Mein reicher Verlobter ließ mich und meinen Hund im Wald zurück, doch Fremde retteten unser Leben

Mein reicher Verlobter ließ mich und meinen Hund in einer Schlucht zurück. Drei fremde Männer fanden uns, und was danach geschah, veränderte mein ganzes Leben.

„Dann bleib doch bei deinem verdammten Köter!“

Markus schlug die Autotür zu. Ich stand am Rand eines vereisten Waldwegs im Harz, meinen Hund Balu an die Brust gedrückt. Hinter mir ging es steil bergab.

„Markus, bitte. Fahr nicht weg. Hier ist niemand.“

Er ließ das Fenster herunter.

„Du hast dich entschieden, Katharina. Dieser Hund ist dir wichtiger als ich. Jetzt sieh zu, wie du nach Hause kommst.“

Dann gab er Gas.

Die Reifen seines großen Geländewagens drehten auf dem Eis durch. Schneematsch spritzte gegen meine Beine. Sekunden später verschwanden die Rücklichter hinter einer Kurve.

Ich war 34 Jahre alt. Mein Verlobter besaß mehrere Immobilien, fuhr teure Autos und hatte mir einmal versprochen, dass ich mir an seiner Seite nie wieder Sorgen machen müsste.

Jetzt stand ich mitten im Wald, ohne Handy, ohne Schlüssel und ohne eine Ahnung, wie weit der nächste bewohnte Ort entfernt war.

Balu drückte seine Nase gegen meine Hand.

„Komm, mein Junge. Wir schaffen das irgendwie.“

Ich wollte einen Schritt vom Abhang zurücktreten.

Mein rechter Fuß rutschte weg.

Ich griff nach einem Ast, doch er brach unter meinem Gewicht. Im nächsten Augenblick verlor ich den Boden unter den Füßen.

Ich erinnere mich an Äste, die gegen meinen Körper schlugen. An Steine. An Balus erschrockenes Winseln.

Dann kam ein heftiger Schmerz.

Mein rechtes Bein war unter mir eingeknickt, als ich zwischen zwei Felsen liegen blieb.

Ich versuchte aufzustehen.

Es ging nicht.

„Balu?“

Ein leises Winseln antwortete mir.

Er lag ein paar Schritte entfernt, rappelte sich mühsam hoch und humpelte zu mir.

Ich tastete nach meinem Handy. Erst da fiel mir wieder ein, dass Markus es mir während der Fahrt abgenommen hatte.

Ich war allein.

Bis auf einen Hund, den mein Verlobter am liebsten schon vor zwei Jahren losgeworden wäre.

Damals hatte ich Balu hinter einem Supermarkt in Goslar gefunden. Ein brauner Mischlingsrüde mit breitem Kopf, weißem Brustfleck und einer kleinen Narbe über der Nase.

Er war abgemagert gewesen und hatte sich nicht anfassen lassen.

Drei Tage lang brachte ich ihm Futter. Am vierten Tag legte er vorsichtig seinen Kopf auf meinen Schuh.

Seitdem gehörten wir zusammen.

Markus hatte das nie verstanden.

„So einen Hund holt man sich doch nicht ins Haus“, sagte er bei unserem ersten gemeinsamen Abendessen.

Anfangs hielt ich das für eine harmlose Meinungsverschiedenheit.

Später wurde es schlimmer.

Markus bestimmte, welche Freunde ich treffen durfte. Er machte abfällige Bemerkungen über meine Kleidung. Wenn ich meiner Schwester zu oft schrieb, fragte er, was ich ihr über ihn erzählen würde.

Vor acht Monaten war ich in sein großes Haus am Stadtrand gezogen.

Kurz danach gab ich meine kleine Mietwohnung auf.

Markus meinte, zwei Wohnungen seien Geldverschwendung. Auch mein Gehalt aus meiner früheren Arbeit an einer Schule brauchte ich seiner Meinung nach nicht mehr.

„Ich kümmere mich um alles“, sagte er.

Ich glaubte ihm.

An diesem Abend hatte Balu mit seinen nassen Pfoten ein paar Spuren auf dem hellen Teppich hinterlassen.

Markus war ausgerastet.

Er schrie, dass ich und dieser Hund sein Haus ruinieren würden. Dann befahl er mir, Balu ins Auto zu bringen.

Ich dachte, wir würden zum Tierheim fahren.

Stattdessen fuhr er immer weiter in die Berge.

Als ich ihn bat umzukehren, hielt er auf einem einsamen Waldweg an und stieß mich beim Aussteigen so heftig von sich, dass ich beinahe stürzte.

Jetzt lag ich tatsächlich am Fuß eines Abhangs.

Und mir wurde klar, dass ich vielleicht nicht mehr lebend herauskommen würde.

„Balu, geh“, flüsterte ich. „Such jemanden.“

Er schaute mich an.

„Los, mein Junge. Bitte.“

Aber Balu ging nicht.

Er legte sich neben meine Brust und drückte seinen schweren Körper gegen mich.

Sein Fell war nass. Er zitterte so stark, dass ich es durch meinen Mantel spüren konnte.

Ich schob meine Arme um ihn.

„Du dummer, lieber Hund.“

Irgendwann konnte ich meine Zehen kaum noch fühlen.

Meine Gedanken wurden langsamer. Ich versuchte, wach zu bleiben, indem ich Balus Namen immer wieder aussprach.

Dann begann er zu bellen.

Zuerst nur ein paarmal.

Danach immer lauter.

„Balu, hör auf. Du brauchst deine Kraft.“

Er hörte nicht.

Er stellte sich auf die Vorderbeine, reckte den Kopf nach oben und bellte in die Dunkelheit.

Plötzlich hörte ich etwas.

Schritte.

Eine Männerstimme.

„Da unten ist was!“

Ein Lichtstrahl wanderte über die Bäume.

„Hallo? Kann mich jemand hören?“

Ich wollte schreien, aber meine Stimme versagte.

Balu bellte erneut.

Der Lichtstrahl blieb auf uns stehen.

„Verdammt. Da liegt jemand!“

Wenig später erschien oberhalb der Böschung ein großer Mann.

Er hatte einen dichten Bart, eine auffällige Narbe auf der linken Wange und Tätowierungen am Hals. Neben ihm standen drei riesige Hunde.

Mein erster Gedanke war Angst.

Ich wusste nicht, wer er war oder was er mitten in der Nacht im Wald machte.

„Bitte“, brachte ich hervor. „Tun Sie uns nichts.“

Der Mann blieb stehen.

Dann kniete er langsam nieder.

„Ich tue Ihnen nichts. Ich heiße Hartmut. Wir bringen Sie hier raus.“

Seine Stimme war tief und rau, aber ruhig.

Die drei Hunde näherten sich Balu. Einer beschnupperte vorsichtig sein Gesicht, während die anderen neben dem Mann warteten.

Hartmut zog seine dicke Jacke aus und legte sie über mich.

„Können Sie mir sagen, wie Sie heißen?“

„Katharina.“

„Gut, Katharina. Bleiben Sie bei mir. Wir haben Hilfe verständigt.“

Er sah mein Bein an und verzog das Gesicht.

„Wir bewegen Sie erst, wenn die anderen da sind. Können Sie Ihre Finger noch spüren?“

Ich nickte schwach.

Er nahm meine eiskalte Hand zwischen seine großen Hände.

„Dann reden wir jetzt ein bisschen. Wie heißt Ihr Hund?“

„Balu.“

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