Sie wollte ihren gelähmten Kater Moritz weggeben doch eine einzige Frage ihrer Nachbarin veränderte alles

In der Nacht, als ich meinen gelähmten Kater weggeben wollte, kroch er mit letzter Kraft zu mir, und meine 78-jährige Nachbarin stellte eine Frage, die alles veränderte.

„Es tut mir leid, mein Kleiner. Ich kann einfach nicht mehr.“

Meine Stimme zitterte, als ich die alte Wäschewanne auf den Küchenboden stellte. Es war kurz vor Mitternacht. Darin lag mein Kater Moritz, eingewickelt in ein blaues Handtuch, das früher auf meinem Kopfkissen gelegen hatte.

Seine Hinterbeine waren gelähmt. Er konnte nicht mehr richtig laufen, nicht mehr springen und manchmal nicht einmal allein zur Katzentoilette gelangen.

Trotzdem sah er mich mit seinen großen grünen Augen an, als wäre alles in Ordnung.

Als wäre ich noch immer der Mensch, dem er auf dieser Welt am meisten vertraute.

Dabei hatte ich gerade beschlossen, ihn wegzugeben.

Ich heiße Brigitte, bin 67 Jahre alt und wohne allein in einer kleinen Zweizimmerwohnung am Stadtrand von Kassel.

Seit meiner Scheidung vor sechs Jahren hatte sich mein Leben immer weiter verkleinert. Erst verschwanden die gemeinsamen Freunde. Dann das größere Zuhause. Schließlich blieb nur noch diese Wohnung im zweiten Stock eines alten Mietshauses.

Und Moritz.

Der kleine rot-weiße Kater, den ich an einem eisigen Januarmorgen unter einer Holzterrasse gefunden hatte.

Damals war er kaum älter als ein Jahr gewesen. Sein Fell war nass, die Hinterbeine schleifte er hinter sich her, und sein ganzer Körper zitterte.

Ich erinnere mich noch genau, wie ich mich neben ihn kniete.

„Na, was ist denn mit dir passiert?“

Er versuchte wegzukriechen, kam aber kaum vorwärts.

Als ich meine Hand ausstreckte, fauchte er nicht. Er biss auch nicht. Stattdessen legte er seinen kleinen Kopf in meine Handfläche.

Ich nahm ihn mit.

Die Tierärztin erklärte später, dass vermutlich eine ältere Verletzung seine Wirbelsäule geschädigt hatte. Seine Hinterbeine würden wahrscheinlich nie wieder vollständig funktionieren.

„Er wird besondere Pflege brauchen“, sagte sie. „Möglicherweise sein ganzes Leben lang.“

Ich sah auf den kleinen Kater, der erschöpft auf dem Behandlungstisch lag.

„Dann bekommt er die eben.“

Damals klangen diese Worte so selbstverständlich.

Ich hatte noch meine Teilzeitstelle in einer kleinen Wäscherei. Mein Einkommen war bescheiden, aber regelmäßig. Die Miete war bezahlbar, und ich hatte genug Kraft, um nach Feierabend seine Decken zu waschen und ihn zu versorgen.

Moritz brauchte Hilfe bei Dingen, über die man normalerweise nicht nachdenkt.

Ich musste ihn mehrmals täglich zur Katzentoilette tragen. Manchmal ging trotzdem etwas daneben. Dann wechselte ich die Unterlagen, reinigte den Boden und wusch sein Fell vorsichtig mit warmem Wasser.

Ich massierte seine steifen Hinterbeine, wie die Tierärztin es mir gezeigt hatte.

Und jeden Abend machte ich ihm auf dem Sofa einen Platz neben mir.

Er entwickelte seine ganz eigene Art, sich fortzubewegen. Mit den Vorderpfoten zog er seinen Körper langsam über den Teppich. Auf glattem Boden rutschte er manchmal weg, weshalb ich nach und nach überall kleine Läufer auslegte.

Besonders stolz war er, wenn er es allein bis zur Küche schaffte.

Dann saß er vor seinem Futternapf und miaute, als hätte er einen Berg bestiegen.

Ich lachte jedes Mal.

„Na, du kleiner Rennfahrer. Wieder einen Rekord geschafft?“

Moritz antwortete mit einem tiefen, zufriedenen Schnurren.

Es waren diese winzigen Augenblicke, die mein Leben wieder lebenswert machten.

Nach der Scheidung hatte ich lange geglaubt, nichts mehr richtig hinzubekommen.

Mein ehemaliger Mann hatte nach fast 35 Ehejahren gesagt, wir hätten uns auseinandergelebt. Vielleicht stimmte das sogar. Aber es tat trotzdem weh, plötzlich nicht mehr zu wissen, wohin man gehörte.

Die ersten Monate allein waren furchtbar.

Ich kam abends nach Hause und schaltete den Fernseher ein, nur damit jemand sprach. Manchmal blieb ich im Treppenhaus stehen, weil ich wusste, dass hinter meiner Wohnungstür niemand auf mich wartete.

Seit Moritz bei mir lebte, war das anders.

Wenn ich den Schlüssel ins Schloss steckte, hörte ich schon sein leises Miauen.

Er konnte nicht zur Tür rennen wie eine gesunde Katze. Aber er zog sich jedes Mal ein Stück über den Teppich, nur um mich zu begrüßen.

