Zwei kleine Kater brachten einer alten Katze jeden Tag Geschenke, doch eines Tages verstand ich warum

Als meine beiden jungen Kater ihrer alten Katzenfreundin plötzlich Leckerlis vor die Pfoten legten, musste ich lachen. Doch was sie wenige Tage später taten, brachte mich zum Weinen.

„Lasst sie doch endlich in Ruhe!“

Meine Stimme war lauter geworden, als ich wollte.

Zwei kleine Kater standen mitten in meinem Wohnzimmer und sahen mich erschrocken an. Zwischen ihren Pfoten lag eine Stoffmaus. Daneben ein kleines Katzenleckerli.

Unter dem alten Sessel lag meine Katze Frieda.

Sie hatte nicht gefaucht. Sie hatte nicht nach den beiden geschlagen. Sie hatte nur müde den Kopf gehoben und mich angesehen.

Und plötzlich schämte ich mich für meinen Ausbruch.

Denn die beiden Kleinen hatten nichts Böses getan.

Sie wollten nur, dass Frieda mit ihnen spielte.

Ich heiße Helga, bin 69 Jahre alt und lebe seit dem Tod meines Mannes allein in einer kleinen Wohnung am Stadtrand von Kassel.

Ganz allein bin ich allerdings nicht.

Drei Katzen teilen sich mit mir die Wohnung. Und manchmal glaube ich, dass diese drei kleinen Wesen mehr darüber wissen, wie man eine Familie zusammenhält, als so mancher Mensch.

Frieda ist die Älteste.

Sie ist eine 17 Jahre alte, rot getigerte Katze mit inzwischen etwas stumpfem Fell, einem langsamen Gang und Augen, die nicht mehr alles so deutlich erkennen wie früher.

Früher gehörte ihr die ganze Wohnung.

Sie musste dafür nicht laut werden. Ein einziger Blick von ihr genügte, und selbst mein verstorbener Mann Dieter sagte dann lachend: „Na gut, Chefin. Dann machen wir es eben so.“

Frieda lag immer auf seinem Lieblingssessel.

Wenn Dieter Zeitung las, saß sie neben ihm. Wenn er abends die Nachrichten einschaltete, legte sie sich auf seinen Bauch.

Und als er vor vier Jahren nicht mehr nach Hause kam, wartete Frieda wochenlang an der Wohnungstür.

Jeden Abend.

Immer ungefähr zur gleichen Zeit.

Ich konnte ihr nicht erklären, warum der Mensch, dessen Schritte sie seit so vielen Jahren kannte, plötzlich nicht mehr zu hören war.

Vielleicht hatte sie es irgendwann verstanden.

Vielleicht auch nicht.

Wir beide wurden jedenfalls stiller.

Bis Anton und Willi in unser Leben kamen.

Die beiden waren gerade einmal zwölf Wochen alt, als ich sie aus einer privaten Pflegestelle zu mir holte.

Anton war ein rotweißer Kater mit einer kleinen dunklen Stelle neben der Nase. Er hatte riesige Pfoten, einen erstaunlich runden Bauch und keinerlei Respekt vor Möbeln.

Willi war etwas kleiner.

Sein Fell war grau getigert, sein Gesicht schmal und seine Augen immer so weit geöffnet, als würde er jeden Augenblick etwas Unglaubliches entdecken.

Anton war der Draufgänger.

Wenn irgendwo etwas herunterfiel, konnte ich fast sicher sein, dass Anton dahintersteckte.

Willi war derjenige, der anschließend noch etwas dazulegte.

Zusammen waren sie eine Katastrophe auf acht Pfoten.

Sie sprangen vom Sofa auf den Teppich, jagten einander durch den Flur und versteckten sich hinter meinen Hausschuhen.

Einmal fand ich Anton mitten in meinem Wäschekorb.

Willi saß davor und versuchte offenbar, seinen Bruder unter einem Handtuch zu begraben.

Ich hatte lange nicht mehr so herzlich gelacht.

