Millionär wartet auf sein Blind Date – doch plötzlich steht ihre Tochter allein vor seinem Tisch

Ein wohlhabender Unternehmer wartete auf sein Blind Date – doch dann stand deren Tochter vor ihm und stellte sein ganzes Leben infrage

„Entschuldigung … sind Sie Herr Berger? Der Mann, den meine Mama heute treffen wollte?“

Matthias Berger hob den Blick von seinem Handy. Vor seinem Tisch stand ein Mädchen mit zwei etwas schiefen Zöpfen, einem viel zu großen Schulrucksack und diesem ernsten Gesichtsausdruck, den Kinder manchmal haben, wenn sie etwas tun, das sie selbst für äußerst erwachsen halten.

Matthias blinzelte.

Er war 48 Jahre alt, Geschäftsführer einer großen Finanzgruppe, geschieden und gewohnt, dass Menschen zu Terminen mit ihm eher zehn Minuten zu früh als zehn Minuten zu spät erschienen.

Mit einem Kind hatte er allerdings nicht gerechnet.

Das Café an der Düsseldorfer Königsallee war einer dieser Orte, an denen der Kaffee fast so viel kostete wie früher ein ganzes Mittagessen. Helle Holztische, große Fenster, dezente Musik, Menschen in guten Mänteln und mit noch besseren Uhren.

Matthias saß dort seit zwölf Minuten.

Seine Assistentin hatte das Treffen eingefädelt.

„Du kannst nicht jeden Abend mit Geschäftsberichten verbringen“, hatte sie gesagt. „Katharina ist Lehrerin, geschieden, hat ein Kind und kennt das Leben außerhalb von Vorstandsetagen. Vielleicht tut dir das gut.“

Matthias hatte darüber gelacht.

Seit seiner Scheidung vor fast drei Jahren war er vorsichtig geworden.

Zu oft hatte er das Gefühl gehabt, dass Frauen zuerst seinen Namen, dann seinen Beruf und erst ganz zuletzt ihn selbst sahen.

Katharina Weber sollte anders sein.

Zumindest hatte man ihm das versprochen.

Und nun stand dieses Mädchen vor ihm.

„Ich heiße Matthias“, sagte er langsam. „Und du bist?“

„Lena Weber.“

Sie stellte ihren Rucksack auf den freien Stuhl.

„Meine Mama ist krank.“

Matthias richtete sich auf.

„Krank?“

Lena nickte.

„Sie hat Fieber. Heute Morgen war ihr ganz schlecht. Sie hat Medikamente genommen und ist eingeschlafen.“

Matthias sah sich automatisch im Café um.

„Und mit wem bist du hier?“

„Frau Schneider aus unserem Haus hat mich hergebracht.“

Er atmete hörbar aus.

„Wo ist Frau Schneider?“

„Sie musste zu einem Arzttermin. Sie dachte, Mama hätte erlaubt, dass ich Ihnen die Nachricht bringe.“

Lena sah zu Boden.

„Das hatte Mama aber nicht.“

Matthias legte das Handy beiseite.

Jetzt verstand er.

Zumindest teilweise.

„Wie alt bist du, Lena?“

„Neun.“

„Und deine Mutter weiß nicht, dass du hier bist?“

Das Mädchen schüttelte den Kopf.

„Sie hat geschlafen.“

Dann hob sie schnell die Hände, als müsse sie sich verteidigen.

„Aber ich wollte doch nur, dass Sie nicht denken, dass sie einfach nicht kommt.“

Matthias wollte etwas Strenges sagen.

Dass man nicht ohne Erlaubnis die Wohnung verlässt.

Dass man nicht zu fremden Männern in Cafés fährt.

Dass Erwachsene Termine absagen können und enttäuschte Blind Dates kein Weltuntergang sind.

Doch dann sah er ihre Augen.

Sie glänzten bereits.

„Mama hat sich so gefreut“, flüsterte Lena.

Matthias schwieg.

„Sie hat gestern ein Kleid gekauft. Nicht richtig neu. Aus einem Laden mit gebrauchten Sachen. Aber es sieht aus wie neu.“

Lena rieb mit dem Daumen über den Reißverschluss ihres Rucksacks.

„Sie hat sogar zweimal ihre Haare gemacht, weil sie nicht wusste, wie sie besser aussehen.“

Matthias spürte etwas Unangenehmes in seiner Brust.

„Und dann war sie heute Morgen krank“, fuhr Lena fort. „Sie hat gesagt, das sei typisch. Immer wenn einmal etwas Schönes passieren könnte, geht etwas schief.“

„Hat sie das wirklich gesagt?“

Lena nickte.

„Und später hat sie geweint.“

Matthias schaute auf die unberührte Kaffeetasse vor sich.

Vor zehn Minuten hatte er sich noch darüber geärgert, dass eine Frau unpünktlich war.

Jetzt saß ihre neunjährige Tochter vor ihm und versuchte offenbar, die Hoffnung ihrer Mutter zu retten.

„Ist dein Papa bei euch?“, fragte er vorsichtig.

Lenas Gesicht veränderte sich.

„Nein.“

Mehr sagte sie zunächst nicht.

Dann kam es doch.

„Papa wohnt jetzt mit einer anderen Frau.“

Matthias nickte langsam.

„Seit wann?“

„Seit sieben Monaten.“

Sie zog die Schultern hoch.

„Mama sagt, darüber soll ich nicht schlecht reden. Sie sagt, Erwachsene machen manchmal Dinge, die Kinder nicht verstehen.“

Matthias musste an seinen eigenen Vater denken.

