Zwei kleine Kater brachten einer alten Katze jeden Tag Geschenke, doch eines Tages verstand ich warum

Bis ich Anton eines Tages dabei beobachtete.

Er nahm ein Stückchen vorsichtig ins Maul.

Trug es langsam durch den Flur.

Legte es vor Frieda ab.

Dann kam Willi dazu und setzte sich neben ihn.

Beide schauten sie erwartungsvoll an.

Ich hielt mir die Hand vor den Mund.

Es sah tatsächlich so aus, als wollten sie die alte Dame bestechen.

„Hier, Frieda. Du bekommst etwas Feines. Aber dafür spielst du jetzt bitte mit uns.“

So jedenfalls stellte ich mir ihre Gedanken vor.

Ich erzählte meiner Nachbarin Elke davon.

Sie lachte und sagte: „Na siehst du, Helga. Die beiden haben wenigstens gute Manieren. Sie kommen nicht mit leeren Pfoten.“

Damals fand ich das alles einfach niedlich.

Doch gleichzeitig bemerkte ich etwas, über das ich mit niemandem sprechen wollte.

Frieda wurde schwächer.

Nicht plötzlich.

Es waren die kleinen Veränderungen.

Sie sprang nicht mehr so oft auf die Fensterbank.

Sie brauchte länger, um von ihrem Körbchen bis in die Küche zu laufen.

Manchmal stand sie vor dem Wassernapf und blieb einen Augenblick stehen, als müsse sie erst überlegen, was sie dort wollte.

Und wenn ich sie hochhob, fühlte sie sich leichter an.

Viel leichter.

Früher war Frieda eine kräftige Katze gewesen.

Jetzt konnte ich ihre schmalen Schultern unter meinen Händen spüren.

Ich vereinbarte einen Termin bei unserer Tierärztin.

Sie untersuchte Frieda gründlich, kontrollierte ihre Blutwerte und sprach mit mir über ihr Alter.

Einige Werte mussten weiter beobachtet werden. Außerdem brauchte Frieda angepasstes Futter und mehr Ruhe.

Die Tierärztin erklärte mir, worauf ich achten sollte.

Sie sagte auch, dass eine alte Katze durchaus noch schöne, zufriedene Jahre haben könne.

Aber ich hörte vor allem ein Wort.

Alt.

Natürlich wusste ich, dass Frieda alt war.

Siebzehn Jahre sind für eine Katze ein langes Leben.

Trotzdem hatte ich gehofft, dass sie einfach immer bei mir bleiben würde.

Vielleicht klingt das albern.

Aber nach Dieters Tod war Frieda die Einzige gewesen, die jeden Morgen noch genauso auf mich wartete wie vorher.

Sie lag neben mir, wenn ich frühstückte.

Sie saß im Flur, wenn ich vom Einkaufen zurückkam.

Und wenn ich abends auf dem Sofa weinte, kam sie manchmal langsam herüber und legte ihren Kopf auf mein Bein.

Sie verlangte nichts.

Sie war einfach da.

Ich hatte Dieter verloren.

Die Vorstellung, irgendwann auch Frieda zu verlieren, machte mir mehr Angst, als ich zugeben wollte.

Anton und Willi wussten davon natürlich nichts.

Für sie war Frieda einfach ihre Frieda.

Die alte Katze, die immer schon dagewesen war.

Die nach Zuhause roch.

Die Ruhe ausstrahlte, auch wenn ringsherum das größte Durcheinander herrschte.

Sie wollten bei ihr sein.

Sie wollten mit ihr spielen.

Und wahrscheinlich verstanden sie nicht, warum sie immer seltener auf ihre Einladungen reagierte.

Dann kam jener Nachmittag unter dem Sessel.

Frieda lag auf ihrer Decke und schlief.

Anton näherte sich mit der Stoffmaus.

Willi trug ein Leckerli.

Sie legten beides vor ihr ab.

Dann stupste Anton vorsichtig ihren Schwanz an.

Willi versuchte, sich unter ihren Vorderpfoten hindurchzuschieben.

