Drei Tage lang versteckte sich das verängstigte Kätzchen bis sein einsamer Besitzer weinte und etwas Unglaubliches geschah

Drei Tage lang versteckte sich mein kleines Kätzchen vor mir, doch als ich eines Abends weinend auf dem Küchenboden saß, geschah etwas, das ich nie vergessen werde.

„Bitte, Kleiner. Du musst doch wenigstens etwas fressen.“

Ich saß auf dem Schlafzimmerboden und starrte auf einen grauen Transportkorb. Darin hockte ein winziges Kätzchen, das mich mit großen, ängstlichen Augen ansah.

Es bewegte sich nicht. Nicht einmal, als ich ihm vorsichtig ein Schälchen mit Futter vor die offene Tür stellte.

„Ich tue dir nichts“, flüsterte ich.

Keine Reaktion.

Ich hieß Martin, war 58 Jahre alt und hatte geglaubt, ich wüsste inzwischen, wie sich Einsamkeit anfühlt.

Aber dieses kleine Tier sollte mir zeigen, dass es noch eine andere Art von Einsamkeit gab. Eine, die sogar dann blieb, wenn jemand direkt vor einem saß.

Drei Tage zuvor hatte ich den Kater aus einer privaten Pflegestelle abgeholt.

Die Frau, die ihn mir übergab, hieß Gisela. Sie war Anfang sechzig und kümmerte sich seit Jahren um Katzen, die niemand mehr haben wollte.

„Er ist ungefähr zwölf Wochen alt“, erklärte sie. „Aber er hat in seinem kurzen Leben schon mehr Umzüge erlebt als manche Menschen in zehn Jahren.“

Ich sah in den Transportkorb.

Ein winziges grau-weißes Kätzchen saß zusammengekauert in der hintersten Ecke. Sein Fell war etwas struppig, sein Körper schmal und sein Kopf für den Rest seines Körpers fast zu groß.

„Was ist denn mit ihm passiert?“, fragte ich.

Gisela seufzte.

„Er war zuerst bei einer jungen Familie. Die hatten kaum Zeit für ihn. Dann kam er zu einem älteren Ehepaar, aber deren Katze hat ihn nicht akzeptiert. Danach nahm ihn jemand auf, der unbedingt ein niedliches Kätzchen haben wollte.“

Sie machte eine Pause.

„Und als er sich ständig versteckte, sollte er wieder weg.“

Ich schaute noch einmal zu dem kleinen Kater.

„Hat er denn etwas falsch gemacht?“

Gisela schüttelte den Kopf.

„Nein, Martin. Er hatte einfach nur Angst.“

Dieser Satz ging mir nicht mehr aus dem Kopf.

Ein kleines Tier, das noch nicht einmal richtig erwachsen war, hatte bereits gelernt, dass ein Zuhause jederzeit wieder verschwinden konnte.

„Wie heißt er?“, fragte ich.

„Bisher wurde er einfach nur Kleiner genannt.“

Ich musste lächeln.

„Dann soll er bei mir Emil heißen.“

Gisela nickte, aber ihr Gesicht blieb ernst.

„Er wird Zeit brauchen. Vielleicht sehr viel Zeit. Bitte erwarten Sie nicht, dass er Ihnen sofort vertraut.“

„Ich habe Zeit“, antwortete ich.

Damals wusste ich noch nicht, wie schwer diese wenigen Worte manchmal einzuhalten waren.

Meine Wohnung lag im zweiten Stock eines älteren Mehrfamilienhauses am Stadtrand von Hannover.

Zwei Zimmer, eine kleine Küche, ein Bad und ein Balkon, auf dem seit Jahren dieselben drei Blumentöpfe standen.

Nichts Besonderes.

Seit meine Frau Karin vor vier Jahren gestorben war, lebte ich dort allein.

Unsere Tochter wohnte mit ihrer Familie in Süddeutschland. Wir telefonierten regelmäßig, aber im Alltag war es meistens still.

Ich arbeitete halbtags als Hausmeister in einer kleinen Wohnanlage. Nachmittags kam ich nach Hause, machte mir etwas zu essen und sah fern.