Und wenn ich mich abends erschöpft aufs Sofa setzte, legte er seine Pfoten auf meinen Oberschenkel, bis ich ihn hochnahm.

Dann schlief er an meiner Seite ein.

Ich erzählte ihm Dinge, die ich keinem Menschen erzählen wollte.

Wie sehr mich meine Scheidung noch beschäftigte. Wie unangenehm es mir war, wenn Bekannte fragten, ob ich inzwischen wieder jemanden kennengelernt hätte.

Oder wie traurig es mich machte, dass meine erwachsene Tochter weit weg wohnte und wir uns oft nur an Geburtstagen sahen.

Moritz verstand wahrscheinlich kein einziges Wort.

Aber er blieb.

Immer.

Bis zu jenem Herbst, in dem alles schwieriger wurde.

Zuerst wurden meine Arbeitsstunden gekürzt. Die kleine Wäscherei hatte weniger Aufträge, und meine Chefin konnte mich nur noch an zwei Vormittagen in der Woche beschäftigen.

Dann kam die Nebenkostenabrechnung.

Fast 400 Euro Nachzahlung.

Kurz darauf teilte mir der Vermieter eine Mieterhöhung mit. Für mich bedeuteten schon wenige zusätzliche Euro, dass am Monatsende etwas anderes fehlen würde.

Ich fing an zu rechnen.

Beim Einkaufen nahm ich die günstigsten Lebensmittel. Ich verzichtete auf meinen Friseurtermin und trug die alten Winterstiefel weiter, obwohl sich an einer Sohle bereits ein Riss zeigte.

Die Heizkörper drehte ich nur noch auf, wenn es unbedingt nötig war.

Aber bei Moritz wollte ich nicht sparen.

Sein spezielles Futter kostete mehr als gewöhnliches Katzenfutter. Er brauchte waschbare Unterlagen, gelegentlich Medikamente und regelmäßige Kontrollen.

Als seine Haut eines Tages wund wurde, musste ich sofort zur Tierärztin.

Die Rechnung betrug 186 Euro.

Ich bezahlte sie mit meiner letzten Rücklage.

Auf dem Heimweg saß ich im Bus und starrte auf den Kassenbon.

Moritz lag in seiner Transportbox auf meinem Schoß. Durch das kleine Gitter sah ich seine grünen Augen.

„Wir schaffen das schon“, flüsterte ich.

Dabei wusste ich nicht mehr, ob das stimmte.

Meine Knie wurden ebenfalls schlechter. Die Treppen in den zweiten Stock machten mir zunehmend zu schaffen.

An manchen Tagen schmerzten sie so sehr, dass ich mich beim Aufstehen am Küchentisch abstützen musste.

Besonders schlimm war es morgens.

Moritz brauchte seine Pflege, bevor ich zur Arbeit ging. Also stand ich früher auf, kniete mich auf den Boden und versuchte, alles richtig zu machen.

Manchmal biss ich die Zähne zusammen, weil jede Bewegung wehtat.

Einmal blieb ich vor Schmerzen auf dem Badezimmerboden sitzen.

Moritz zog sich langsam zu mir.

Es dauerte fast eine Minute, bis er mich erreichte.

Dann legte er eine Vorderpfote auf meinen Hausschuh.

Ich musste gleichzeitig lachen und weinen.

„Eigentlich sollte ich doch auf dich aufpassen.“

Von diesem Tag an begann sich ein Gedanke in meinem Kopf festzusetzen.

Vielleicht hatte Moritz etwas Besseres verdient.

Vielleicht brauchte er jemanden, der jünger war, kräftiger, gesünder.

Jemanden mit einem Garten. Mit mehr Geld. Mit einer Wohnung ohne Treppen und genügend Zeit für seine Pflege.

Ich versuchte, diesen Gedanken zu verdrängen.

Doch je mehr Rechnungen sich auf meinem Küchentisch stapelten, desto lauter wurde er.

Schließlich erzählte mir eine Bekannte von einer privaten Pflegestelle, die angeblich auch gelähmte Tiere aufnahm.

Ich ließ mir die Adresse geben.

Drei Tage lang lag der kleine Zettel neben meinem Telefon.

Ich faltete ihn einmal zusammen.

Dann noch einmal.

Am vierten Tag rief ich dort an.

Eine freundliche Frauenstimme erklärte mir, dass sie grundsätzlich Katzen mit besonderen Bedürfnissen betreuten, momentan jedoch sehr ausgelastet seien.

Ob ich den Kater wirklich nicht mehr behalten könne?

Ich schwieg lange.

„Ich weiß es nicht“, antwortete ich schließlich.

Die Frau sprach ruhig mit mir. Sie sagte, ich könne mich noch einmal melden, wenn ich meine Entscheidung getroffen hätte.

Nach dem Gespräch saß ich fast eine Stunde am Küchentisch.

Moritz schlief auf seiner Decke.

Ich betrachtete seinen kleinen Körper und fragte mich, wann Liebe plötzlich so kompliziert geworden war.

An jenem Abend ging alles schief.

Ich hatte kaum etwas gegessen. Mein Knie war geschwollen, und das Schreiben wegen der Miete lag ungeöffnet auf dem Tisch.

Dann passierte Moritz ein Missgeschick auf dem Teppich.

Er versuchte sofort, sich wegzuziehen.

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