Sie wollte ihre alte Katze für immer gehen lassen, doch der Tierarzt schenkte ihnen vier kostbare Monate

Ich trug meine alte Katze zum Tierarzt, weil ich dachte, sie müsse eingeschläfert werden. Doch dann begann sie zu schnurren, und die Tierärztin sagte etwas, das alles veränderte.

„Bitte sagen Sie mir einfach, ob sie Schmerzen hat.“

Meine Stimme zitterte, als ich den Transportkorb auf den Untersuchungstisch stellte.

Darin lag Mimi, meine sechzehnjährige Katze. Sie hatte die Augen halb geschlossen und ihren kleinen Kopf auf ein altes Handtuch gelegt.

„Ich möchte nicht, dass sie sich quält“, sagte ich. „Aber ich weiß auch nicht mehr, was ich machen soll.“

Der Tierarzt antwortete nicht sofort.

Er öffnete vorsichtig den Korb, streichelte Mimi über den Rücken und hob sie heraus.

Und ausgerechnet in diesem Moment begann meine Katze zu schnurren.

Ganz leise.

Dieses vertraute, etwas raue Schnurren, das ich seit sechzehn Jahren kannte.

Ich musste mich an der Tischkante festhalten.

Denn ich war an diesem Morgen mit dem Gedanken gekommen, mich für immer von ihr zu verabschieden.

Und Mimi lag da, sah mich an und schnurrte, als wäre ich noch immer der Mensch, bei dem sie sich am sichersten fühlte.

Mein Name ist Renate. Ich bin 59 Jahre alt und wohne allein in einer kleinen Zweizimmerwohnung in einer ruhigen Seitenstraße von Oldenburg.

Viel Platz haben wir nie gehabt. Aber Mimi und ich brauchten auch nicht viel.

Eine warme Heizung, einen Platz am Fenster und abends das alte Sofa im Wohnzimmer.

Mimi war zu mir gekommen, als sie gerade einmal zehn Wochen alt war.

Ein winziges, grau getigertes Katzenmädchen mit viel zu großen Ohren und einem weißen Fleck unter dem Kinn.

Damals war ich 43, hatte eine feste Arbeitsstelle und glaubte, mein Leben würde irgendwann genauso werden, wie ich es mir vorgestellt hatte.

Mit einem Menschen an meiner Seite. Vielleicht einer größeren Wohnung. Vielleicht sogar einem kleinen Garten.

Es kam anders.

Die Beziehung ging auseinander. Meine Mutter starb. Einige Freundschaften verliefen sich.

Und irgendwann stellte ich fest, dass die meisten Abende nur noch aus mir, dem Fernseher und Mimi bestanden.

Aber das war nicht schlimm.

Zumindest nicht, solange Mimi da war.

Sie wartete jeden Abend hinter der Wohnungstür.

Schon wenn ich den Schlüssel ins Schloss steckte, hörte ich ihr empörtes Miauen.

Als wollte sie sagen: „Na endlich. Weißt du eigentlich, wie lange ich hier schon warte?“

Wenn ich mich auf das Sofa setzte, dauerte es keine zwei Minuten, bis sie neben mir lag.

Manchmal direkt auf meinem Bauch.

Manchmal auf den Unterlagen, die ich eigentlich noch durchsehen musste.

Und immer genau dort, wo sie gerade am meisten störte.

Ich habe oft mit ihr geschimpft.

Natürlich nur zum Spaß.

„Mimi, du bist wirklich eine kleine Nervensäge.“

Dann blinzelte sie mich an, gähnte und blieb einfach liegen.

Sie wusste ganz genau, dass ich sie niemals wegschicken würde.

Im vergangenen Herbst änderte sich vieles.

Ich arbeitete seit Jahren in einem kleinen Betrieb, der Waren für verschiedene Geschäfte verpackte. Als weniger Aufträge kamen, wurden meine Arbeitsstunden gekürzt.

Plötzlich fehlte jeden Monat Geld.

Nicht so viel, dass ich sofort alles verlor. Aber genug, um nachts wach zu liegen und zu rechnen.

Miete. Strom. Lebensmittel. Medikamente für meinen Rücken.

Und manchmal eine Rechnung, mit der ich nicht gerechnet hatte.

Ich begann, zusätzliche Schichten anzunehmen, wenn irgendwo Hilfe gebraucht wurde.

Abends kam ich müde nach Hause, zog die Schuhe aus und setzte mich erst einmal auf den Küchenstuhl.

Mimi kam dann langsam angelaufen, strich um meine Beine und miaute.

„Ja, ich weiß“, sagte ich jedes Mal. „Du hast auch einen anstrengenden Tag gehabt.“

Dann bekam sie ihr Futter.

Und ich hatte wenigstens jemanden, dem ich erzählen konnte, wie mein Tag gewesen war.

Vielleicht klingt das für Menschen seltsam, die nie allein gelebt haben.

Aber manchmal ist es unglaublich viel wert, wenn zu Hause jemand auf dich wartet.

Auch wenn dieser Jemand nur vier Pfoten hat.

Eines Montags bemerkte ich, dass Mimi ihr Frühstück nicht angerührt hatte.

Zuerst machte ich mir keine großen Gedanken.

Sie war schon immer wählerisch gewesen.