An einen Mann, der sonntagmorgens seine Schuhe putzte, Rechnungen in einer Blechdose sammelte und immer gesagt hatte: „Wie jemand aussieht, sagt dir wenig. Schau, was er tut, wenn keiner zusieht.“

Als junger Mann hatte Matthias diesen Satz altmodisch gefunden.

Mit 48 verstand er ihn besser.

„Lena“, sagte er ruhig, „ich bin nicht böse auf dich. Aber was du gemacht hast, war trotzdem keine gute Idee.“

Sie schluckte.

„Ich weiß.“

„Deine Mutter macht sich wahrscheinlich große Sorgen.“

„Ich wollte ihr keine Sorgen machen.“

„Das glaube ich dir.“

Er winkte die Bedienung heran und bestellte einen Kakao und ein Stück Apfelkuchen.

Lena schüttelte sofort den Kopf.

„Ich habe kein Geld.“

„Das brauchst du auch nicht.“

„Mama sagt, man soll sich nicht einfach Sachen bezahlen lassen.“

Matthias musste lächeln.

„Dann machen wir einen Handel. Du erzählst mir etwas über deine Mutter, und ich bezahle den Kakao.“

Lena dachte ernsthaft darüber nach.

„Ist das Bestechung?“

Zum ersten Mal an diesem Nachmittag lachte Matthias.

„Nein. Das ist ein sehr schlechter Geschäftsabschluss für mich.“

Ein kleines Lächeln erschien auf ihrem Gesicht.

Während sie auf den Kakao warteten, zog Matthias sein Telefon hervor.

„Weißt du eure Adresse?“

Natürlich wusste sie sie.

Ein Altbau in einem Viertel, das Matthias kannte. Nicht gefährlich, aber weit entfernt von den Straßen, in denen die Wohnungen Tiefgaragen, Concierge und Weinkeller hatten.

Er rief seinen Fahrer an.

„Hol uns bitte am Café ab. Sofort.“

Dann sah er Lena an.

„Wir bringen dich nach Hause.“

„Sie kommen mit?“

„Ja.“

„Obwohl Mama nicht zu Ihrem Treffen gekommen ist?“

Matthias steckte das Telefon ein.

„Deine Mutter hat gerade andere Probleme als ein verpasstes Treffen.“

Der Kakao kam.

Lena nahm die Tasse mit beiden Händen.

„Sie sind gar nicht so, wie Mama gedacht hat.“

Matthias hob eine Augenbraue.

„Wie hat deine Mutter mich denn eingeschätzt?“

Lena wurde rot.

„Das darf ich bestimmt nicht sagen.“

„Jetzt musst du.“

Sie beugte sich etwas vor.

„Sie hat gesagt, Männer mit sehr viel Geld denken oft, sie könnten alles kaufen.“

Matthias lehnte sich zurück.

Das traf näher, als ihm lieb war.

„Und was denkst du?“

Lena musterte seinen Anzug.

Dann seine Uhr.

Dann den Kakao.

„Ich glaube, Sie haben wirklich viel Geld.“

Matthias lachte erneut.

„Danke für die genaue Analyse.“

„Aber Sie wirken nicht böse.“

„Das beruhigt mich.“

„Mama sagt, Geld macht einen Menschen nicht gut oder schlecht.“

Lena brach ein Stück vom Kuchen ab.

„Man sieht es daran, was er damit macht.“

Matthias hörte wieder die Stimme seines Vaters.

Fast dieselben Worte.

Vielleicht, dachte er, waren manche Wahrheiten so alt, dass jede Generation sie neu entdecken musste.

Wenig später saßen sie im Wagen.

Lena klebte zunächst mit der Nase fast an der Scheibe. Das Auto beeindruckte sie offensichtlich, obwohl sie so tat, als wäre es ihr egal.

„Ist das Ihr Auto?“

„Ja.“

„Hat es hinten wirklich Sitzheizung?“

„Ja.“

„Das ist verrückt.“

Matthias grinste.

„Wahrscheinlich.“

Nach wenigen Minuten wurde sie stiller.

„Mama arbeitet viel“, sagte Lena plötzlich.

„Das hast du vorhin schon erwähnt.“

„Sie ist Grundschullehrerin.“

„Mag sie ihren Beruf?“

Lena nickte sofort.

„Sehr.“

Dann verzog sie das Gesicht.

„Aber manchmal sagt sie, sie wünschte, Rechnungen könnten auch von Dankbarkeit bezahlt werden.“

Matthias sah aus dem Fenster.

Diesen Satz kannte er nicht.

Aber er verstand ihn sofort.

Lena erzählte weiter.

Von Arbeitsblättern auf dem Küchentisch.

Von Elternabenden.

Von Heften, die Katharina nachts korrigierte, wenn ihre Tochter längst im Bett lag.

Von Kindern, deren Frühstück manchmal nur aus einer Scheibe trockenem Brot bestand.

Von einer Mutter, die immer ein paar Müsliriegel in ihrer Schreibtischschublade hatte, obwohl am Monatsende das eigene Geld knapp wurde.

„Sie hilft auch Frau Schneider beim Einkaufen“, sagte Lena.

„Der Frau, die dich hergebracht hat?“

„Ja. Sie ist 72 und ihre Knie tun weh.“

„Deine Mutter scheint viel für andere zu tun.“

Lena sah ihn an, als hätte er etwas Selbstverständliches gesagt.

„Man macht das doch so.“

Dieser einfache Satz blieb Matthias im Kopf.

Man macht das doch so.

Er dachte an seine Welt.

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