Frieda hob müde den Kopf.

Und in mir brach plötzlich etwas heraus.

„Lasst sie doch endlich in Ruhe!“

Beide Kater erstarrten.

Anton machte einen Schritt zurück.

Willi duckte sich so tief, dass sein Bauch beinahe den Boden berührte.

Ich sah ihre kleinen erschrockenen Gesichter.

Und mir wurde sofort klar, dass ich ungerecht gewesen war.

Die beiden hatten nicht verstanden, dass Frieda müde war.

Aber ich hatte verstanden, dass sie es nicht wussten.

Und trotzdem hatte ich sie angeschrien.

Nicht aus Wut.

Sondern aus Angst.

Ich hatte Angst vor dem Tag, an dem Friedas Decke leer bleiben würde.

Angst vor einem stillen Wohnzimmer.

Angst davor, wieder Abschied nehmen zu müssen.

Am Abend saß ich lange neben Frieda auf dem Teppich.

Sie schlief.

Ich strich ihr vorsichtig über den Rücken und erinnerte mich daran, wie Dieter sie vor siebzehn Jahren als winziges Kätzchen nach Hause gebracht hatte.

„Sie war die Letzte, die noch niemand wollte“, hatte er gesagt.

Dann hatte er sie aus seiner Jacke geholt.

So klein war sie gewesen.

Und nun lag sie hier, mit grauen Haaren am Kinn und müden Pfoten.

„Bleib noch ein bisschen, mein Mädchen“, flüsterte ich.

Anton und Willi saßen am anderen Ende des Wohnzimmers.

Sie beobachteten uns.

Keiner von beiden kam näher.

Am nächsten Morgen bemerkte ich etwas Merkwürdiges.

Anton nahm seine Stoffmaus und trug sie zu Friedas Decke.

Doch diesmal versuchte er nicht, sie zum Spielen zu bewegen.

Er legte die Maus vorsichtig ab.

Dann ging er ein paar Schritte zurück.

Er setzte sich hin.

Und wartete.

Frieda schlief weiter.

Anton blieb noch einen Moment sitzen, bevor er leise davonging.

Eine halbe Stunde später kam Willi.

Er hatte ein kleines weiches Leckerli im Maul.

Er legte es neben die Stoffmaus.

Dann entfernte auch er sich.

Kein Stupsen.

Kein Herumtollen.

Kein Versuch, Frieda aufzuwecken.

Ich stand in der Küchentür und beobachtete die beiden.

Zuerst dachte ich, es sei Zufall.

Aber am Nachmittag passierte es wieder.

Anton brachte einen Filzball.

Willi schleppte ein kleines Stück Stoff herbei.

Beide legten ihre Sachen ab und ließen Frieda schlafen.

Am Abend lagen fünf Dinge vor ihrer Decke.

Die Stoffmaus.

Der Ball.

Ein Stoffband.

Ein Leckerli.

Und meine inzwischen ziemlich zerzauste Wollsocke.

Ich musste lächeln.

Aber dieses Mal lachte ich nicht laut.

Denn irgendetwas hatte sich verändert.

Die beiden hatten nicht aufgehört, Frieda zu lieben.

Sie waren nur vorsichtiger geworden.

In den nächsten Tagen beobachtete ich, wie sie ihre Gewohnheiten veränderten.

Wenn Frieda schlief, legten sie sich in ihre Nähe.

Nicht mehr direkt auf sie.

Nicht mehr quer über ihren Rücken.

Sondern ein kleines Stück entfernt.

Wenn Frieda langsam durch den Flur ging, liefen sie nicht mehr ständig zwischen ihren Pfoten hindurch.

Manchmal setzte sich Anton einfach neben die Tür und sah ihr zu.

Willi wartete gelegentlich am Wassernapf, bis sie fertig getrunken hatte.

Ob sie wirklich begriffen hatten, dass Frieda älter und schwächer war, weiß ich nicht.

Vielleicht hatten sie nur meine Reaktion in Erinnerung behalten.

Vielleicht hatten sie gelernt, auf ihre Körpersprache zu achten.

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