Manchmal schnupperte sie an ihrem Napf, sah mich beleidigt an und lief davon, als hätte ich ihr etwas völlig Unzumutbares serviert.

Doch am Abend stand das Futter noch immer da.

Am nächsten Morgen ebenfalls.

Ich öffnete eine andere Sorte. Erwärmte das Futter ein wenig. Stellte den Napf näher an ihren Lieblingsplatz.

Nichts.

Mimi schnupperte nur kurz daran und drehte den Kopf weg.

Am zweiten Tag sprang sie nicht mehr auf das Sofa.

Am dritten Tag kam sie nicht mehr zur Wohnungstür.

Sie lag nur noch zusammengerollt in ihrem alten Wäschekorb neben der Heizung.

Diesen Korb hatte sie sich irgendwann selbst ausgesucht.

Eigentlich wollte ich darin Handtücher aufbewahren. Aber Mimi hatte beschlossen, dass es ihr Bett war.

Also blieb es ihr Bett.

Nun lag sie darin und wirkte plötzlich so klein.

Ich setzte mich neben sie auf den Boden.

„Mäuschen, was ist denn los?“

Sie öffnete die Augen, sah mich kurz an und schloss sie wieder.

Ich streichelte ihren Kopf.

Normalerweise drückte sie ihre Stirn sofort gegen meine Hand.

Diesmal blieb sie einfach liegen.

Da bekam ich Angst.

Richtige Angst.

Ich suchte im Internet nach den Beschwerden alter Katzen.

Das hätte ich nachts um halb zwei besser nicht getan.

Überall las ich von schweren Nierenerkrankungen, Tumoren und Organversagen.

Von Katzen, die ihre Schmerzen versteckten.

Von Besitzern, die zu lange gewartet hatten.

Mit jedem Artikel wurde mir schlechter.

Ich saß am Küchentisch, während Mimi neben der Heizung lag, und stellte mir immer wieder dieselbe Frage.

Was, wenn ich sie nur deshalb nicht gehen lassen konnte, weil ich danach vollkommen allein wäre?

Am nächsten Morgen rief ich in einer kleinen Tierarztpraxis an.

Die Mitarbeiterin fragte, was passiert sei.

Ich erzählte ihr, dass Mimi seit drei Tagen kaum fraß und immer schwächer wurde.

Dann sagte ich den Satz, vor dem ich mich selbst gefürchtet hatte.

„Ich glaube, ich muss sie einschläfern lassen.“

Am anderen Ende wurde es kurz still.

„Kommen Sie bitte erst einmal vorbei“, sagte die Frau freundlich. „Unser Tierarzt schaut sie sich an.“

Eine Stunde später saß ich im Wartezimmer.

Mimis Transportkorb stand auf meinen Knien.

Ich hatte ihr das alte Handtuch hineingelegt, auf dem sie schon als junge Katze gern geschlafen hatte.

Meine Hände lagen auf dem Deckel.

Ich konnte kaum atmen.

Eine ältere Dame mit einem kleinen Hund saß mir gegenüber.

Sie lächelte kurz, doch ich brachte kein Lächeln zustande.

Als mein Name aufgerufen wurde, stand ich so schnell auf, dass mir schwindelig wurde.

Der Tierarzt hieß Dr. Stefan Richter.

Er war vielleicht Anfang sechzig, hatte kurze graue Haare, eine schlichte Brille und trug bequeme Turnschuhe.

Er sprach ruhig.

Nicht übertrieben freundlich. Nicht künstlich tröstend.

Einfach ruhig.

„Dann schauen wir mal nach Ihrer Mimi.“

Er untersuchte meine Katze gründlich.

Er tastete vorsichtig den Bauch ab, kontrollierte die Schleimhäute, hörte Herz und Lunge ab und beobachtete, wie Mimi auf dem Tisch stand.

Dann stellte er mir Fragen.

„Seit wann frisst sie nicht mehr richtig?“

„Seit drei Tagen.“

„Trinkt sie noch?“

„Ein bisschen. Aber weniger als sonst.“

„Erbricht sie?“

„Nein.“

„Hat sie vorher Gewicht verloren?“

„Ein wenig. Aber ich dachte, das liegt am Alter.“

Dr. Richter nickte und machte sich Notizen.

Dann sah er mich an.

„Und wie geht es Ihnen?“

Ich verstand die Frage zunächst nicht.

„Mir?“

„Ja. Sie sehen sehr erschöpft aus.“

Ich lachte kurz.

Es war kein schönes Lachen.

„Ich habe kaum geschlafen. Aber darum geht es doch jetzt nicht.“

„Vielleicht gehört das ein bisschen dazu“, sagte er.

Ich spürte, wie mir die Tränen in die Augen stiegen.

„Herr Doktor, bitte. Sagen Sie mir einfach, ob ich sie gehen lassen muss.“

Dr. Richter legte den Stift beiseite.

Dann sagte er etwas, womit ich überhaupt nicht gerechnet hatte.

„Ich sehe im Moment keinen Grund, Mimi heute einzuschläfern.“

Ich starrte ihn an.

„Wie bitte?“

„Ihre Katze ist alt und geschwächt. Sie ist auch ausgetrocknet. Das müssen wir ernst nehmen und weiter abklären. Aber bisher sehe ich keinen Befund, der uns sagt, dass wir sie heute aufgeben müssen.“

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