Manchmal lief der Fernseher nur, damit überhaupt jemand sprach.

Meine Tochter hatte mir schon länger vorgeschlagen, ein Haustier aufzunehmen.

„Papa, du musst doch nicht jeden Abend allein auf dem Sofa sitzen.“

Ich hatte immer abgewinkt.

Doch irgendwann saß ich tatsächlich allein auf dem Sofa und dachte darüber nach, wie lange ich schon niemandem mehr gesagt hatte: „Schön, dass du da bist.“

Also entschied ich mich für Emil.

Am ersten Abend stellte ich seinen Transportkorb in mein Schlafzimmer.

Ich öffnete vorsichtig das kleine Metallgitter und wartete.

Nichts.

Emil presste seinen Körper noch fester gegen die Rückwand.

Ich hatte ihm ein weiches Katzenbett gekauft, zwei kleine Näpfe und ein Spielzeug mit einer Feder.

Alles lag bereit.

Aber Emil wollte nichts davon.

Nach einer halben Stunde trug ich den offenen Korb in die Ecke neben meinem Kleiderschrank. Dort war es ruhig, und er konnte sich zurückziehen.

Ich legte eines meiner alten T-Shirts daneben.

Das Hemd war schon etwas ausgeleiert. Karin hatte früher immer gesagt, ich solle es endlich wegwerfen.

Ich hatte es trotzdem behalten.

„Vielleicht hilft es dir, dich an meinen Geruch zu gewöhnen“, murmelte ich.

Dann setzte ich mich mit etwas Abstand auf den Boden.

„Weißt du, Emil, du musst mich heute nicht mögen.“

Ich wartete.

„Morgen auch nicht. Wir haben ja Zeit.“

Ein paar Minuten später schoss er plötzlich aus dem Korb.

Er rannte hinter den Kleiderschrank und verschwand.

So schnell, dass ich kaum reagieren konnte.

Das war unser erster gemeinsamer Abend.

Am nächsten Morgen stand das Futter noch beinahe unberührt da.

Ich machte mir Sorgen.

Bevor ich zur Arbeit ging, stellte ich frisches Wasser hin und rückte das Futterschälchen näher an sein Versteck.

„Ich bin heute Nachmittag wieder da, Kleiner.“

Natürlich antwortete niemand.

Als ich zurückkam, fehlten ein paar Bissen.

Nicht viel.

Aber genug, um mich so zu erleichtern, dass ich mich auf die Bettkante setzen musste.

„Na also“, sagte ich leise. „Du hast wenigstens etwas gefressen.“

Dann sah ich zum Kleiderschrank.

Emil war nicht zu sehen.

Und plötzlich fühlte sich meine Wohnung fremd an.

Ich bemerkte Dinge, auf die ich früher nie geachtet hatte.

Die Heizungsrohre knackten. Die alten Dielen knarrten. Der Kühlschrank brummte, und wenn die Nachbarn ihre Wohnungstür schlossen, hallte es durch den Flur.

Für mich waren das ganz normale Geräusche.

Für Emil offenbar nicht.

Jedes Mal, wenn irgendwo etwas lauter wurde, hörte ich ein hastiges Kratzen hinter dem Schrank.

Also änderte ich meine Gewohnheiten.

Ich ließ meine Schlüssel nicht mehr auf die Kommode fallen. Ich schloss Türen vorsichtiger und schaltete den Fernseher leiser.

Wenn ich nach Hause kam, sprach ich mit Emil.

Nicht, weil ich glaubte, dass er meine Worte verstehen würde.

Sondern weil ich hoffte, dass meine Stimme irgendwann etwas Vertrautes für ihn sein könnte.

„So, Emil. Ich mache mir jetzt Abendbrot.“

Oder:

„Das war nur die Heizung. Die macht das schon seit zwanzig Jahren.“

Manchmal sagte ich einfach:

„Ich bin noch da.“

Am dritten Tag passierte etwas, das mich bis heute beschäftigt.

Ich stand in der Küche und wollte mir einen Tee machen.

Dabei rutschte mir ein Löffel aus der Hand.

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