Doch vom ersten Tag an gab es etwas, das die beiden noch interessanter fanden als meine Möbel.

Frieda.

Sie folgten ihr überallhin.

Wenn Frieda zum Wassernapf ging, liefen sie hinterher.

Wenn sie ihre Katzentoilette aufsuchte, warteten sie davor.

Und wenn sie sich auf ihre alte Decke am Wohnzimmerfenster legte, saßen die beiden daneben und starrten sie an.

Als wäre sie etwas ganz Besonderes.

Frieda war davon wenig begeistert.

Sie wollte schlafen.

Die beiden wollten spielen.

Sie wollte ihre Ruhe.

Die beiden wollten wissen, wie sich ihr Schwanz anfühlte, was unter ihrer Decke lag und warum sie nicht einfach aufstand und mit ihnen durch die Wohnung rannte.

Manchmal hob Frieda nur langsam den Kopf.

Dann schaute sie mich an.

Ich hätte schwören können, dass dieser Blick bedeutete: „Helga, was hast du dir da nur ins Haus geholt?“

Anfangs war es unglaublich komisch.

Besonders, als die Geschenke anfingen.

Eines Morgens lag eine kleine Stoffmaus vor Friedas Decke.

Anton saß daneben.

Er schaute erst die Maus an, dann Frieda und dann wieder die Maus.

Als Frieda nicht reagierte, schob er das Spielzeug mit seiner Pfote ein kleines Stück näher.

Nichts geschah.

Also setzte er sich hin und wartete.

Eine ganze Weile.

Am nächsten Tag brachte Willi einen zerknüllten Kassenzettel, den er offenbar vom Küchentisch geholt hatte.

Er legte ihn vor Frieda ab und sah sie erwartungsvoll an.

Frieda schnupperte kurz daran.

Dann schloss sie wieder die Augen.

Ich musste so sehr lachen, dass ich meine Kaffeetasse abstellen musste.

Aber die beiden gaben nicht auf.

Bald sammelten sich die seltsamsten Dinge vor Friedas Schlafplatz.

Ein kleiner Filzball.

Ein Stoffband.

Ein Flaschendeckel.

Ein Spielzeugfisch.

Und einmal sogar eine meiner dicken Wollsocken.

Die Socke war fast so groß wie Anton selbst.

Er schleppte sie quer durch das Wohnzimmer, blieb zweimal daran hängen und verlor sie schließlich direkt vor Friedas Vorderpfoten.

Danach setzte er sich aufrecht hin.

So stolz, als hätte er etwas Großartiges vollbracht.

Frieda öffnete ein Auge.

Sie sah die Socke an.

Dann Anton.

Schließlich legte sie ihren Kopf wieder auf die Decke.

„Das wird wohl nichts, mein Junge“, sagte ich und kraulte ihm den Rücken.

Doch eines Nachmittags geschah etwas, das den beiden offenbar neue Hoffnung gab.

Willi hatte einen kleinen gelben Ball gebracht.

Er rollte ihn vorsichtig vor Frieda.

Sie hob ihre Pfote und berührte den Ball ein einziges Mal.

Nur ganz leicht.

Der Ball rollte vielleicht zehn Zentimeter.

Aber für Anton und Willi war es offenbar das größte Ereignis ihres jungen Lebens.

Beide sprangen gleichzeitig hoch.

Anton rannte gegen den Tisch.

Willi machte einen Satz über den Teppich und landete kopfüber in einem Kissen.

Ich lachte Tränen.

Frieda sah ihnen einen Moment nach.

Und ich bilde mir bis heute ein, dass sie dabei ein kleines bisschen zufrieden aussah.

Von diesem Tag an wurden die Geschenke mehr.

Jeden Morgen fand ich etwas Neues vor ihrem Schlafplatz.

Manchmal lag sogar ein Leckerli dabei.

Wie die beiden es schafften, einzelne Stückchen aus ihrem Futternapf bis zu Frieda zu tragen, konnte ich mir zunächst nicht erklären.

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