Mutter ungefähr drei Jahre alt war. Die Welpen waren erst wenige Wochen alt.

Niemand wusste, wem die Tiere gehörten oder wie sie in den Schacht gelangt waren.

Die Hündin war unterernährt, aber ansonsten erstaunlich widerstandsfähig. Ihre Jungen brauchten vor allem Ruhe, Futter und Wärme.

Tobias besuchte sie schon am nächsten Tag.

Und am übernächsten.

Bald kannte ihn das Personal.

„Da kommt wieder der junge Mann von der Schachtrettung“, sagte eine Mitarbeiterin lächelnd.

Tobias setzte sich jedes Mal vor das Gehege.

Die Mutterhündin kam sofort zu ihm.

Er nannte sie Luna.

Weil sie ihn mit ihren ruhigen Augen immer an den hellen Mond erinnerte, der selbst in der dunkelsten Nacht noch zu sehen war.

Die Welpen bekamen die Namen Balu, Sammy und Lilly.

Balu war der Mutigste. Er stolperte ständig über seine eigenen Pfoten und wollte alles zuerst untersuchen.

Sammy blieb am liebsten in der Nähe seiner Mutter. Wenn Luna sich hinlegte, kuschelte er sich sofort an ihren Rücken.

Lilly war die Kleinste. Sie fraß langsam, schlief viel und schob ihre Nase gern unter Tobias‘ Hand.

Als die Tiere einige Wochen später vermittelt werden konnten, fragte die Mitarbeiterin, ob Tobias einen von ihnen aufnehmen wolle.

Er schwieg lange.

„Was passiert mit den anderen?“

„Wir suchen für alle gute Familien.“

Tobias sah durch das Gitter.

Luna saß neben ihren drei Jungen.

Balu kaute auf einem Stoffspielzeug herum. Sammy hatte seinen Kopf auf Lillys Rücken gelegt.

„Können sie zusammenbleiben?“, fragte Tobias.

Die Frau seufzte.

„Bei vier Hunden ist das leider schwierig.“

Tobias fuhr an diesem Abend allein nach Hause.

Er saß lange an seinem Küchentisch und rechnete.

Miete. Strom. Lebensmittel. Tierarzt. Hundefutter.

Vier Hunde waren eine große Verantwortung.

Er konnte es sich eigentlich nicht leisten.

Drei Tage später stand er wieder im Tierheim.

„Ich möchte alle vier aufnehmen.“

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